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Diesel-Fahrverbote:Wie schädlich sind Stickoxide und Feinstaub?

Welche anderen Feinstaub-Quellen gibt es im Straßenverkehr?

Nach Daten des Umweltbundesamtes ist der Verkehr der drittgrößte Feinstaub-Emittent nach der Industrie und der Landwirtschaft. In Ballungsgebieten ist er gar die Staubquelle Nummer eins, in München beträgt der Anteil etwa 50 Prozent. Der im Motor entstandene Feinstaub wird dabei immer weniger - das zeigt, dass Partikelfilter wirken. Andere Quellen, die aktuell zu 80 bis 85 Prozent für den verkehrsbedingten Feinstaub verantwortlich sind, aber bleiben: Abrieb von Reifen und Bremsen und natürlich der Straßenstaub, der durch Fahrzeuge aufgewirbelt wird. Selbst wenn nur Elektroautos durch die Städte fahren würden, würde sich die Feinstaubbelastung durch den Verkehr also kaum verringern.

Wie schädlich sind Stickoxide und Feinstaub?

Bei den Stickoxiden birgt insbesondere das Stickstoffdioxid gesundheitliche Gefahren für den Menschen. Bei einer Konzentration von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter kann es zu Entzündungen von Augen, Rachenschleimhaut, Bronchien oder der Luftröhre sowie zu Hustenreiz und Atembeschwerden kommen. Aus Studien ist bekannt, dass Anwohner stark befahrener Straßen ein verringertes Lungenvolumen und eine geringere Atemkapazität besitzen. Besonders Menschen, deren Atemwege bereits beeinträchtigt sind, leiden unter dem Einfluss von Stickstoffdioxid.

In geringen Dosen führt Stickstoffdioxid allerdings nur zu geringen Langzeitschäden. Das ist beim Feinstaub anders, der auch in niedriger Konzentration gesundheitsschädlich ist. PM10, der größere Feinstaub, kann sich in der Nasenhöhle und in den Bronchien ablagern, PM2,5 gelangt bis in die Bronchiolen und die Lungenbläschen. Ultrafeinstaub kann sogar bis ins Lungengewebe und den Blutkreislauf dringen. Im vergangenen Herbst gab die Europäische Umweltagentur (EEA) in einem Bericht an, dass jährlich in der EU etwa 400 000 Menschen vorzeitig an den Auswirkungen von Feinstaub sterben, mit 66 000 Opfern lag Deutschland hier an erster Stelle.

Was verschmutzt sonst noch die Luft in Städten?

CO2: Kohlenstoffdioxid macht den größten Posten an vom Verkehr ausgestoßen Schadstoffen aus. Für den Menschen ist es nicht direkt schädlich, allerdings macht CO2 den größten Anteil aller Treibhausgase aus, die zur Erderwärmung führen. Seit 1990 gehen die vom Verkehr ausgestoßenen Kohlendioxid-Werte in Deutschland kontinuierlich zurück.

CO: Nach CO2 ist das farb- und geruchlose Gas Kohlenstoffmonoxid (CO) der am meisten durch Verkehr ausgestoßene Schadstoff. Für Menschen ist es bedeutend gefährlicher als CO2. Das Gas beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme und kann in hoher Konzentration Auswirkungen auf das Zentralnervensystem haben. Der CO-Ausstoß von Pkw hat momentan in Deutschland auf die Gesundheit allerdings keine Auswirkungen, da er bereits stark gefiltert aus dem Auspuff kommt und sich schnell in der Luft verteilt.

VOCs: Sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOCs) machen die viertgrößte Komponente der Abgas-Schadstoffe aus. Damit sind kohlenstoffhaltige Stoffe gemeint, die schnell verdampfen. Im Straßenverkehr können sie beim Tanken entweichen oder wenn Kraftstoff nicht komplett verbrannt wird. In sehr hohen Konzentrationen können sie Reizungen auslösen. Diese Gefahr besteht im Straßenverkehr allerdings nicht. Gefährlicher für die Gesundheit sind die Stoffe in Innenräumen, wo sie aus Wandfarben, Klebstoffen, Cremes oder Deos entweichen können, da sie sich drinnen nicht großflächig verteilen können. Doch selbst hier besteht laut UBA in Deutschland keine Gesundheitsgefahr.

Ozon: In 15 bis 30 Kilometern Höhe schützt die dortige Ozonschicht den Planeten vor der UV-Strahlung der Sonne, am Boden kann Ozon jedoch dem Menschen schaden. Im Straßenverkehr entsteht Ozon, wenn NOx oder VOCs mit dem UV-Licht der Sonne reagieren, daher ist der Ozon-Smog im Sommer besonders hoch. Laut WHO kann bodennahes Ozon bei Menschen zu Atemproblemen und verringerter Lungenfunktion führen, außerdem steht es im Verdacht, krebserregend zu sein.

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