"Das Großartige an Kernenergie ist, dass das Zeug irgendwann nicht mehr giftig ist": Der ehemalige Atomkraftgegner Stewart Brand hat sich um 180 Grad gedreht - und spricht nun über die Ideologisierung der Umweltbewegung.
Stewart Brand ist studierter Ökologe. Von 1968 bis 1985 veröffentlichte er den "Whole Earth Catalogue", ein Kompendium fortschrittlicher Technologien und Produkte, das vor allem in der amerikanischen Gegenkultur als Pflichtlektüre galt. Er ist der Präsident und Mitbegründer der Long Now Foundation, einer Stiftung zur Förderung langfristigen Denkens, und der Mitbegründer der Beratungsfirma Global Business Network. Sein jüngstes Buch ist das Manifest "Whole Earth Discipline".
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"Ja zur Atomenergie, ja zur Gentechnik, ja zur Urbanisierung" - trotz anhaltender Proteste gibt es auch Fürsprecher der umstrittenen Kernkraft, wie den amerikanischen Ökologen Stewart Brand. (© ddp)
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SZ: Sie gelten als einer der Väter der amerikanischen Ökologiebewegung. Und doch haben Sie sich in den Kernthemen um 180 Grad gedreht - Sie befürworten heute Biotechnologie, Urbanisierung und die Kernenergie. Haben Sie nach Fukushima Ihre Meinung revidiert?
Stewart Brand: Nein, meine Ansichten sind unverändert.
SZ: A ber war Fukushima nicht der klassische Fall, den der Philosoph und Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker als Warnkatastrophe beschrieb, also ein einschneidendes Ereignis, das eine Gesellschaft, ein Land, den Lauf der Geschichte verändern kann?
Brand: Wenn es darum geht, dass man sich darauf konzentriert, neue Reaktoren zu bauen, anstatt sich ewig auf die alten zu verlassen, und dabei Innovationen in Design und Technik voranzutreiben, die es ja längst schon gibt, und die für mehr Sicherheit sorgen, dann ist Fukushima sicherlich der Impuls für einen radikalen Wandel. Wenn Sie davon sprechen, die Kernenergie abzuschaffen - das einzige Land, das diesen radikalen Umschwung in seiner Politik erwägt, ist ja Deutschland. Alle anderen Länder machen unverändert weiter. Vor allem die Entwicklungsländer, wo es am wichtigsten ist.
SZ: In Deutschland hat Fukushima zu einem historischen Sieg der Grünen geführt. Ist das nicht auch ein Sieg für die Ökologiebewegung?
Brand: Wenn ein Sieg der Grünen bedeutet, dass Deutschland aus der Kernenergie aussteigt, dann ist das eine schlechte Nachricht für den Klimawandel, und der Klimawandel ist ja schon eine schlechte Nachricht für die Ökologie.
SZ: Glauben Sie nicht, dass der Richtungswechsel eine Wirtschaftsmacht wie Deutschland auch zu einem Richtungswechsel in der internationalen Energiepolitik führen kann?
Brand: Eine hoffnungsvolle Veränderung, die Fukushima gebracht hat, ist ja das Niveau der internationalen Zusammenarbeit zwischen nuklearen Nationen. Die Industrie arbeitet nun auf einem globalen Level zusammen. Es wäre sehr schade, wenn sich Deutschland da zurückzöge und in Folge abgehängt würde. So wie das technologisch ja schon in einigen Fällen geschehen ist.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum Stewart Brand Kernenergie für eine ausgereifte Technologie hält.
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Stewart Brand präsentiert sich im Alter als Advocat des Teufels. Er ist Lobbyist und Berater einschlägiger Konzerne. Hier zu lesen: http://www.greenpeace.org.uk/climate/why-would-channel-4-attempt-discredit-environmental-movement. Zudem hat er nicht nur ein Faible für Gentechnik, Raumkolonisierung, DDT-Anwendung, Atomenergie und andere lebensfeindliche oder auch sinistre Konzepte sondern äußerte auch Sympathie für diktatorische Regime Es gibt leider viele - auch in der Wissenschaft- welche für ein Linsengericht käuflich sind. Dieser Interview-Partner war peinlich für die SZ!
Brand ist keineswegs allein, viele führende Klimawissenschaftler warnen eindringlich vor einem bevorstehenden wirklichen Disaster (zB www.columbia.edu/~jeh1/mailings/2011/20110118_MilankovicPaper.pdf). Seit es einigermassen entwickeltes Leben auf der Erde gibt (einige Millionen Jahre), gab es nie mehr als 300 ppm CO2 in der Atmosphäre. Erst in den letzten Jahrzehnten erhöhten wir durch Verbrennung fossiler Brennstoffe auf 390 ppm CO2 und werden mindestens 450 ppm CO2 erreichen, selbst wenn sofort weltweit alle Anstrengungen unternommen werden, den CO2 Ausstoss wieder zu reduzieren. In der früheren Erdgeschichte gab es noch höhere CO2 Gehalte, keine eisbedeckten Polkappen, usw. aber da war offenbar auch kein höher entwickeltes Leben auf der Erde möglich. Die Erderwärmung seit unserem "Beitrag" zum CO2 in der Atmosphäre ist eindeutig, 2010 war das wärmste Jahr seit es Temperaturmessungen gibt. Wenn der Treibhauseffekt einmal von alleine wegzulaufen beginnt (positiver Feedback durch schmelzendes Polareis usw), können wir nichts mehr dagegen tun ....
Brand and andere "Mahner in der Wüste" meinen, dass im Vergleich dazu die Risiken der friedlichen Kernkraftnutzung gering sind. Im kalten Krieg wurde die zig-fache Menge der beim Tchernobylunglück freigesetzten Radioaktivität bei zahllosen überirdischen Tests von Atom- und Wasserstoffbomben in die Atmosphäre zerstreut. Das war natürlich absolut dumm und verabscheuungswürdig, und sollte nie wieder passieren. Etwa 5 Jahrzehnte später spüren wir allerdings nichts mehr davon, trotz der langen Halbwertszeiten verschiedener radioaktiver Stoffe (zB Plutonium). Die enormen Mengen CO2 die wir freisetzen, werden hunderte von Jahren in der Atmosphäre bleiben und zum für uns unwiederbringlichen Kippen des Klimas beitragen.
Wenn AKWs durch erneuerbare Energien ersetzt werden, ist das ja gut und schön. Aber dafür neue Gas- und Kohlekraftwerke zu bauen (wie offenbar in Deutschland geplant), wäre absolut töricht und für andere Länder kein gutes Vorbild.
Warum führt dann der Chef-FEUILLETONIST ein derartiges Interview???
Ich schicke doch auch nicht den "führenden Adelsexperten" los, nur weil eine Sportlerin Steffi Graf (!) oder der (seinerzeitige) Verteidigungsminister von Googleberg heißt.
"170 Jahre? - Wie kommt der Spi**er da drauf? Die Halbwertszeit von Uran 235 ist ca. 703800000 Jahre, die von Plutonium 375000 Jahre. Nach 170 Jahren ist also noch fast alles da. Was bringt die SZ dazu sowas weitestgehend unkommentiert zu "drucken"? "
Das verwundert mich auch. Aber dafür dürfte es im Wesentlichen zwei Gründe geben:
(a) Der interviewende Journalist hat sich nicht gründlich genug vorbereitet, hatte keine Ahnung von Physik oder nicht den Mut.
(b) Die politische und mediale Kultur in unserer Gesellschaft hat es mit ihren ganzen Pseudoexperten wie Sinn & Co. erfolgreich geschafft den Bürgern weis zu machen, dass es keine indiskutablen Fakten gibt. "Traue keinen Daten, die du nicht selbst gefälscht hast." Ist ja auch kein Wunder, schließlich sind unsere Politiker fast alles Juristen die immer und über alles verhandeln wollen. So funktioniert Wissenschaft aber nicht. In der Wissenschaft gibt es harte Fakten, die vollkommen indiskutabel sind. (Natürlich ist bei weitem nicht alles hartes Faktum, aber das Konzept existiert zumindest.) Dieser Statusverfall harter wissenschaftlicher Fakten - wie Halbwertszeiten von Isotopen in Atommüll - führt dazu das Leute wie Brand öffentlich falsche Informationen verbreiten können, ohne dass die Journalisten das kritisch hinterfragen oder gar korrigieren würden.
Ein weiteres Beispiel ist, dass mein erster Kommentar "Dreiste Lüge!" negativ bewertet wurde. Dort habe ich lediglich wissenschaftliche Fakten wiedergegeben. Wie kann man das bitteschön negativ bewerten? Zu harten wissenschaftlichen Fakten kann man keine "Meinung" haben - weder eine negative noch eine positive.
Wie kommt der Spi**er da drauf? Die Halbwertszeit von Uran 235 ist ca. 703800000 Jahre, die von Plutonium 375000 Jahre. Nach 170 Jahren ist also noch fast alles da.
Was bringt die SZ dazu sowas weitestgehend unkommentiert zu "drucken"?
Paging