Bar Plüschig, aber modern

Die Drinks kommen von der langen Bar in der hinteren Ecke des Raumes.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im neuen Salon Pitzelberger unter dem Gärtnerplatztheater gibt es ein Klavier, Absacker mit Schauspielern und ein Ambiente, das zum Verweilen einlädt.

Von Thomas Anlauf

Die Geschichte des Herrn Pitzelberger ist schnell erzählt und passt deshalb gut in den Einakter von Jacques Offenbach. Der alte Pitzelberger, ein ehemaliger Fabrikant, will es noch einmal wissen, dass er ein ganz Großer ist und beschließt, einen eigenen Salon zu eröffnen. Doch die engagierten Künstler sagen kurz vor der Premiere ab, also springt kurzfristig seine junge Tochter samt ihrem heimlichen Geliebten als Sopranistin und Tenor ein, selbst Herr Pitzelberger muss mitmachen, um das Publikum nicht zu verärgern.

Was die Geschichte mit einer Münchner Bar zu tun hat, ist ebenfalls gleich erzählt. Der "Salon Pitzelberger", wie Offenbachs Opera buffa auf Deutsch heißt, war das Eröffnungsstück des Gärtnerplatztheaters als Hofbühne. Also lag es irgendwie nahe, zur Wiedereröffnung des Theaters im Oktober eine Kellerbar zu etablieren, die zumindest im Namen an die Geschichte des Hauses erinnert.

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Der "Salon Pitzelberger", den es nun seit vier Wochen gibt, kommt zwar etwas plüschig daher, ist aber eine ziemlich moderne Bar. Das von Innenarchitektin Nora von Nordenskjöld entworfene Lokal gruppiert sich unter dem Kreuzgewölbe um vier Säulen, denen dank einer Gartenzaun-Optik ein wenig die Wucht genommen wurde. Designerlampen verströmen ein fast schon zu warmes Licht, denn wer in einer etwas dunkleren Ecke sitzt, kann kaum noch entdecken, was so im Cocktailglas schwimmt.

Die Auswahl der Cocktails lässt kaum Wünsche offen. Es gibt auch eigene Kreationen wie "Pitzelberger Mule", der etwas süß war mit einer leichten Hustensaftnote, oder "Skinny Gärtnerplatz Bitch" für Kalorienbewusste - Wodka mit Mineralwasser. Damit soll nicht unbedingt junges Publikum angelockt werden, denn ein Club ist der Salon definitiv nicht, dagegen sprachen die Auflagen.

Das Wunschpublikum seien "Forscher", sagt einer der Barkeeper. Gerne auch im gesetzteren Alter. Das strömt dann auch in der Theaterpause in den Keller und belegt die reservierten (besten) Plätze für ein Glas Prosecco. Da ist der junge Mann mit seiner Großmutter, der die Musik lobt - gerade läuft "Should I stay or should I go". Eine Mama mit ihren beiden Töchtern hat ebenfalls die Pause genutzt, plötzlich müssen die jungen Theatergängerinnen mal, doch die Toiletten finden sie in dem Gewirr der Theatergänge nicht. Die zwei Mädchen sind nicht die einzigen, denen es so ergeht.

Die Bar ist zum längeren Verweilen gedacht

Abgesehen von dem Türsteher, der beim abendlichen Besuch ziemlich angsteinflößend aussah, ist der "Salon Pitzelberger" tatsächlich ein gemütlicher Ort am Gärtnerplatz. Die Preise sind für die Lage im historischen Theater noch halbwegs im Rahmen. Ein Hibiscus Gin Tonic kostet 8,50 Euro, wer einen 23 Jahre alten Ron Zacapa pur will, zahlt elf Euro fürs Glas oder, wenn's ein bisserl mehr sein darf, 160 Euro für die ganze Flasche.

Die Bar ist zum längeren Verweilen gedacht. Nach den Theatervorstellungen gibt es wechselnde Musik von DJs, von Northern Soul über Swing bis Funk. Wer es draufhat, darf sich ans Klavier setzen und spielen, es ist aber auch wahrscheinlich, dass der Gast einige Künstler des Gärtnerplatztheaters auf der Bühne im Keller erlebt, das ist nämlich Programm. Als Einakter kann man so einen Kultursalon wohl kaum bezeichnen.

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