Sexuelle Belästigung beim WDR Freigestellter WDR-Mitarbeiter wehrt sich gegen Vorwürfe

Gebhard Henke ist Fernsehfilmchef des Westdeutschen Rundfunks und Professor an der Kunsthochschule für Medien Köln.

(Foto: WDR/Herby Sachs)
  • Der am Sonntag vom WDR wegen Vorwürfen sexueller Belästigung freigestellte Mitarbeiter Gebhard Henke geht mit seinem Namen an die Öffentlichkeit.
  • Henke leitet den Programmbereich Fernsehfilm, Kino und Serie im WDR.
  • Er gibt an, sich nie in dieser Weise verhalten zu haben. Über eine Anwaltskanzlei fordert er den Sender auf, die Vorwürfe zu konkretisieren oder seine Freistellung zurückzuziehen.
Von Hans Hoff

Der Leiter des Programmbereiches Fernsehfilm, Kino und Serie im WDR, Gebhard Henke, ist am Sonntag von Fernsehdirektor Jörg Schönenborn freigestellt worden. Schon einige Tage zuvor hatte Schönenborn Henke mit der Behauptung konfrontiert, es gebe zwei konkrete Verdachtsmomente mit dem Vorwurf sexueller Belästigung gegen ihn.

Henke wehrt sich nun mit Hilfe einer Anwaltskanzlei gegen die Anschuldigungen. Dabei geht er offensiv mit seinem Namen an die Öffentlichkeit. Er habe Schönenborn mehrfach gebeten, die Vorwürfe zu konkretisieren, von diesem aber lediglich die Antwort erhalten, dass dieser sich dazu nicht äußern könne und wolle, heißt es in einer Presseerklärung der Kanzlei. Diese fordert den WDR nunmehr auf, die Vorwürfe bis zum 10. Mai zu konkretisieren, auf dass Henke zu ihnen Stellung nehmen könne, oder aber die Freistellung aufzuheben. Henke bestreitet, sich jemals so verhalten zu haben, wie ihm dies vorgeworfen wird.

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Auf Anfrage an den WDR zu den konkreten Vorwürfen gegen Henke äußerte sich der Sender am Montag eher allgemein. "Wir haben verschiedene ernstzunehmende Hinweise, denen wir derzeit sehr sorgfältig nachgehen. Während dieser Überprüfung halten wir es für notwendig, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden", sagte Sprecherin Ingrid Schmitz.

Noch am Donnerstag hatte Intendant Tom Buhrow während einer Pressekonferenz in Köln auf die Frage, wie der aktuelle Stand der Ermittlungen im WDR sei, geantwortet, dass er aus arbeitsrechtlichen Gründen keine Details zu den Vorgängen nennen könne.

Vor Henke ist bereits ein Auslandskorrespondent freigestellt worden, weil ihm sexuelle Belästigungen von Mitarbeiterinnen vorgeworfen werden. "Freistellungen erfolgen ja, weil man glaubt, weiteren Hinweisen nachgehen zu müssen und um diese überprüfen zu können", sagte Buhrow und versicherte, dass die Aufklärung in keiner Weise behindert werde. "Niemand im WDR, auch in den gesamten Führungskadern hat irgendein Interesse daran, irgendetwas zu behindern, zu unterdrücken, zu verzögern. Wir wollen Aufklärung, und wir wollen auch Ahndung", sagte er, was nun im Rahmen der Vorwürfe gegen Henke und der ihm gegenüber nicht erfolgten Konkretisierung einen etwas anderen Klang bekommt.

Mit der Freistellung von Henke erreichen die Vorwürfe die ganz hohen Etagen im WDR

Buhrow hatte in derselben Veranstaltung die ehemalige Gewerkschaftschefin Monika Wulf-Mathies als externe Gutachterin präsentiert, die prüfen soll, ob der WDR bei der Aufarbeitung der bisher bekannten Fälle angemessen reagiert habe. Das aber kann dauern.

Mit der Freistellung von Henke erreichen die Vorwürfe nun die ganz hohen Etagen im WDR, denn Henke ist quasi ein Urgestein des WDR und einer der wirkungsstärksten Männer im deutschen Fernsehfilmgeschäft. Im Jahre 1984 kam er zum WDR und arbeitete zunächst als Hörfunkredakteur, später dann als Redakteur und Dramaturg. Lange betreute er die "Lindenstraße" und Filme wie "Kleine Haie" und "Goodbye Lenin". Der gebürtige Niedersachse, Jahrgang 1955, gilt in der deutschen Fernsehszene als extrem gut vernetzt und als einer, der vor allem für die qualitativ hochwertigen Produktionen der Anstalt steht. Henke ist zudem "Tatort"-Koordinator und nebenberuflicher Professor an der Kölner Kunsthochschule für Medien, Fachgebiet "Kreatives Produzieren".

Weiter gibt es einen Streit darüber, ob der WDR mit weiteren Fällen in der Vergangenheit stets angemessen umgegangen sei. Kritiker, zu denen auch der Personalrat des Hauses zählt, werfen der Senderleitung vor, die Aufklärung nicht mit der nötigen Sorgfalt und Durchsetzungskraft betrieben zu haben. Es müsse dringend ein Klima geschaffen werden, in dem Kritik zur Unternehmenskultur gehöre.

Dieser Einschätzung des Personalrats widersprach Intendant Buhrow am Donnerstag ausdrücklich. Er habe die Mitarbeiter bisher nicht als eingeschüchtert wahrgenommen. Das Unternehmen sei zudem besser aufgestellt als es nach außen erscheine. "Wir sind nicht mehr von diesem üblen Phänomen der sexuellen Belästigung betroffen als andere Unternehmen auch", sagte er.

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