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Bedrohte Arten:Wieder tote Elefanten in Botswana

Womöglich haben sich in Wasserstellen giftige Cyanobakterien so stark vermehrt, dass dies für Elefanten gefährlich wurde.

(Foto: Dean Fosdick/AP)

In einem Reservat in Botswana wurden 40 Elefanten-Kadaver entdeckt. Warum sind die geschützten Tiere gestorben?

Von Tina Baier

40 Elefantenkadaver im Moremi-Wildreservat im Norden Botswanas lassen Tierschützer befürchten, dass in dem Land erneut ein Massensterben der Tiere droht. Die Gegend liegt etwa 100 Kilometer von der Region entfernt, wo vergangenes Jahr etwa um dieselbe Zeit 350 tote Elefanten gefunden worden waren. Damals wurde lange über die Ursache gerätselt. Wilderei, sonst die größte Bedrohung für die Tiere, konnte schnell ausgeschlossen werden, da bei keinem der Kadaver die Stoßzähne fehlten. Viele der Tiere lagen auf dem Bauch, so als wären sie plötzlich zusammengebrochen. Zudem wurden damals noch lebende Elefanten beobachtet, die ausgezehrt und orientierungslos durch die Gegend irrten. Einige schienen teilweise gelähmt zu sein und konnten kaum noch gehen.

Als wahrscheinlichste Todesursache gilt mittlerweile eine Vergiftung durch Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen. Die Mikroorganismen produzieren einen ganzen Cocktail verschiedenster Gifte, unter anderem Hepatotoxine (Lebergifte), Zytotoxine (Zellgifte) und Neurotoxine (Nervengifte). Die Bakterien hatten sich an verschiedenen Wasserstellen stark vermehrt, vermutlich aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen. Auf eine schwere Dürre folgte vergangenes Jahr eine Regenzeit mit ungewöhnlich starken Niederschlägen. Für diese Theorie spricht auch, dass fast alle Kadaver in der Nähe von Wasserlöchern gefunden wurden, und dass das Sterben von selbst aufhörte, als die Wasserstellen nach dem Ende der Regenzeit wieder ausgetrocknet waren.

Nirgendwo sonst leben so viele Elefanten - etwa 130 000 sollen es sein.

Wie damals scheinen auch jetzt wieder ausschließlich Elefanten betroffen zu sein. Dass andere Tiere nicht vergiftet werden, obwohl sie aus denselben Wasserlöchern trinken, könnte damit zusammenhängen, dass Elefanten mit ihrem Rüssel auch den Schlick ansaugen, in dem besonders viele Bakterien enthalten sind. Andere Tiere trinken hingegen nur das Wasser an der Oberfläche.

Dass wieder ausschließlich Elefanten betroffen zu sein scheinen, schließt eine andere Tierseuche, Milzbrand, als Todesursache aus. Die Krankheit, eine Blutvergiftung, bei der das Blut nur noch unvollständig gerinnt, wird durch Sporen des Bakteriums Bacillus anthracis verursacht. Auch die für diese Krankheit typischen Blutungen aus allen Körperöffnungen wurden weder jetzt noch vor einem Jahr an den Kadavern der Elefanten beobachtet.

Botswana hat als eines von wenigen Ländern wilde Elefanten so erfolgreich geschützt, dass die Zahl der Tiere dort zugenommen hat. Schätzungen zufolge leben etwa 130 000 Elefanten in dem Land - so viele wie sonst nirgends auf der Welt. Das führt immer wieder zu Konflikten mit Menschen. Bauern und Dorfbewohner beschweren sich schon länger darüber, dass die geschützten Tiere ihre Ernte zerstören und Häuser niedertrampeln. Die Regierung des Landes hat deshalb sogar die Jagd auf Elefanten wieder zugelassen und 287 Lizenzen zur Tötung der Tiere vergeben.

© SZ
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