Interimsquartier für die Philharmonie Gasteig soll während der Sanierung nach Sendling ziehen

In einer neuen Konzerthalle würden laut dem Vorschlag ein Foyer, ein Restaurant, Proben- und Garderobenräume für die Musiker untergebracht. Rechts ginge es zum hölzernen Konzertsaal.

(Foto: Allmann Sattler Wappner Architekte)
  • Der Umzug von Münchens Kulturzentrum nach Sendling für die Sanierungsphase des Gasteigs wird immer wahrscheinlicher.
  • Der Gasteig-Aufsichtsrat hat einstimmig beschlossen, eine entsprechende Empfehlung an den Stadtrat auszusprechen.
  • Laut einer Machbarkeitsstudie können Stadtbibliothek, Musikhochschule und VHS gemeinsam unterkommen, für die Philharmonie ist ein neuer Konzertsaal aus Holz geplant.
Von Susanne Hermanski

Die nächste Hürde ist genommen: Der Umzug von Münchens Kulturzentrum nach Sendling für die Sanierungsphase des Gasteigs wird immer wahrscheinlicher. Der Gasteig-Aufsichtsrat, unter Vorsitz von Bürgermeister Josef Schmid (CSU), hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, eine entsprechende Empfehlung an den Stadtrat auszusprechen. Laut Machbarkeitsstudie können auf dem Areal der Stadtwerke, gleich unterhalb des Heizkraftwerks Süd, nicht nur Stadtbibliothek, Musikhochschule und VHS gemeinsam unterkommen.

Auch für die Philharmoniker zeichnet sich eine Lösung ab, die ihren Orchestersprecher Christian Beuke geradezu euphorisch reagieren lässt: "Wir halten das für eine exzellente Lösung und sind sehr glücklich darüber."

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Dabei kommt die Machbarkeitsstudie in puncto Konzerthalle zu einem etwas anderen Ergebnis als ursprünglich gedacht. Demzufolge kann die Philharmonie nicht in der historischen Lagerhalle aus den Zwanzigerjahren untergebracht werden. Auch wenn sie das prächtige Herzstück des Geländes darstellt. Der Konzertsaal könnte jedoch in einem hölzernen "Zwillingsbau" direkt an die Halle angeschlossen werden. In der Halle selbst würden laut einem Vorschlag der Autoren der Machbarkeitsstudie das Foyer, ein Restaurant, Proben- und Garderobenräume für die Musiker untergebracht werden.

Darüber hinaus wäre die Halle auf mehreren Stockwerken auch für andere Institutionen des Kulturzentrums nützbar - für Büros, den zentralen Kartenverkauf, "und alles, was intensiven Publikumsverkehr benötigt", sagt Gasteig-Chef Max Wagner. "Wir hätten in der historischen Halle dann sogar eine Art Pendant zu unserer jetzigen Glashalle", glaubt er seinerseits begeistert.

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Drei Gründe, warum diese Halle sich nicht selbst als Konzertsaal eignet, führt die Studie an: Sie stehe auch im Inneren unter Denkmalschutz, was jede dauerhafte Umgestaltung schwierig mache. Zum Beispiel wären sichtbehindernde Säulen, die in ihrem Mittelbereich stehen, wohl nicht zu entfernen. Zum anderen wäre ein denkmalschutzgerechter Umbau sehr teuer und somit für jede Art von Interimslösung abzulehnen. Und zu guter Letzt würde so ein aufwendiger Umbau auch zu viel Zeit kosten. Immerhin müsste der Umzug der Philharmonie vor 2020 erfolgen. Dann spätestens soll die Gasteig-Sanierung beginnen.

In vielen Details bestätigt die bislang unveröffentlichte Studie jedoch, was Max Wagner und sein Team gehofft hatten. Eine Nutzung als Ausweichquartier für den Gasteig erscheine ideal: Für die Besucher, weil das Areal verkehrstechnisch zentral gelegen und über U-Bahn und Busse sehr gut erreichbar sei. "Und weil die Münchner Bürger an dieser Stelle sogar Kultur- und Naturgenuss sehr gut miteinander verbinden könnten", referiert Wagner. "Die Autoren der Studie haben sogar darauf hingewiesen, dass man über Stege im Idealfall eine direkte Verbindung zur Isar und dem Flaucher schaffen könnte", sagt der Gasteig-Chef.

Auch für das gesamte Stadtviertel prognostiziere die Studie beste Entwicklungschancen, wenn das Areal durch den Interims-Gasteig "aus seinem Dornröschenschlaf geweckt würde". Die heterogene Struktur aus Wohnbebauung, dem Gewerbe der Großmarkthallen und den Industrieanlagen der Stadtwerke erhalte so eine Art neues Zentrum.

Auf den Entwürfen, die die Autoren der Machbarkeitsstudie - das Architekturbüro Allmann Sattler Wappner - beigefügt haben, lässt sich noch ein weiterer interessanter Vorschlag ersehen: Den kleinen Konzertsaal und die Black Box bringen sie dort in einem zusätzlichen Holzbau, direkt nördlich der alten Lagerhalle unter. "Sollte ein solcher zusätzlicher Bau möglich sein", sagt Wagner, entstünde auf dem Areal ein echter Platz zur Isar hin. Gänzlich unmöglich erscheint nach der Aufsichtsratsentscheidung nun nichts mehr. Hatte sich doch auch der Stadtkämmerer schon begeistert geäußert und von hohen möglichen Einsparungen gesprochen, wenn die Institutionen des Gasteigs in Gänze irgendwo unterkämen. In der Studie heißt es, dies sei zu 95 Prozent möglich.

Am 23. November wird der Stadtrat nun seine Entscheidung fällen müssen. Dann wird die jahrelange Suche vielleicht beendet sein. In deren Rahmen wurden bereits 35 verschiedene Standorte geprüft. Und für die bisherigen Mieter des Areals, so betont Wagner, werde man ebenfalls gemeinsam Lösungen erarbeiten.

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