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Raumsonde verglüht:Adieu Cassini, mach's gut

  • Tausende Wissenschaftler haben über die vergangenen Jahrzehnte an einer der aufwendigsten und erfolgreichsten Raumfahrt-Missionen gearbeitet, die es je gegeben hat.
  • Und nun ist Schluss: Die Raumsonde Cassini ist auf dem fernen Saturn in einen einsamen Feuertod gestürzt.
  • Cassini-Huygens war eine Mission zweier Raumsonden, mit der man den Planeten Saturn und seine Monde erforscht hat.

Man kann dieser Tage viele lila T-Shirts auf dem Campus des Jet Propulsion Laboratorys in Kalifornien sehen: Cassini-Erinnerungs-Hemden, dem Vernehmen nach mittlerweile weitgehend ausverkauft. Tausende Wissenschaftler und Ingenieure haben über die vergangenen Jahrzehnte an einer der aufwendigsten und erfolgreichsten Raumfahrt-Missionen gearbeitet, die es je gegeben hat; sie war nur möglich, weil die US-Raumfahrtbehörde Nasa sich dafür mit ihrem europäischen Pendant Esa zusammentat.

Hunderte von ihnen sind nun in Pasadena zusammengekommen, um sich gemeinsam von der Sonde zu verabschieden, die heute auf dem fernen Saturn in einen einsamen Feuertod gestürzt ist. Da sag noch einer, Forscher seien nicht sentimental.

Astronomie und Raumfahrt

Die letzte Reise von Cassini

Auch Norbert Krupp vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen ist nach Kalifornien gereist, selbstverständlich. Seit 1996 ist er an Cassini beteiligt, da liefen schon die letzten Vorbereitungen. "Ein bisschen Wehmut ist jetzt schon dabei", sagt er, nach all den Jahren, aber stolz ist er auch, logisch. Er hat 1997 den Start der Sonde verfolgt, den Bürgerinitiativen bis zuletzt verhindern wollten. Immerhin hatte Cassini mehr als 30 Kilogramm Plutonium an Bord, um die Instrumente mit Strom zu versorgen. Solarpaneele wären beim Saturn, zehnmal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde, wenig hilfreich gewesen.

Trotzdem unterschrieb US-Präsident Bill Clinton - ja, so lange ist das her

Auch in Deutschland hielten viele das Risiko für nicht vertretbar: Was, wenn der Start misslingen würde? Oder wenn die Sonde zwei Jahre später bei ihrer Ehrenrunde um die Erde, statt Schwung für die weitere Reise zu holen, in die Erdatmosphäre rasen würde? Die Nasa hatte zwar alle erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, das Material auf brutalste Weise getestet, das Plutonium wurde in Keramik-Kugeln und Metallbehälter verpackt, damit selbst im schlimmsten Fall nur ein Bruchteil entweichen sollte. Aber ein Restrisiko blieb.

Trotzdem unterschrieb US-Präsident Bill Clinton - ja, so lange ist das her - im Oktober 1997 die Starterlaubnis, wenig später ging es los. Und es folgte keine Katastrophe, sondern im Gegenteil: Es lief fast perfekt. Und das von 1997 bis heute, nach zweimaliger Verlängerung um insgesamt neun Jahre.

Auf der Erde übergab Clinton an George W. Bush, der 11. September traumatisierte die Welt, der Afghanistan-Krieg begann, ein Student namens Mark Zuckerberg gründete Facebook. Cassini, damals noch mit dem Landemodul Huygens huckepack, zog derweil gelassen ihre Bahnen durchs Sonnensystem. Vorbei an der Venus, zurück zur Erde, weiter zum Jupiter und schließlich, im Jahr 2004: Ankunft am Saturn. Kurz darauf setzte Cassini den Lander Huygens auf Saturns größtem Mond Titan ab. Unterwegs hatte sich zwar ein Kommunikationsproblem zwischen Cassini und Huygens gezeigt, aber es konnte durch eine neue Bahnplanung einigermaßen ausgeglichen werden. So konnte die Muttersonde die Bilder und Daten empfangen und weiterleiten, die Huygens in den wenigen relevanten Stunden seines Daseins sammelte.