50 Jahre Widerstand Die Lobby der Flughafenanrainer

Manfred Pointner, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft, kämpft seit vielen Jahren gegen die Flughafen-Planungen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit mittlerweile 50 Jahren kämpft die Schutzgemeinschaft Erding-Nord, Freising und Umgebung gegen die Auswirkungen des Münchner Flughafens auf die Region. Vor allem beim Lärmschutz war sie erfolgreich.

Von Petra Schnirch, Freising

Seit mittlerweile 50 Jahren kämpft die Schutzgemeinschaft Erding-Nord, Freising und Umgebung gegen den Flughafenbau beziehungsweise gegen dessen Auswirkungen auf die Region - und es gibt keine Anzeichen, dass die Vereinigung in den nächsten Jahren überflüssig werden könnte. Zum Jubiläum findet am Dienstag, 5. Dezember, ein Festakt im großen Sitzungssaal des Landratsamts statt (um 20 Uhr), davor wird bei der Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt. Vorsitzender Manfred Pointner stellt sich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.

Gegründet worden war die Schutzgemeinschaft am 6. Dezember 1967 im Gasthaus Kiefer in Attaching, denn wenige Wochen zuvor war auch für das Erdinger Moos ein Raumordnungsverfahren eingeleitet worden. Erster Vorsitzender war der damalige Oberdinger Bürgermeister Franz Schweiger. Zuvor galt der Hofoldinger Forst als erste Wahl für den Flughafen-Neubau, doch die Bevölkerung dort wehrte sich entschieden. Schnell rückte das Erdinger Moos in den Fokus - weil es sich angeblich um minderwertiges Ödland handelte. "Wir haben keine große Lobby gehabt", erinnert sich Pointner.

"Klagen haben wir fast keine gewonnen", bilanziert der Vorsitzende. Viel erreicht habe man trotzdem

Die Bilanz der Schutzgemeinschaft, der 44 Gemeinden, die Landkreise Freising, Erding und Dachau sowie mehrere hundert Privatpersonen angehören, ist durchwachsen. "Klagen haben wir fast keine gewonnen", bilanziert Pointner. Viel erreicht habe man trotzdem. Die ursprüngliche Planung sah neben den beiden Haupt- auch zwei Nebenbahnen vor, die schließlich wegfielen. Beim Lärmschutz habe die Schutzgemeinschaft für die Betroffenen deutlich mehr erkämpft als gesetzlich vorgegeben war, listet Pointner auf. Auch die Außenbereichsentschädigung sowie die Nachtflugregelung, die später allerdings aufgeweicht wurde, wertet er als Erfolge. Darüber hinaus sei die Eröffnung des Flughafens deutlich verzögert worden. Eigentlich sollte er bereits 1972 zu den Olympischen Spielen in Betrieb gehen.

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Pointner, 74, ist seit 2014 Vorsitzender der Vereinigung, er hat die Auseinandersetzungen von Anfang an hautnah miterlebt. Sein Elternhaus stand in Franzheim, das für das Großprojekt planiert wurde. Als Freisinger Landrat und Landtagsabgeordneter der Freien Wähler setzte er sich kritisch mit den Planungen auseinander. Über all die Jahre blieb er stets auf der sachlichen Ebene. Die Schutzgemeinschaft könne "nicht so drauf hauen" wie das Aktionsbündnis "Aufgemuckt", sagt er. Viele der CSU-Bürgermeister hätten sonst nicht mitgezogen.

Einer, der ohne Rücksicht auf seine Parteizugehörigkeit hartnäckig gegen den Flughafenbau ankämpfte, war Oskar Vincenti. Fast 20 Jahre lang, von 1977 bis 1996, stand er an der Spitze der Schutzgemeinschaft - in der heißen Phase der Prozesse gegen das Projekt. Unermüdlich informierte und referierte er, beriet die Kläger. Seinem Geschick sei es zuzuschreiben, dass Tausende finanziell glimpflich davon gekommen sind, sagt Pointner. Nach der Eröffnung des Flughafens 1992 war Vincenti im Umland oft mit Lärmmessgerät anzutreffen.

Die Schutzgemeinschaft unterstützt Musterkläger, denn für Privatpersonen besteht ein hohes Kostenrisiko

Damals wie heute unterstützt die Schutzgemeinschaft Musterkläger, denn für Privatpersonen bestünde ein enormes Kostenrisiko. Derzeit anhängig ist noch eine Beschwerde am Bundesverfassungsgericht gegen den Bau der dritten Startbahn - in den Instanzen zuvor waren die Gegner gescheitert. Vier Attachinger fechten dort die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs an, der den Genehmigungsbescheid für rechtens hielt. Keine Rolle spielte in dem Mammutverfahren jedoch, dass die zugrunde liegenden Prognosen viel zu hochgegriffen waren. Dies ist laut Pointner einer der Kernpunkte der Beschwerde. Wann darüber entschieden wird, ist noch offen. Für die Anwaltskosten werden etwa 50 000 Euro anfallen.

Unterstützen will die Schutzgemeinschaft auch Werbemaßnahmen, falls es in München zu einem weiteren Startbahn-Bürgerentscheid kommen sollte. Die Kasse ist derzeit gut gefüllt. 150 000 Euro befinden sich auf dem Konto, daraus macht der Vorsitzende kein Geheimnis. "Mit Erstaunen zur Kenntnis genommen" hat er zuletzt den Meinungswandel von Ministerpräsident Horst Seehofer zur Startbahn. "Die Gespräche mit ihm hatten schon Hoffnung geweckt."