TV-Duell bei Twitter Hätte, hätte, Deutschlandkette

Was hat die Kanzlerin da am Hals? Fragen sich viele Twitternutzer und küren die "@schlandkette" zum heimlichen Sieger des TV-Duells. Ein Schmuckstück in Nationalfarben, aber des falschen Landes - und nicht das einzige Mem des Abends.

Von Matthias Huber

Wenn zwei sich streiten, freut sich die Kette. Oder das Kotelett. Das ist jedenfalls das Ergebnis des TV-Duells zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück, wie Twitter es sah. Tausende Nutzer des Kurznachrichtendienstes kommentierten den Wortwechsel unter dem Hashtag #tvduell. Viele schienen nur auf rhetorische Stilblüten gewartet zu haben. Sie wurden nicht enttäuscht.

In der 82. Minute des Duells konfrontierte Stefan Raab, als ProSieben-Spaßmacher der umstrittene Part des Moderatoren-Quartetts, den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück mit einer unbequemen Frage: Wen er, Raab, denn wählen müsse, wenn er sich eine große Koalition wünsche? So wie ihm gehe es schließlich einer Vielzahl von Wählern.

Steinbrück hatte im Wahlkampf betont, nur als Kanzler einer rot-grünen Koalition zur Verfügung zu stehen. Minister unter Merkel wolle er nicht noch einmal werden. Daran hielt der SPD-Mann auch im Duell fest, was Raab zu der Feststellung animierte, Steinbrück mache es nur als "King of Kotelett", nicht darunter.

#KingOfKotelett - das erste Mem des Abends war geboren. Und Raab, als gelernter Metzger vor dem TV-Duell von vielen Kritikern als Fehlbesetzung abgestempelt, galt bei Twitter fortan als positive Überraschung des Abends. Noch eine Stunde nach dem Ende des Duells war "#raab" nach "#tvduell" der erfolgreichste Hashtag Deutschlands - vor "#steinbrück" und "#merkel".

Und dann gab es da noch dieses unscheinbare Schmuckstück, das die Kanzlerin um den Hals trug. Eine Kette aus farbigen Steinen, schwarz, rot und gold. Ein subtiles Symbol ihrer Machtposition? Nun ja, mit einem Schönheitsfehler: Die Reihenfolge der farbigen Steinchen - schwarz, gold und dann rot - passt eher zum Nachbarland Belgien.

Ein Urlaubsmitbringsel vielleicht? Nein, mutmaßte bereits 2009 das Bildblog. Schon damals ließ sich Merkel bei der Wahl zur Bundeskanzlerin mit dem Schmuckstück blicken. Halb so wild, hieß es da. Wenn man davon ausgehe, dass die Kette ein durchgängiges Muster aufweise, dann habe Merkel höchstens beim Anziehen geschlampt. Und dann lieferte die Boulevardzeitung Express prompt den Fotobeweis für das Gegenteil. Also doch ein Bekenntnis zur belgischen Monarchie?

Im Internet jedenfalls stieß der vermeintliche Farb-Fauxpas auf großes Interesse. Die Pressestelle von Google Deutschland vermeldete noch während des TV-Duells einen entsprechenden Trend bei den Suchbegriffen. Und "@schlandkette", der, nun ja, persönliche Twitteraccount des Schmuckstücks, sammelte binnen kurzer Zeit mehr als 5000 Nutzer. Das Duell hatte seinen heimlichen Sieger gefunden.