Tropensturm "Ian":Mit der Wucht des Klimawandels

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Tropensturm "Ian": Satellitenbild des Tropensturms "Ian".

Satellitenbild des Tropensturms "Ian".

(Foto: Jose Romero/AFP)

"Ian" ist einer der stärksten Stürme, die je in Florida auf Land getroffen sind. Die Erderwärmung könnte atlantische Hurrikans weiter befeuern.

Von Christoph von Eichhorn

Ian ist kein Hurrikan mehr. Als der Sturm am Donnerstagmorgen amerikanischer Zeit über Florida hinwegfegte, stufte ihn das Nationale Hurrikanzentrum der USA zum Tropensturm herab. Als Ian am Mittwoch bei Fort Myers im Südwesten Floridas erstmals auf Land traf, tat er das noch mit Windgeschwindigkeiten von rund 240 Kilometern pro Stunde, als Hurrikan der Stufe 4 von 5. Das ist schon im absoluten Spitzenfeld, nur vier Hurrikans waren bislang stärker, als sie in Florida an Land trafen.

Die fünf Kategorien von Hurrikans beziehen sich jedoch allein auf die maximalen Windgeschwindigkeiten, nicht auf die Gefahr von Sturmfluten und Starkregen. Ian drückt noch dazu sehr viel Wasser in die Küstengebiete hinein, mancherorts war ein Anschwellen des Meeresspiegels um mehr als fünf Meter vorhergesagt. Und auch als Tropensturm, mit Geschwindigkeiten von um die 100 Kilometer pro Stunde, führt Ian noch sehr viel Wasser mit sich, selbst im Inland könnte er daher für Überschwemmungen sorgen.

Mancher fragt sich nun, welche Rolle der Klimawandel für die Entstehung von Ian gespielt hat. "Wir wissen schon, dass er stärker ist und viel mehr Regen runterschüttet, als es der gleiche Hurrikan vor hundert Jahren getan hätte", twitterte die Klimaforscherin Katharine Hayhoe von der Texas Tech University. Die Frage sei nicht, ob der Klimawandel einen bestimmten Hurrikan ausgelöst habe, sondern um wie viel schlimmer die Erderwärmung ihn gemacht habe. Und ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres teilte mit, bei dem Hurrikan handele es sich "um ein weiteres Beispiel dramatischer Klimaaktivitäten, wie wir sie auf der ganzen Welt mit zunehmender Frequenz und zunehmender Zerstörung sehen".

Es gibt nicht unbedingt mehr Hurrikans - doch diese werden zerstörerischer

Gesichert ist nach Angaben der Nasa, dass die durchschnittliche Anzahl der Hurrikans im Nordatlantik seit den 1980ern zugenommen hat. Nicht nur gebe es zunehmend mehr Stürme in einer Hurrikan-Saison, diese seien auch stärker geworden. Allerdings bewege sich die Entwicklung noch weitgehend innerhalb natürlicher Klimaschwankungen. Zumal der betrachtete Zeitraum für eher seltene Ereignisse wie Hurrikans recht kurz ist: Seit dem späten 19. Jahrhundert, so eine Studie aus dem vergangenen Jahr, seien große Hurrikans im Atlantik nicht wesentlich häufiger geworden. Allerdings ergab eine weitere Studie, erschienen 2019 im Fachmagazin Nature, dass sich die Genese von Hurrikans im Atlantik zwischen 1982 und 2009 gewandelt hat: Ungewöhnlich viele Hurrikans wachsen sich mittlerweile sehr schnell zu sehr intensiven Hurrikans aus. Diese Beschleunigung deutet das Team auch als Folge des Klimawandels. Falls sich die Erde um zwei Grad erwärmt, dürften die maximalen Windgeschwindigkeiten von Hurrikans laut dem jüngsten Sachstandsbericht des Weltklimarats langfristig um ein bis zehn Prozent zunehmen.

Es geht jedoch nicht nur um Windstärken. Der steigende Meeresspiegel führt auch dazu, dass Sturmfluten höher ansteigen, wenn Tropenstürme auf Land treffen. Damit werden größere Gebiete unter Wasser gesetzt als bislang. Zudem kann wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen. Erwärmt sich die Erde weiter, dürften Hurrikans damit auch mehr Niederschläge mit sich bringen. Für die Küsten Japans, Südkoreas, Taiwans und im südöstlichen China haben Forscher solche Veränderungen im Niederschlagsmuster bereits nachgewiesen. Taifune, wie die tropischen Stürme im Pazifik genannt werden, brächten dort seit 1986 vermehrt Starkregen mit sich, heißt es in einer Studie im Fachblatt Nature Communications. Dieser Anstieg sei nicht allein mit natürlichen Schwankungen zu erklären.

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