Studie der Hans-Böckler-Stiftung Viele Pflegekräfte übernehmen Aufgaben von Ärzten

Mehr Arbeit, weniger Stellen: Die Belastung für Mitarbeiter in Krankenhäusern steigt einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung zufolge. Vor allem Pfleger spüren die versprochene Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen nicht - darunter leiden vor allem Patienten.

  • Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung beobachten 71 Prozent der Befragten einen Abbau von Pflegestellen auf ihrer Station. Außerdem würden immer mehr Mediziner als Leiharbeiter beschäftigt.
  • Ein Großteil der Krankenhausmitarbeiter klagt über Zeitknappheit, vor allem bei der Beratung von Patienten.
  • Die Mehrheit der befragten Pflegekräfte übernimmt Tätigkeiten vom ärztlichen Dienst, viele auch zusätzliche Verwaltungsaufgaben.

Krankenhausmitarbeiter beklagen wachsende Arbeitsbelastung

Krankenhausmanager hätten angegeben, in den vergangenen Jahren viel für bessere Arbeitsbedingungen getan zu haben, heißt es bei der Hans-Böckler-Stifung. Eine hauseigene Umfrage der gewerkschaftsnahen Stiftung unter Krankenhausmitarbeitern aller Berufsgruppen weckt Zweifel an den Beteuerungen der Betreiber. Die Mitarbeiter unterschieden sich im Ausmaß ihrer Kritik, sähen aber insgesamt die gleichen Probleme. Etwa 78 Prozent der Pflegenden, mehr als 63 Prozent der Ärzte und etwa 70 Prozent der übrigen Befragten widersprechen in der nicht repräsentativen Umfrage demnach der Aussage: "Meine Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten 5 Jahren verbesert".

Als einen Grund dafür machen die Wissenschaftler den Stellenabbau im Pflegedienst verantwortlich. Nach Schätzungen seien seit Mitte der 90er Jahre bis zu 50 000 Stellen gestrichen worden, während Patientenzahlen steigen. 71 Prozent der befragten Pflegekräfte geben an, auf ihrer Station seien Pflegestellen abgebaut worden. 16 Prozent berichten von neuen Arbeitsplätzen und knapp 12 Prozent geben an, dass Aufgaben in der Pflege reduziert worden seien. Auch nach Einschätzung der Ärztinnen und Ärzte seien in ihrem Arbeitsbereich eher Stellen gestrichen als geschaffen worden. Außerdem berichten knapp 37 Prozent, dass auf ihrer Station Mediziner als Leiharbeiter beschäftigt würden.

Die Folgen tragen Patienten und Angehörige

Der Studie zufolge erleben viele Beschäftigte aus allen Berufsgruppen Zeitknappheit. Knapp 60 Prozent sagten demnach, sie hätten nicht genug Zeit für ihre Arbeit. Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte und Pflegekräfte müsse mehrmals in der Woche auf die vorgesehenen Pausen verzichten. Fast 83 Prozent der Befragten geben an, dass auf ihrer Station wichtige Aufgaben vernachlässigt würden. Etwa 60 Prozent der Pflegenden und etwa die Hälfte der Mediziner beobachten beispielsweise, dass nicht genug für die Anleitung und Beratung von Patienten getan werde. Außerdem kämen Ausbildung und Dokumentation zu kurz.

Gleichzeitig, konstatieren die Forscher, liege bei den Pflegekräften ein großer Teil des Aufgabenspektrums abseits der Arbeit mit Patienten. Jeweils etwa 40 Prozent der Pflegenden geben an, dass sie auch für Transporte, Botendienste, Reinigungsarbeiten, Verwaltung und hauswirtschaftliche Tätigkeiten eingesetzt würden.

Mehr als 78 Prozent der befragten Pflegerinnen und Pfleger haben nach eigener Angabe in der Vergangenheit Tätigkeiten vom ärztlichen Dienst übernommen. Pflegekräfte versorgen Wunden, sie setzen Spritzen, legen Venenkanülen oder kümmern sich um die Dokumentation. 47 Prozent hätten darüber hinaus Verwaltungsaufgaben übertragen bekommen.

Assistenzdienste zur Entlastung

In etlichen Kliniken hätten die Pflegedienste aber Aufgaben abgeben können. Der Anteil der Beschäftigten, die von solchen Entlastungen berichten, ist allerdings mit knapp 44 Prozent geringer. Am häufigsten habe der Pflegedienst Mahlzeitenbestellungen, die Begleitung von Patienten im Krankenhaus, Boten- und Transportaufgaben sowie Reinigungsarbeiten abgeben können.

Übernommen haben solche Tätigkeiten vor allem Beschäftigte in "Assistenzdiensten" wie Servicehelferinnen, Stationsassistenten, Pflegehilfskräfte. Ein gutes Drittel der Befragten gibt an, dass derartige Dienste auf ihrer Station neu eingerichtet worden sind.

Zur Studie

Die Befragung der Hans-Böckler-Stiftung ist nicht repräsentativ, sie gebe den Autoren zufolge aber einen Einblick in die Arbeitswelt des Krankenhauses. Die Umfrage sei als bundesweite Online-Erhebung zwischen Oktober 2012 und Februar 2013 durchgeführt worden. Es wurde keine Zufallsauswahl der Teilnehmer vorgenommen, sie entschieden sich selbst für die Teilnahme an der Befragung. Hierdurch waren Mehrfachteilnahmen möglich, die zu einer Verzerrung der Daten führen können. Außerdem ist anzunehmen, dass vor allem Beschäftigte, die Klagebedarf sehen, an der Umfrage teilgenommen haben. Insgesamt liegen dem "Arbeitsreport Krankenhaus" 2507 Datensätze zugrunde, die in die Auswertung eingeflossen sind.