Die Kritik an den Tätern ist einhellig: Nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" zeigt sich ganz Frankreich solidarisch mit dem Blatt. Die Interessen der Unterstützer könnten indes kaum unterschiedlicher sein.
Das Bild in der kleinen Seitenstraße zur Place de la République hat sich deutlich verändert. War noch am Donnerstagabend ein ungehindert reges Kommen und Gehen im Haus der Zeitung Libération, so sind seit Freitag die geparkten Autos davor verschwunden und durch Absperrungen ersetzt worden. Ein Wachmann in Zivil kontrolliert das Personal wie die Besucher, Polizisten inspizieren die letzten noch nicht entfernten Autos, Limousinen mit getönten Scheiben fahren gelegentlich in Polizeibegleitung ein oder aus.
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Der Verleger von "Charlie Hebdo" vor den zerstörten Verlagsräumen in Paris. In der Hand hält er die Sonderveröffentlichung mit der Scharia-Satire, die unmittelbar vor dem Brandanschlag publiziert wurde. (© AFP)
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Vor allem aber ist die sonst offene Glasfront im Erdgeschoß zur Straße hin durch Jalousien abgeschirmt. In diesem Raum gleich neben dem Eingang sollen die nach dem Brandanschlag auf ihre Redaktion obdachlosen Redakteure der Satirezeitschrift Charlie Hebdo, die seit Mittwoch in einer Außenstelle von Libération Unterkunft fanden, nun ihr Gastquartier beziehen.
Ob sie dort hinter der wieder offenen Glasscheibe wie Zierfische der Pressefreiheit präsentiert werden oder ob ihr provisorisches Büro nach außen hin abgeschirmt bleibt, weiß noch keiner zu sagen. Hauptsache sei, so ist allenthalben zu hören, dass Charlie Hebdo am kommenden Mittwoch wie üblich erscheine.
Der Anschlag traf das Magazin unmittelbar nachdem es eine Scharia-Satire herausgebracht hatte. Mehrere andere Medien wie Le Nouvel Observateur, Marianne und das Internet-Newsportal Rue89 hatten - neben Libération - der Redaktion spontan Unterkunft angeboten. Wo nun für die Hauptsache gesorgt ist, legt sich, was zwei Tage lang Frankreichs Öffentlichkeit bewegte, fast so schnell, wie es gekommen war.
Plötzlich will keiner mehr Islam-Bashing betrieben haben. Auch wenn es im Netz Drohungen und Hackerangriffe gegen Charlie Hebdo mit religösem Hintergrund gab - über die möglichen Täter des Brandanschlags selbst weiß man immer noch so gut wie nichts. So gibt selbst der unter dem Namen Charb firmierende Direktor von Charlie Hebdo, der wie zwei weitere Redaktionsmitglieder nun unter Polizeischutz steht, sich plötzlich zurückhaltend. Es werde sich vielleicht ja herausstellen, erklärte er, dass die Brandstifter bloß zwei Verrückte aus dem Quartier gewesen seien.
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