Springer, Sky und DFL "Internet-Sportschau" der Fußball-Bundesliga kommt

Das absurde Ergebnis eines Streits um Spitzfindigkeiten beim Sportrechtehandel: Je exklusiver die TV-Übertragungen geschnitten werden, desto mehr kann man sehen. Nun kommt die "Internet-Sportschau" der Fußball-Bundesliga - von Sky Deutschland.

Von Christopher Keil

Im Februar des vergangenen Jahres präsentierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) ihren Zeitplan für die nächste Auktion der Bundesliga-Fernsehrechte. Anfang April 2012 lagen dann die Angebote sämtlicher Bieter vor, zwei Wochen später stieg in einem Frankfurter Hotel weißer Rauch auf: Sky Deutschland, die Pay-TV-Plattform aus dem Medienkonzern Rupert Murdochs (News Corp) war der große Sieger, kaufte für 485,7 Millionen Euro jährlich bis 2017 nahezu alle Live-Rechte und umfassende Zusammenfassungsberechtigungen. Die Telekom zog sich als großer Verlierer aus dem Bundesliga-TV-Geschäft zurück, Einsteiger der Saison war der Axel Springer Verlag.

Damals schon formte sich Springers Umbau. Das Zeitungs- und Zeitschriftenhaus will ja ein Player der Digital-Industrie werden, ein Spieler am Tisch der Riesen wie Google oder Apple. Deshalb investierte Springer etwa 20 Millionen Euro, um von Sommer 2013 an eine Stunde nach Ende der Bundesligaspiele kostenpflichtige "Highlight Clips" anbieten zu können für iPhone und iPad. Die attraktive deutsche Fußballmeisterschaft soll das neue Internetangebot Bild plus schmücken, doch nun hat Springers Einstieg in die Welt bewegter und exklusiver Bundesligabilder zu einem überraschenden Ergebnis geführt: Schon an diesem Samstag soll es nach SZ-Informationen offenbar eine Art "Internet-Sportschau" für iPhone und iPad geben, veranstaltet allerdings von Sky Deutschland.

Zwei Wochen hatten sich Sky, der größte Beitragszahler der Bundesliga mit beinahe zwei Milliarden Euro Rechtekosten in vier Jahren, und Springer, ein Juniorpartner der DFL, öffentlich gestritten. Das Management der DFL verfolgte das Schattenboxen David gegen Goliath wie ein Ringrichter. Sky hatte in einer PR-Kampagne den Eindruck erweckt, Springer mit einer neuen kostenpflichtigen App seines Programms Sky Sport News HD (monatlicher Preis: 4,49 Euro) Konkurrenz machen zu können. Im News-Kanal, provozieren die Sky-Leute, seien die Tore der Fußball-Bundesliga viel früher zu sehen als in Springers On-Demand-Clips.

An diesem Dienstag machte Springer-Chef Döpfner ernst, verlangte ein Eingreifen der DFL und drohte andernfalls mit "allen nötigen rechtlichen Schritten". Wenige Stunden später verschickte die DFL ein wolkiges Bulletin. Aus dem ging vage hervor, dass es "mit Zustimmung der DFL keine lineare kurze Berichterstattung zur Bundesliga geben" werde bei Sky.

Wie ist das gemeint? Was so kryptisch klingt, entschlüsselt der Text der Rechte-Ausschreibung und erklärt einen kuriosen Sieg des Kleinen gegen den Großen. Springer erwarb das Lizenzpaket M. Darin sind Highlight Clips auf "Netcast 2" enthalten (Internet- und Mobil-TV), also Zusammenfassungen der Spiele für iPhone und iPad, die eine Stunde nach Spielschluss gegen Bezahlung als Video online gestellt werden dürfen. Jeder Spielbericht muss zwischen 90 Sekunden und sechs Minuten lang sein.

Sky Deutschland hat unter vielen Lizenzpaketen auch G (Samstagspiele) und H (Sonntagspiele) ersteigert, gültig für "Bundesliga Pay". In G wie H heißt es sinngemäß: Spielzusammenfassungen (für Fernsehen, Internet und Mobilfunk) in einer Länge von vier bis zwölf Minuten. Weil Sky Sport News HD ein Nachrichtensender ist, der nicht nur Fußball, sondern den gesamten Sport in aktueller Form abbildet, gab es bisher nach dem Schlusspfiff zehn bis 20 Sekunden kurze, bewegliche Einspieler von den Toren der Spiele. Das hatte die DFL genehmigt.

Keine rechtlichen Fragen mehr

Da Springer nun das erstmals angebotene Paket M kaufte und auf Einhaltung seiner Exklusivität und seines Vertrages pochte, wird Sky zu einem Strategiewechsel gezwungen, um weiter zeitnah Bundesliga-Fußball anbieten zu können. Nun soll es Spielzusammenfassungen mit der zulässigen Mindestlänge von vier Minuten für iPhone und iPad geben, was bei fünf Partien am Samstag eine etwa zwanzig Minuten dauernde "Internet-Sportschau" für Netcast 2 (Tablet und Smartphone) ergäbe.

In der diskutierten Sky-App wird grundsätzlich das Live-Bild von Sky Sport News HD zu sehen sein (linearer Stream), samstags von 17.30 Uhr an (sonntags von 19 Uhr an) mit den Highlights der Bundesliga-Spiele. Um 18.45 beginnt dann samstags noch die ARD wie üblich mit den Berichten von der ersten Bundesliga in der herkömmlichen Sportschau, die zeitgleich frei im Internet zu empfangen ist.

Die Axel Springer AG teilte an diesem Donnerstag mit: "Es ist gut, dass die DFL unmissverständlich erklärt hat, dass exklusive Verwertungsrechte klar Bestand haben und nicht von anderen Rechteinhabern verletzt werden dürfen." Die DFL wollte sich nicht weiter äußern. Brian Sullivan, Vorstandsvorsitzender von Sky Deutschland, hatte bereits am Dienstag erklärt: Springers Produkt betrachte er als hervorragende Ergänzung zur neuen Sky-Sport-News-HD-App. Rechtliche Fragen jedenfalls stellten sich jetzt nicht mehr.

Verrückte Sportrechtewelt

Andere Fragen, die Frage nach dem Sinn von Döpfners lautem Eingreifen zum Beispiel, bleiben. Warum sind Springer-Digital-Spezialisten jetzt erleichert, dass Sky über seinen redaktionellen News-Kanal eine Internet-"Sportschau" etablieren könnte, wenn auch gegen Bezahlung der App? Wahrscheinlich gehen sie davon aus, dass sehr knappe Torschnipsel eine größere Attraktivität und Aufmerksamkeit besitzen als minutenlange Zusammenfassungen.

Verrückte Sportrechtewelt. Vor Jahren war eine Internet-"Sportschau" gewissermaßen der Beginn vom Untergang des Abendlandes. Die DFL wollte, um mehr Konkurrenzdruck zu erzeugen und so höhere Preise zu erzielen, schon 2005 eine Alternative zur Free-TV-"Sportschau". 2012 ließ die Behörde das Szenario zu.

Und so steht dann auch fest: Je mehr Exklusivität die DFL bislang verkaufte, desto mehr Bundesliga-Fußball kann der Kunde beziehen. Er muss nur sehr oft dafür Geld einsetzen. Aber weil sich gerade eine Bezahlkultur im Netz entwickeln soll, weil alle Medien-Betriebe versuchen, für ihre Inhalte Erlösmodelle zu entwickeln, ist eine kostenpflichtige App zur Fußball-Bundesliga kein Streitfall mehr.