Kratzers WortschatzWarum ein Gschwollschädel selten ein angenehmer Zeitgenosse ist

Wenn es um die Wurst geht, dann sind im Bairischen die Wichtigtuer oft nicht weit. Manchen wird dabei sogar die Rübe rot.

Gschwollne

Als kürzlich in der Kantine Wollwürste mit Gemüse gereicht wurden, erörterten einige Kolleg(-inn)en sogleich, warum dieses Gericht Wollwurst genannt werde. Früher habe es anders geheißen. An den Kollegen K., einen am Fuße der Alpen aufgewachsenen Freund trockener Kommentare, wurde die Vermutung herangetragen, er müsse doch als Eingeborener die richtige Bezeichnung wissen. Nein, sagte er lächelnd, er kenne nur Gschwoine (Gschwollne).

Tatsächlich hat der Name Gschwoine einen engen Bezug zum Erscheinungsbild der Ware. Weil sie aussieht, als sei sie geschwollen, wird die Wurst eben Gschwoine genannt, abgeleitet von einem Wort, das bis ins Althochdeutsche zurückreicht (swellan=schwellen). Die Wollwurst hat keine Haut (im Gegensatz zur Weißwurst im Bild), deshalb sagen manche auch Nackerte zu ihr, ihre Materie besteht aus Brät. Sie wird in der Pfanne abgebräunt und möglichst mit einer dunklen Soss serviert. Das Schwellende obliegt aber nicht nur dieser Wurst, sondern auch dem Menschen. "Red ned so gschwolln daher!", sagt man zu einem, der sich wichtig macht.

Bei aufgeblasenen Typen spricht man von Gschwollschädeln (Gschwoischelln) oder Gschwollkopferten. Man sagt oft über jene Männer, deren Köpfe durch Wohlstandsfolgen sichtbar an Volumen zugenommen haben: "Der hat an saubern Gschwoidde auf!" Der Kabarettist Gerhard Polt hat diesen Typus Mann allgemein in einem Sketch verewigt: "Und wer hockt im Bauamt drin? A Gschwollschädel."

Bild: Robert Haas 30. Januar 2018, 13:232018-01-30 13:23:33 © SZ vom 15.01.2018/vewo