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Geschichte - Magdeburg:Magdeburg gedenkt der Zerstörung der Stadt

Deutschland
Blumenkränze liegen auf der Gedenkstätte für die Opfer des Luftangriffs auf Magdeburg. Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

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Magdeburg (dpa/sa) - Mit stillem Gedenken, Protest gegen Rechts und Aktionen ist in Magdeburg an die Zerstörung der Stadt vor 76 Jahren erinnert worden. Unter dem Motto "Eine Stadt für Alle" begann am Samstagabend per Livestream eine Aktionswoche für Weltoffenheit und Toleranz. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) erinnerte an das Leid der Menschen während der Nazi-Diktatur. "Diese Zeit darf niemals wiederkommen", sagte er. Er rief die Menschen dazu auf, alles dafür zu tun, die Demokratie zu erhalten und zu schützen. Es gelte Weltoffenheit, Freiheit und Frieden zu bewahren, sagte Trümper.

Ein großes Treffen zum Gedenken an die Opfer der Zerstörung wie in den Vorjahren auf dem Alten Markt gab es wegen der coronabedingten Kontaktbeschränkungen nicht. Stattdessen leuchteten symbolisch 1000 Kerzen. Ein Bündnis gegen Rechts berichtete via Kurznachrichtendienst Twitter über Protestaktionen gegen Rechtsextremismus. Am 16. Januar 1945 wurde die Innenstadt Magdeburgs während des Zweiten Weltkrieges bei einem Luftangriff in Schutt und Asche gelegt. Durch alliierte Bomben starben Tausende Menschen.

Den Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs nehmen seit Jahren Rechtsextreme zum Anlass, um mit Kundgebungen ihre Ideologie zu verbreiten. Der langjährige frühere Magdeburger Domprediger Giselher Quast rief die Menschen via Livestream dazu auf, auch unter Corona-Bedingungen die Stadt nicht den Neonazis zu überlassen. Es dürfe keine Mauern aus Hass, Gewalt und Unrecht geben.

Nach Angaben der Polizei waren am Samstag knapp 30 Kundgebungen und Mahnwachen angemeldet worden. An einer Kundgebung der rechten Szene nahmen laut Polizei rund 100 Menschen teil, an den Versammlungen des linken und bürgerlichen Milieus den Angaben zufolge etwa 500 Menschen. Es gab für alle die Auflage, Abstand zu halten, Mund-Nasen-Schutz zu tragen, am Ort der Kundgebung zu verweilen und keinen Umzug zu veranstalten. Bei den Versammlungen habe es keine größeren Vorfälle gegeben, teilte die Polizei am späten Abend mit.

Auch die coronabedingten Auflagen wurden von den meisten Teilnehmern eingehalten. Am späten Samstagabend hatten sich alle Versammlungen aufgelöst. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit mehreren Hundertschaften aus insgesamt sechs Bundesländern im Einsatz.

Das Bündnis "Solidarisches Magdeburg" berichtete am Abend per Twitter, dass mehrere Teilnehmer einer Demonstration gegen Rechtsextremismus durch Polizisten verletzt worden seien. Auf Twitter kursierte ein Video, auf dem zu sehen war, wie ein Mann bei einem Polizeieinsatz mit dem Kopf gegen eine Hauswand prallt und ein Teil aus der Fassade fällt. Unklar war zunächst, ob die Bilder eine Videosequenz waren. Die Polizei äußerte sich zu der Kritik des Bündnisses und zu den Aufnahmen nicht.

Eine Sprecherin des Bündnisses "Solidarisches Magdeburg" sagte, der Polizeieinsatz sei unverhältnismäßig gewesen, auch die Präsenz der Beamten in der Stadt. Das Bündnis werde prüfen, inwieweit dies mit dem Versammlungsrecht vereinbar gewesen sei. Nach Angaben der Organisatoren der Aktionswoche "Eine Stadt für alle" gab es am Samstag auch Mahnwachen gegen rechte Gewalt und Extremismus. Bis zum 27. Januar seien weitere Aktionen für Vielfalt und Weltoffenheit geplant, entsprechend den Corona-Regeln mit Abstand und digital.

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