Umwelt Wer Arten rettet, schützt das Klima

Wälder, wie dieser im Belgischen Halle, schützen Klima und Artenvielfalt.

(Foto: AFP)

Nur den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren reicht nicht. Es ist höchste Zeit für einen globalen Pakt zum Artenschutz.

Kommentar von Tina Baier

Das Artensterben bedroht nicht nur Insekten, sondern Zehntausende verschiedenste Spezies und ist genauso gefährlich wie der Klimawandel. Beide könnten die Erde zu einem unwirtlichen Ort machen, bei beiden gibt es einen Point of no Return, einen Kipppunkt, von dem an nichts mehr zu retten ist, und beide sind globale Probleme. 2015 haben 196 Staaten das Übereinkommen von Paris unterzeichnet, wonach die menschengemachte globale Erwärmung nicht über 1,5 Grad Celsius steigen soll. Ähnliches sollte jetzt beim Artensterben geschehen. Eine gute Gelegenheit dafür wäre die Veröffentlichung des globalen Berichts zum Zustand der Biodiversität Anfang Mai, zufälligerweise ebenfalls in Paris.

Die Hälfte aller Ökosysteme unter Schutz zu stellen, wäre der Krise angemessen

Wie der Klimawandel zeigt, bedeutet eine solche Übereinkunft zwar noch lange nicht, dass die gesteckten Ziele auch erreicht werden. Man hätte aber zumindest eine gemeinsame Handlungsgrundlage, die hoffentlich die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ländern erleichtern würde. Allerdings ist es nicht ganz einfach, ein gemeinsames Ziel zum globalen Artenschutz zu formulieren. Auf der Erde gibt es die verschiedensten Sorten von Ökosystemen, von Wäldern über Grasland bis hin zu Wüsten, nicht zu vergessen Ozeane, Seen und Flüsse. Jedes einzelne ist komplex, die Zusammenhänge sind oft noch nicht einmal erforscht. Ähnliches gilt für einen Großteil der darin lebenden Tiere und Pflanzen.

Eine Möglichkeit, all diese Arten gleichzeitig zu schützen, wäre, einen bestimmten Prozentsatz aller Ökosysteme unter Schutz zu stellen. 50 Prozent bis zum Jahr 2050 wären angesichts der kritischen Lage nur angemessen. Ein richtiger Ansatz in diese Richtung waren die bereits 1993 formulierten "Aichi-Ziele", wonach 17 Prozent der Landfläche und zehn Prozent der Meere bis zum Jahr 2020 unter Schutz gestellt werden sollten.

Irgendwie ist das aber in Vergessenheit geraten. Das käme nicht nur den darin lebenden Tieren und Pflanzen zugute, sondern auch dem Klima. Besonders wichtig sind die Wälder. Ein intakter Regenwald etwa filtert doppelt so viel Kohlendioxid aus der Luft wie eine flächenmäßig gleich große Monokultur. Gleichzeitig leben Schätzungen zufolge etwa zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in Wäldern.

Doch auch viele andere Ökosysteme wie Tundren oder Mangroven sind wichtige Lebensräume für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten und speichern gleichzeitig große Mengen des Treibhausgases CO₂. Unbestritten ist auch, dass intakte Ökosysteme eine Erwärmung des Klimas besser abfedern können als Gebiete, die ohnehin schon unter Druck stehen. Artensterben und Klimawandel hängen also eng zusammen. Um die Welt zu retten, muss beides gestoppt werden.

Leserdiskussion Brauchen wir einen globalen Pakt zum Artenschutz?

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Brauchen wir einen globalen Pakt zum Artenschutz?

Das Artensterben ist genauso gefährlich wie der Klimawandel, schreibt SZ-Autorin Tina Baier - und plädiert dafür, die Hälfte aller Ökosysteme unter Schutz zu stellen. Diskutieren Sie mit.