Tattoos und Krebs Stiche mit Risiko

Was sich die Fans von Tätowierungen genau in die Haut stechen lassen, ist weitgehend unbekannt. Dermatologe Michael Landthaler über die Krebsgefahr von Tattoofarben und ungeahnte Komplikationen durch die Körperzeichnungen.

Interview: Berit Uhlmann

Bis 2009 konnte alles mögliche in Tattoofarben landen: Farben, die eigentlich für Autolacke vorgesehen waren, wurden so in die Haut gestochen. Seither sind besonders kritisch eingestufte Farbpigmente verboten.Doch wirklich sicher sind Tätowierte damit noch lange nicht. Über die Gesundheitsgefahren von Tattoos spricht Prof. Michael Landthaler. Er leitet die Klinik und Poliklinik für Dermatologie an der Universität Regensburg und forscht seit Jahren auf diesem Gebiet.

Tattoos sind weitverbreitet. Doch über die Farben der Körperzeichnungen weiß man noch sehr wenig.

(Foto: dpa)

Süddeutsche.de: Wie sicher sind die heute verfügbaren Tattoofarben?

Michael Landthaler: Die Farben - vor allem die schwarzen - sind schwer zu bewerten. Diese Tuschen sind sehr komplex. Ihre Bestandteile und möglichen Reaktionen sind noch gar nicht komplett erfasst. Wir haben in schwarzen Farben viele sogenannte polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe entdeckt, die als krebserregend gelten. In welchen Konzentrationen sie wie im Körper wirken oder reagieren, ist allerdings unbekannt.

Süddeutsche.de: Was weiß man denn über das Krebsrisiko von Tätowierten?

Landthaler: Leider haben wir kaum mehr als Fallbeschreibungen: Es gibt seit einigen Jahren zunehmend Berichte, wonach Hauttumore in tätowierten Arealen gewachsen sind. Es ist aber nicht klar, ob dies Zufall oder Folge der Tätowierung ist.

Wir selbst hatten einen interessanten Fall in der Klinik: Ein Mann hatte einen weißen Hautkrebs am Daumen; dies ist eine höchst ungewöhnliche Stelle. Auf Nachfragen bekamen wir heraus, dass der Mann Sportfischer ist und seine Köder mit einem bestimmten roten Farbstoff markiert, der an seinen Daumen hängen blieb. Dieser Farbstoff wird sehr häufig auch in Tätowierfarben verwendet. Ein Beweis für die krebsauslösende Wirkung ist das nicht, aber man sollte sich schon Gedanken über eine solche Entdeckung machen.