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Sommer in Europa:Zu warm, aber kein Rekord

Sonnenblume

Erst im August nahm der Sommer so richtig an Fahrt auf, dann aber wurde es sehr heiß.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Laut der Temperaturbilanz des EU-Klimadienstes Copernicus blieb der Sommer hinter Rekordjahren wie 2003 oder 2018 zurück. Auffällig waren allerdings die vielen Hitzestress-Tage. Auch in Deutschland war die Jahreszeit eher wechselhaft.

Von Marlene Weiß

Noch ist es zwar nicht ausgeschlossen, dass der Sommer sich für ein paar Tage oder Wochen zu einem Spätwerk aufrafft, aber meteorologisch ist die Sache erledigt. Für die Wetterbeobachtung endet der Sommer am 31. August, danach kann man sich an die Datenauswertung machen. Der europäische Klimadienst Copernicus hat diese nun abgeschlossen. Der Sommer 2020 war in Europa im Vergleich zur Referenzperiode von 1981 bis 2010 rund 0,9 Grad Celsius zu warm - und demnach sogar mehr als 1,5 Grad wärmer als in vorindustrieller Zeit.

Allerdings erreicht er nicht die Werte der heißen Sommer von 2003, 2010, 2018 und 2019; er liegt knapp hinter dem Sommer von 2016 auf dem sechsten Platz der Rangliste. So gesehen verlief die Zeit von Juni bis August in Europa nach neueren Maßstäben vergleichsweise normal.

Auffallend war jedoch die große Zahl an Tagen mit hohem physiologischem "Hitzestress", ein Parameter, in den auch etwa Luftfeuchtigkeit oder Windgeschwindigkeit einfließen. Sie war vergleichbar mit 2019, nur im Jahr 2003 gab es in Europa noch mehr dieser unerträglich heißen Tage. In der ersten Augusthälfte plagte eine längere Hitzewelle West- und Zentraleuropa. Im Süden von Spanien und Portugal erreichten teils sogar mehr als 40 Tage die maximale Hitzestress-Kategorie, mehr als je zuvor gemessen.

Der Sommer auf der Nordhalbkugel war laut Copernicus-Daten weiter von der höchst ungewöhnlichen Hitze in Nordsibirien geprägt. Große Teile der Arktis waren ebenfalls wärmer als üblich, nur im Norden Alaskas und im Nordwesten Kanadas war es kühler als sonst.

Auch in Deutschland war die Jahreszeit zu warm. Sie lag 1,1 Grad über der Vergleichsperiode von 1981 bis 2010. Doch auch hier blieb der Sommer kühler als in den Extremjahren 2003, 2018 und 2019. Der nationale Wetterdienst DWD hat einen "Schaukelsommer" registriert. Vor allem im Juni und Juli war es oft wechselhaft, erst im August kam der Hochsommer in Fahrt. Am wärmsten war es in Berlin, am kühlsten in Schleswig-Holstein. Auch die Niederschläge waren unzuverlässig: Insgesamt war der Sommer zwar kaum trockener als sonst üblich. Aber die Niederschläge waren ungleich verteilt. An den Alpen fielen über den Sommer hinweg mehr als 700 Liter pro Quadratmeter, das war rund zehnmal so viel wie etwa in der Uckermark, der Gegend um Leipzig, entlang des Rheins oder im Saarland.

Obendrein fiel gerade in den trockeneren Regionen ein großer Teil des Niederschlags in Form von Gewitter-Starkregen, den ausgetrocknete Böden so schnell nicht aufnehmen können. Vor allem in Teilen Sachsen-Anhalts, Brandenburgs sowie im Westen Deutschlands bleibt der Boden daher trotz einiger Regenfälle bis in tiefe Schichten viel zu trocken.

© SZ
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Text: Marlene Weiß, Fotos: Thomas Finkler

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