Griechenlands Ex-Finanzminister:Er ist sich sicher, dass das Rettungs-Programm scheitern werde

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Stattdessen seien sich alle schnell einig gewesen, dass er keinen Plan habe - Griechenland stimmte schließlich den Bedingungen der Gläubiger zu. Niemand habe wirklich geglaubt, dass der neue Plan zur Rettung Griechenlands aufgehen würde. Nicht der Währungsfonds, nicht der deutsche Finanzminister, nicht die EU. "Ich wollte nicht ein weiterer griechischer Minister sein, der Pläne schreibt, an die er sich nicht hält." Deshalb sei er zurückgetreten. Im übrigen sei er sich sicher, dass das nun laufende Programm scheitern werde.

"Lassen Sie mich erklären, warum das eine große Niederlage für Europa ist", sagt Varoufakis. Kurz ist nicht klar, ob er seinen Rücktritt im Sommer meint oder die politische Entscheidung seiner ehemaligen Regierung. Griechenland, so der Ökonom, sei nur ein Indikator, der zeige, dass die Eurozone nicht auf ein langfristiges Bestehen ausgelegt sei. "Die Frage ist nur, was machen wir jetzt daraus."

Varoufakis will die EU demokratisieren - von unten

An einer Antwort bastelt Varoufakis derzeit selbst, auch wenn er das an diesem Abend zunächst nicht erwähnt. Denn eines steht für ihn außer Frage: "Wir müssen dafür sorgen, dass Europa funktioniert." Er wolle, so hat er es auf seinem Blog erläutert, den Geist des Athener Frühlings ins Herz Europas tragen. Mit dem Frühling meint er die Aufbruchstimmung nach dem Wahlgewinn von Syriza.

Er fordert eine Demokratisierung der ganzen Europäischen Union. Hier herrschen seiner Ansicht nach enorme Defizite. Das will der Ökonom mithilfe einer Graswurzelbewegung ändern. An diesem Abend in München konstatiert er nur unter Klatschen, dass eine Debatte über die notwendigen Reformen der Europäischen Union fehle. Und dass er an dieser Debatte teilhaben will.

Er dürfte bereits erste Unterstützer für ein paneuropäisches linkes Netzwerk gefunden haben. Seit Wochen tourt er durch Europa, war bereits bei der linken Bürgermeisterin Barcelonas, Ada Colau, und beim italienischen Premierminister. Er hat im geschichtsträchtigen Coimbra in Portugal gesprochen und an der Universität von Oxford. In Deutschland habe er bei der SPD und der Linken offene Ohren gefunden. Eine Rückkehr in die Politik also? "Ich kann nicht zurückkehren, weil ich die Politik nie verlassen habe", sagt Varoufakis. "Das, was ich hier mache, ist Politik."

Es dauere, bis man so etwas aufbaue, sagt Varoufakis, der einstige Finanzminister. Derzeit arbeiten er und andere an einer Schrift, die Grundlage der neuen Bewegung sein und vor Weihnachten erscheinen soll. Ein neuer Plan. Die Rede ist von einem Manifest. Keine Angst vor großen Worten eben.

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