bedeckt München 11°

Kernenergie:"Aborigines sind die Speerspitze des Widerstands"

Die Befürworter betonen stark, dass Australien eine Verantwortung für das Uran habe, das es exportiert.

Das ist doch absurd. Australien exportiert auch Eisenerz und Kohle. Niemand würde auf die Idee kommen, Eisenschrott oder Flugasche zurückzuholen.

Gibt es bereits erste Interessenten?

Die Kommission hat Südkorea, Taiwan und Japan als mögliche Kunden genannt, also die Länder, die Australien mit Uran versorgt. Aber letztlich wären alle Länder mit einem Atommüllproblem interessiert.

Wo soll das Endlager gebaut werden?

Details sind bislang keine bekannt. Aber in den dünn besiedelten Wüstenregionen Südaustraliens, die infrage kommen, leben vor allem Aborigines.

Was sagen die dazu?

Die Aborigines sind die Speerspitze des Widerstands. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden sie Opfer britischer Atombombentests. Heute kennen sie die atomare Gefahr und wehren sich in der sogenannten "No Dump Alliance", dem Bündnis gegen Atommüll.

Vor der Jahrtausendwende gab es schon einmal den Plan für ein Atommüllendlager in Australien. Warum ist der damals gescheitert?

Es gab Widerstand. Die Politiker erkannten, dass ihnen die Zustimmung fehlt.

Welche Folgen hätte es, wenn ein Endlager genehmigt würde?

Das Projekt würde nicht nur die Kultur der dortigen Aborigines bedrohen und auf ewige Zeit ein Sicherheitsrisiko darstellen, es hätte auch noch einen ganz anderen Effekt: Die Atomindustrie könnte weltweit mit Verweis auf Australien behaupten, die Endlagerfrage sei endlich gelöst und zum business as usual zurückkehren.

Lässt sich das Projekt noch stoppen?

Aber sicher! Ich und die "Australian Conservation Foundation" werden ihren Teil dazu beitragen. Gleichzeitig weiß ich, dass uns Atommüll noch lange beschäftigen wird - einfach deshalb, weil niemand eine Lösung hat.

© SZ.de/fehu
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema