Golf von Mexiko:Spurensuche an toten Tieren

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Möglicherweise werden die zu erwartenden Hurrikans vor der US-Küste ihren Teil dazu beitragen. Flüchtige Teile verdunsten, schwere Teile werden von Sonnenstrahlen oxidiert und sinken auf den Meeresboden ab. Darüber hinaus werden Bestandteile biologisch abgebaut. Für Europas Küsten geben die Fachleute in Kiel deshalb Entwarnung. Sie halten für möglich, dass dort langfristig höchstens harmlose Ölkonzentrationen auftreten könnten.

Golf von Mexiko: Bislang zeigte nur ein an den Golf-Küste gestrandeter Delphin äußerliche Spuren von Öl. US-Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass auch etliche der übrigen bislang angespülten Meeressäuger wegen der Verschmutzung gestorben sind.

Bislang zeigte nur ein an den Golf-Küste gestrandeter Delphin äußerliche Spuren von Öl. US-Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass auch etliche der übrigen bislang angespülten Meeressäuger wegen der Verschmutzung gestorben sind.

(Foto: AP)

Doch vorsichtig, wie sie sind, sprechen die Meereswissenschaftler von "Szenarien", nicht von Vorhersagen. Und sie fügen zu ihren Einschätzungen das Wort "vorerst" hinzu. "Wenn das Öl bis zum August weiter ungemindert ausströmt, müssen wir möglicherweise unsere momentane Abschätzung revidieren", warnt Martin Visbeck vom IFM-GEOMAR.

Wie das Öl sich tatsächlich ausbreitet und welche Auswirkungen es auf die Umwelt hat, lässt sich kaum bestimmen. Die sichtbare Verschmutzung - also der Ölteppich auf dem Meer, die betroffenen Strände von Louisiana und Alabama und die verschmutzten Vögel, Reptilien, Fische und Meeressäuger stellen möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs dar. Kaum jemand weiß, was unter Wasser geschieht, wo ebenfalls Ölschwaden und Chemikalien zur Bekämpfung des Minerals treiben.

So wurden zwischen dem 30. April und dem 5. Juni mehr als 240 tote Meeresschildkröten an der Küste von Louisiana bis Florida gezählt. Die Zahl liegt erheblich über den Daten der vergangenen Jahre. Von den Tieren zeigten jedoch lediglich 31 Schildkröten eine sichtbare Verschmutzung mit Öl.

Vielleicht werden Kadaver häufiger gemeldet, weil mehr auf mögliche Opfer der Ölpest geachtet wird. Das allein, so stellen Wissenschaftler der amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde (NOAA) fest, kann den Anstieg jedoch nicht erklären.

Ähnlich verhält es sich mit den 33 Delphinen, die im selben Zeitraum tot oder sterbend gestrandet sind. Die Zahl liegt weit über derjenigen der Vorjahre. Und nur einer der Meeressäuger zeigte äußerliche Ölspuren.

Schwieriger Nachweis von Öl als Todesursache

Die gefährliche Wirkung von Öl auf den Organismus ist häufig kaum nachzuweisen. Selbst wenn die Schleimhäute und Organe möglicherweise betroffener Tiere Hinweise auf die Wirkung von polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe zeigen - einem der giftigsten Bestandteile von Rohöl - könnten die Spuren im Gewebe auch von Krankheiten oder Nahrungsmangel verursacht worden sei, erklärte Michael Ziccardi von der University of California, Davis im Fachmagazin Science.

Auch könnten Tiere durch das Öl geschwächt werden und an anderen Krankheiten sterben, so Gregory Bossart vom Georgia Aquarium in Atlanta. Um festzustellen, wie viele der an der Golfküste gestrandeten Tiere tatsächlich am Öl gestorben sind, wollen die NOAA-Experten Gewebeproben untersuchen lassen. Mit Ergebnissen rechnen sie allerdings erst in Wochen oder Monaten.

Darüber stellt es eine ganz neue Herausforderung für die Wissenschaftler dar, die Wirkung der Millionen Liter von Chemikalien zu studieren, die im Kampf gegen das Öl eingesetzt wurden.

Selbst wenn das Öl, das der Golfstrom mitnehmen wird, auf hoher See nur noch eine geringe Konzentration haben dürfte - die Folgen für die Umwelt werden sich wohl niemals wirklich feststellen lassen. Denn im Gegensatz zu den Tieren vor der Küste Amerikas lassen sich die Opfer im Atlantik nicht zählen und untersuchen.

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