Waldrodung weltweit Ein Viertel der Wälder ist für immer verloren

Luftbildaufnahme eines Tagebergbaus im Mato Grosso in Brasilien.

(Foto: Carl de Souza/AFP)
  • Über drei Millionen Quadratkilometer Wald wurden zwischen 2001 und 2015 weltweit gerodet.
  • Ein Viertel davon ist unwiederbringlich verloren, da die Flächen dauerhaft für Plantagen, Minen oder Energie-Infrastruktur genutzt werden.
  • Eine Studie zu den Ursachen von Baumverlusten aber gibt Anlass zur Hoffnung, dass der Rest theoretisch nachwachsen kann.
Von Sandra Sperling

Wo heute Braunkohle aus den Tiefen der Erde gebaggert wird, standen einst mindestens 30 Quadratkilometer Wald. Seit Ende der 1970er Jahre muss der Hambacher Forst Stück für Stück Wirtschaftsinteressen weichen. 550 Hektar sind heute noch übrig. Der Hambacher Forst ist damit ein Spiegelbild von vielen Orten weltweit. Auch, wenn Rodungen solcher Art in Europa vergleichsweise wenig vorkommen.

Weltweit wurden zwischen 2001 und 2015 mehr als drei Millionen Quadratkilometer Wald gerodet. Das entspricht einer Fläche, die mehr als acht mal so groß ist wie Deutschland. Ein Viertel aller Bäume wurde allein in Lateinamerika gefällt. Während 25 Prozent der Wälder unwiederbringlich verloren sind, könnte der Rest zumindest theoretisch wieder nachwachsen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Fachmagazin Science erschienen ist.

Anhand von hochauflösenden Satellitenbildern werteten Forscher um Philip Curtis vom Sustainability Consortium der Universität von Arkansas Landschaftsveränderungen aus. Ihre Ergebnisse fassten sie in einer Karte zusammen, die fünf verschiedene Hauptursachen für Baumverluste zeigt: Rohstoffgetriebene Abholzung, Forstwirtschaft, Wanderfeldbau, Waldbrände und Urbanisierung.

Die Ursachen für Baumverluste variieren je nach Region

Mit einem Anteil von etwa 25 Prozent ist rohstoffgetriebene Abholzung die größte und einzige fatale Kategorie. Hierunter fallen permanente Rodungen, die Platz für Palmöl-Plantagen, Minen oder Energie-Infrastruktur schaffen. Die zweithäufigste Ursache ist mit etwa 31 Prozent die organisierte Forstwirtschaft. Auf den Satellitenbildern aber konnten die Forscher sehen, dass der gerodete Baumbestand nachgepflanzt wurde. Dasselbe trifft auf Wanderfeldbau (21 Prozent) und Waldbrände (22 Prozent) zu. Der Anteil von Wäldern, die urbanen Bauten weichen müssen, ist mit knapp einem Prozent am geringsten.

Je nach Region variieren die Hauptgründe für den Verlust von Waldfläche. In Südwestasien mussten die meisten Wälder großflächigen Plantagen weichen. Auch in Zentral- und Südamerika wurden Wälder endgültig durch Reihenkulturen oder Weideland ersetzt. In Subsahara-Afrika dominiert der Wanderfeldbau, bei dem Baumbestände auf den Flächen nachwachsen können, sobald diese nicht mehr bewirtschaftet werden. Nördliche und gemäßigte Regionen verlieren ihren Baumbestand meist durch organisierte Forstwirtschaft oder Waldbrände.

Die gezielte Auswertung von Satellitenaufnahmen macht es möglich, die Ursachen von Baumverlusten global zu überwachen. Das schafft mehr Transparenz und kann in Zukunft dabei helfen, die Nachhaltigkeitsversprechen großer Unternehmen zu kontrollieren. Nestlé beispielsweise hat angekündigt seine Produkte bis zum Jahr 2020 ohne rohstoffgetriebene Rodungen für Palmöl-Plantagen produzieren zu wollen.

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