Housetop-Bar im The Lovelace Drinks im Gewächshaus

Bunte Drinks und viel Grünzeug gibt es in der schlauchartigen Bar.

(Foto: Robert Haas)

In der Housetop-Bar im The Lovelace ist Konzeptlosigkeit das Konzept. Eine der Wände der Bar ist komplett bepflanzt. Ansonsten ist der Raum weniger gemütlich.

Von Marco Wedig

"Entschuldigung, gehören Sie zur Veranstaltung?", pampt eine Dame von links. "Äh, nee, wir wollten uns nur mal umsehen." So plötzlich, wie man in das Event eines Private-Equity-Investors hineinstolpert, so schnell ist man auch schon wieder draußen. Bei den ganzen Bars, die das Zwischennutzungsprojekt The Lovelace beherbergt, kann man sich ja mal vertun. Weg von den Anzugträgern also, auf zu einem Drink an der Housetop-Bar. 4,50 Euro kostet das Helle aus der Flasche.

Aber immerhin war ja die Podiumsdiskussion über Christian Kracht, die vorher im ersten Stock stattfand, umsonst. Die Karte bietet ein solides Cocktail- und Longdrinkprogramm. Der Whiskey Sour (9 Euro) schmeckt, angenehme Säure, der Four Roses Bourbon kommt gut durch. Und beim Gin Tonic (9,50 Euro) kann man ja eigentlich nicht viel falsch machen. Hier wäre ein bisschen mehr Gin und ein bisschen weniger Tonic aber nicht verkehrt gewesen. Später wird noch ein etwas zu erdbeeriger Rhubarb Jive (9 Euro) hinzukommen.

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Eine der Wände der Bar ist komplett bepflanzt. Ansonsten ist der Raum weniger gemütlich. In seiner Schlauchförmigkeit hat er - nicht nur wegen der Pflanzen - etwas von Gewächshaus. Gut, dass in der hinteren Ecke ein Piano- und ein Saxofon-Spieler musizieren. Als sie fertig sind, herrscht eine ganze Weile Ruhe. Irgendwann wird das Licht gedimmt, elektronische Musik beginnt vom Band zu laufen, allerdings die Art elektronischer Musik, die man eigentlich lauter hören müsste. Es wirkt nicht so, als ob das alles einem Konzept folgen würde.

Und plötzlich sind die Anzugträger wieder da. Sie mischen sich unter die anderen Gäste, wo sie nicht unbedingt auffallen. München-typisch sind hier eh alle vorzeigbar - auch die, die ihre Mütze noch aufhaben, unter welcher der perfekt geföhnte Pony hervorlugt. Zeit zu gehen. Noch ein letzter Blick vom dritten Stock auf die anderen Einrichtungen im Lovelace, auf den Barbershop und die Street Kitchen.

Die ehemalige Königliche Filialbank wirkt wie ein sehr hippes Einkaufszentrum. "Make the invisible visible" - statt mit Werbebotschaften sind die Wände mit pseudobedeutungsvollen Sprüchen versehen. Für eine der vielen gut kuratierten Veranstaltungen kommt man gerne wieder - und nimmt nachher sicher auch einen Drink an der Bar. Für ein entspanntes Bier geht man aber lieber woanders hin. Oder, wie es im Lovelace-Treppenhaus auf einem Schild heißt: "Obey little, resist much."

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