Bei der "Nacht der Süddeutschen Zeitung" feiert das politische Berlin, und die Kanzlerin erholt sich beim Schnitzel vom Koalitionskrach.
Der Mann war vier Wochen in Urlaub und kann sich jetzt ruhig mal wieder mit seiner Stadt beschäftigen - also, Klaus Wowereit: Was ist zum Martin-Gropius-Bau zu sagen? "Es handelt sich um das ehemalige Kunstgewerbemuseum, das jetzt als Ausstellungshaus genutzt wird und in dem sich, wie man hier ja sieht, vorzüglich feiern lässt", erläutert der Regierende Bürgermeister fachmännisch. "Schauen Sie nur mal die Kuppel, diese wunderbare Säulenhalle ... Ende 19. Jahrhundert, grob geschätzt. Aber das würd ich besser noch mal nachgoogeln." Google ergibt: 1881. Und auch sonst ist alles richtig, was Wowereit sagt.
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SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der "Nacht der Süddeutschen Zeitung" im Martin-Gropius-Bau in Berlin. (© Foto: dpa)
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Es ist die "Nacht der Süddeutschen Zeitung", unter der aquariumsblau schimmernden Glaskuppel drängeln sich am Dienstagabend etwa 900 Gäste. Medienleute treffen auf Kulturschaffende, Wirtschaft plaudert mit Entertainment, und auch das politische Berlin ist überdurchschnittlich stark vertreten - unter anderem marschiert fast das komplette Kabinett durch die Eingangsdrehtür.
Ganz großes Palaver. Das neue Jahr hat den Hauptstadtmenschen eine Steuersenkungs- und eine Koalitionskrisendebatte beschert, was für ein Fest natürlich nur gut ist: Oppositionsleute wie der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel können den Ärger erst lustvoll anfachen, und Koalitionäre wie Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) können ihn dann genauso wortreich wieder kleinreden.
Herrlich kommunikative Party
"Eine herrlich kommunikative Party", schwärmt Produzentin Regina Ziegler und verrät, dass sie gleich drei Handys bei sich trägt. Später heißt es, von einem dieser Telefone sei eine SMS an eine Besucherin verschickt worden, die oben auf der Empore Platz genommen hat: "Wenn es zu langweilig wird, ich bin hier unten!" Doch entweder stimmt das Gerücht nicht, oder Langeweile kommt nicht auf - Angela Merkel bleibt jedenfalls erst mal sitzen.
Kurz vor 20 Uhr ist sie eingetroffen, und an ihrem Führungsstil gibt es nichts zu bekritteln: Die Kanzlerin im schwarzen Zweiteiler läuft voraus, alle anderen folgen. Das gesellschaftliche Stop-and-Go beherrscht Merkel mühelos, in kaum zehn Minuten hat sie den Saal durchmessen und en passant Wirtschaftsminister Rainer Brüderle begrüßt, mit Münchens Oberbürgermeister Christian Ude geplaudert, Ex-Justizministerin Brigitte Zypries zu ihrem türkisblauen Blazer beglückwünscht ("Starke Farbe!") und sich mit Gesellschafsdame Isa von Hardenberg fotografieren lassen.
Zwei Portionen Schnitzel für die Kanzlerin
"Den Kommentarspalten meiner Zeitung entnehme ich, dass Sie sich bei uns inzwischen wohler fühlen können als bei konservativen Blättern", sagt SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz in seiner Begrüßungsrede. Merkel quittiert dies mit sphinxhaftem Lächeln, bleibt aber auffallend lange und verspeist gutgelaunt zwei Portionen Schnitzel mit Kartoffelsalat.
Während sich die Kanzlerin mit einigen SZ-Journalisten, den Verlegern Johannes Friedmann und Thomas Schaub sowie Finanzminister Wolfgang Schäuble ins Gespräch vertieft - später stößt auch noch der Außenminister und Jemen-Rückkehrer Guido Westerwelle in Begleitung seines Lebensgefährten Michael Mronz hinzu -, ist es interessant zu beobachten, wer da alles ihre Sichtachse kreuzt in der Hoffnung, erkannt und hinzugebeten zu werden. Perfekt gelingt dies RWE-Chef Jürgen Großmann: Blickkontakt hergestellt, Einladung ins Machtzentrum des Abends erhalten, und nach einer knappen Minute ist das Networking mit einem freundlichen "Wir bleiben im Gespräch" von Merkel erfolgreich zum Abschluss gebracht.
Ebenfalls ganz in der Nähe haben sich die Medienmächtigen positioniert: Springer-Vorstand Mathias Döpfner steht baumlang neben dem Kanzlersessel, der designierte ZDF-Chefredakteur Peter Frey und seine Nachfolgerin im Hauptstadtstudio, Bettina Schausten, haben sich in einer Sitzecke beim Weißwein festgequatscht.
Sabine Christiansen ist überall
Ulrich Wickert grüßt gravitätisch herüber, während Sabine Christiansen überall gleichzeitig aufzutauchen scheint. Gleiches gilt für Philipp Rösler: Das zweitjüngste Mitglied im Kabinett wird von einem Gesprächspartner zum nächsten gezerrt, genießt das Interesse. "Anstrengend? Nö. Ist doch spannend." Peng! Hinter Rösler ist ein Fotograf vom Podest gekippt. Der Gesundheitsminister richtet feixend den Krawattenknoten und ruft: "Wird ein Arzt gebraucht?"
Im Video: Glückwünsche, Ratschläge und fast eine Liebeserklärung: nahezu die gesamte Berliner Polit-Prominenz traf sich zu einem geselligen Abend. Eines der Themen auf dem Parkett: warum eine Zeitung auch 2010 unverzichtbar ist.
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Sein Kollege aus dem Innenministerium sieht den Trubel nüchterner. "Das ist jetzt schon mein fünfter Neujahrsempfang", stöhnt Thomas de Maizière, am Vorabend erst war er beim nachgeholten Koalitions-Weihnachtsessen im Kanzleramt. Die Atmosphäre beim Roastbeef? "Wir haben deutlich gemacht, dass wir entschlossen sind, uns am Riemen zu reißen. Aber dass die Stimmung super war, wäre gelogen."
Wahr ist, dass die Stimmung im Martin-Gropius-Bau immer ausgelassener wird, je länger der Abend dauert. Zu später Stunde wettet Wirtschaftsminister Brüderle mit SZ-Innenpolitik-Chef Heribert Prantl um eine Flasche besten Weines, dass die Steuersenkungen im Lauf der Legislaturperiode genau so kommen werden, wie von der FDP beschlossen. Das wird spannend. Beide Herren sind es schließlich gewohnt, am Ende immer recht zu behalten.
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(SZ vom 14.01.2010/dog/bre)
Anti-Piraterie-Abkommen
... die du bist das leibhaftige Standbild deiner selbst vor der Sandstrahl-Waschmaschine, gerufen werde dein Name, der da heißt Sphingipussi.
Dein farbloses Reich ist versteinert von Guidexandria bis zu den Horstatuen von Abu Simpel, dein Wille zum Verspeisen von Schnitzel, Kartoffelsalat und rätselfreudigen Wanderern durch die Niederungen der gähnenden Wüstenei zwischen Berlin-Mitte, Jemen und Wowieandertal der Könige ist unerschütterlich, wie im Kabinett also auch bei Süddeutschem Groß- und Buntviehauftrieb.
Unsre täglich Kryptikplatte von Krisen-Krustenbraten an Misanthropie-Mixed Pickles zu Stimmungseis auf Magerquark gib uns ausgekocht wie unverfroren und sieh uns nach unser lähmendes Angewurzeltsein angesichts der sofaklecksig öden Pussel-Quizshow "Von wem sind wir und wo stehen wir im Übel?", wie wir vergeben kaum noch die zwei-, drei- oder vierfüßigen Strampelorgien von Klein-Tigerente.
Und führe uns nicht auf alte Wege versuchter, arg verhartzter Serien-Salami à la "Das letzte Lächeln der Pharaonin", "Satanstochter vorm Pergamon-Museum", "In den Folterkellern der Steuersenker", sondern erlöse uns von der Wiederholung solcher Fett-De-Zeff-igen Schmarren "Sphinx - Geheimnisse der Geschichte".
Denn dein ist das Amt für maskulin-feminin changierende Würgetechnik und das Mißtrauen wider die bockigen Widder von Schwarz-Karnak und die zweiteilige Wachsamkeit vor einem Springinsfeld mit Walking-in-Memphis-Blue-Suede-Shoes, der sich für ein Gottesgeschenk hält, wie jener jungschlummrige Kerl Thutmosis ("KT", befindet sich in der KTU), und die unersättlich Freßfeinde vertilgende Sphinginetiquette (MerkeL: Einer geht noch, einer geht noch rein).
Anders wäre besser (aber noch ist der Mehrteiler "Marie Angelette - Vom Thron zum Schafott" nicht abgedreht, wenn auch keineswegs zu abgedreht - es sei denn, die Wüste würde grüner, dank Küntritt in Grünast, ja mai ... brrr).
(Achtung Satire - diesmal rätselhaft: Wer sind die beiden Schwestern, die sich gegenseitig erzeugen wie Tag-und-Nacht-Gleiche? Uaaah ... happs)
Der Herr Ackermann darf für seine Feierlichkeiten das Kanzleramt haben- die SZ muß sich mit einer ollen Kunstgewerbehalle abgeben...und vielleicht sogar noch dafür bezahlen?
Foto: "Die Kanzlerin im schwarzen Zweiteiler, Finanzminister Wolfgang Schäuble mit verbundenem Finger - bei der "Nacht der Süddeutschen Zeitung" traf sich das politische Berlin."
Das Foto wurde von der Berliner Staatsanwaltschaft bereits in die Beweismittelakte genommen. Schäuble hatte den Versuch unternommen, der Kanzlerin mit der rechten Hand eine Backpfeife auf ihre rechte Backe zu geben. (Mit diesem symbolischen Akt wollte er auf die mangelnde Hinwendung der Kanzlerin für das rechte Parteilager hinweisen.) Die rechte Backe der Kanzlerin schwoll nach der Schlagabgabe deutlich an. Schäuble verletzte sich dabei aber infolge der komplizierten Schlagausgangslage am rechten Zeigefinger und musste notversorgt werden.
Ja da trifft sich der Filz zum gemütlichen Stelldichein. Und mit ein wenig harmloser Merkelhofberichterstattung ist man auch als Chefredakteur bei den mächtigen beliebt.
Wahrscheinlich das einzig Erwähnenswerte in diesem Artikel ist, dass der Regierende Bürgermeister einer finanz- und sozialpolitisch maroden Großstadt sich erlauben kann, vier Wochen in Urlaub zu fahren.
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