Kostenpflichtige E-Mails bei der Post, ein Pfändungsschutz fürs Konto und billigeres Telefonieren im Ausland - was sich zum 1. Juli alles ändert.
Mit dem Brief im Internet will sich die Post fit für die Zukunft machen. Doch zunächst bleibt alles beim Alten: Wer den neuen Service mit dem Namen EPost-Brief nutzen möchte, muss erst einmal in eine Postfiliale gehen - und sich dafür anmelden. Dabei sollte man Ausweis oder Reisepass griffbereit haben.
Bild vergrößern
Auslaufmodell Briefkasten? Ab 1. Juni bietet die Post die sogenannte EPost an - sicher verschlüsselte Briefe über das Internet, mit denen auch sensible Daten wie Steuerbescheide oder Arzt-Diagnosen verschickt werden können. (© ag.getty)
Anzeige
Denn auch wenn der Internet-Brief einer E-Mail ähnelt, unterscheidet er sich doch in einem Punkt: Er ist vertraulich. Niemand soll mitlesen - und deshalb müssen sich Absender und Empfänger bei der Post registrieren lassen. Zudem wird der digitale Postweg verschlüsselt. In Zukunft können dann auch der Steuerbescheid fürs Finanzamt, eine Diagnose vom Arzt und selbst ein Einschreiben über diesen schnelleren Weg verschickt werden.
Wer sich für den Dienst anmeldet, erhält einen Benutzernamen und ein Passwort, um sich damit auf der Internetseite der Post einzuklicken. Das dortige Portal ist so etwas wie ein elektronischer Briefkasten. Mitte Juli soll es zugänglich sein: Dort und nur dort kann man sowohl Briefe abschicken als auch abholen. Zwar lassen sich auch Fotodateien oder eingescannte Dokumente an den Internetbrief hängen. Man kann ihn allerdings nicht automatisch in sein E-Mail-Fach einlaufen lassen - oder von dort verschicken.
Kein Dorfdepp23 mehr
Die Post hat aber bereits angekündigt, dass man über das Portal auch seine E-Mails sortieren und speichern kann. Zum Verschicken eines Briefes benötigt man eine sogenannte TAN-Nummer, ähnlich wie bei Bankgeschäften im Internet. Anders aber als beim Online-Banking, wird es die TAN-Nummern für den Briefversand nicht auf einem Papierblock geben. Die Nummern werden nur ans Handy geschickt. Das soll vor Missbrauch schützen.
Um nachzuschauen, ob man einen Internetbrief erhalten hat, muss man das Portal der Post anklicken so wie man auch in seinen heimischen Briefkasten schauen muss. Eine gesonderte Benachrichtigung gibt es nicht. Dafür sieht man sofort, von wem der Brief kommt. Niemand kann sich hinter einem Decknamen wie Dorfdepp23 verstecken.
Ein Internetbrief kann auch an jene verschickt werden, die keinen Internetanschluss haben. Schätzungen zufolge ist dies immerhin noch jeder dritte Deutsche. Der sogenannte Hybridbrief wird genau wie der Internetbrief zunächst als eine verschlüsselte E-Mail an ein Rechenzentrum der Post geschickt. Diese wird dann allerdings automatisch gedruckt, mit einer Briefmarke versehen und vom Briefträger mit der gewöhnlichen Post zugestellt. Diesen Service gab es bislang auch schon. Er soll nun dazu dienen, auch denjenigen einen Internetbrief zu schicken, die nicht beim Portal der Post registriert sind.
Vom Datennetz auf die Straße und dann in den Briefkasten
Ob sich die Liebhaber von Büttenpapier und Füllfederhalter auf den Briefversand übers Internet einlassen, wird sicherlich auch davon abhängen, wie teuer das Ganze wird. Die einzelnen Tarife sollen erst Mitte Juli bekanntgegeben werden. Für einen gängigen Brief, den man für den konventionellen Weg mit einer Marke von 55 Cent ausstatten muss, hat die Post ein Internetporto von 39 Cent beantragt. Ob es dabei bleibt, entscheidet noch die Bundesnetzagentur.
Der Hybridbrief allerdings dürfte noch etwas teurer werden. Denn das Porto deckt nur die Transportkosten ab - übers Straßenpflaster ganz genauso wie über das digitale Netz.
Wer sich also entscheidet, einen Internetbrief an jemanden zu schicken, der diesen nicht über das Portal der Post lesen kann, der muss mit zusätzlichen Kosten rechnen: Schließlich muss das Schreiben dann ausgedruckt und in einen Umschlag verpackt werden. Und das wird die Post mit Sicherheit nicht als einen kostenlosen Service anbieten.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Handy: Kostenfalle Ausland Billiger telefonieren 29.06.2010
- Bankgebühren Arme Kunden unerwünscht 24.05.2010
- Leben ohne Bankkonto Gefangen in der Abwärtsspirale 14.05.2010
- Preis für Briefmarken Post denkt über höheres Porto nach 27.06.2010
- Kostenbremse Das Sparpaket der Post 12.06.2010
Bundespräsident in Erklärungsnot
Glauben sie ernsthaft bei der SZ weiß jemand, wie man Mails verschlüsselt? Die wissen doch nicht mal was von Firefox mit Addon Deutsche Rechtschreibung.
Bitte nicht zuviel verlangen von Leuten, die keine techn. Studium absolviert haben.
Das Bessere, sprich Billigere und Einfache, Ist der Feind des Guten. Immer die gleichen Fehler im Marketing, wie bei der Bahn. Es nutzt diese Dienst-Leistungen nur wer muss.
Ich zumindest fahre nur noch im Nahverkehr Zug und das nur weil alles andere unsinnig ist. Aber Briefe versenden wie früher oder längere Strecken Bahn fahren, doch nicht in Deutschland. Viel zu umständlich und viel zu teuer. Zumindest ich bin doch kein Eurokacker und selbst die fahren Cedes oder BiEmDabbelju. Versuchen sie doch mit ihrer Familie in den Urlaub mit der Bahn zu fahren! Vergessen sie es. Allein schon die Auskunft. Will ich etwas mühselig und umständlich von der Bahn, oder will sie etwas verkaufen?
Verschlüsselungen und Signaturen gibt es völlig kostenfrei. Schön zu lesen, dass die kritische Berichterstattung dies nicht erwähnt.
Anspruchsvoll???
.. hat Grund zu befürchten, dass später die reine Online-Variante wieder 55 Cent kosten wird, mindestens. Mit Musik noch mehr.
Und ...rechtzeitig zum Auslaufen des Postmonopols wird die Post eine Zwangsabgabe für jeden Haushalt einfordern.
Sie denken, damit haben die keine Chance? Das haben wir bei den Investmentbanken auch mal gedacht...
E-Mails kann man heute auch schon selber(!) verschlüsseln, Sortieren und sonstiger Schnickschnak-Pipapo wofür die Post kräftigst kassieren will kann ich alles für lau schon auf meinem Pc mit meinem (!) Email-Client erledigen.
Da möchten die Herren Hinterwäldermanager der Post wohl noch dümmere Geschäfstkundenmanager kräftig über den Tisch ziehen.
Aber Fakt ist: Gehen auf sowas größere Firmen ein und nutzen diesen Dienst sind anhängende Geschäftskunden und Firmen wohl oder übel gezwungen früher oder später auf diesen Abzockdienst mit aufzuspringen. Die Post hofft da wohl auf einen Selbstläufer - und ruckzuck sind private Emails auch schon kostenpflichtig...
Paging