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Wirtschaft kompakt:Nissan heuert im Pannenklub an

Auch Nissan startet jetzt eine Rückrufaktion - weil die Bremsen streiken. Außerdem: Siemens-Manager genießen die Freiheit und Ford den Triumph über GM.

Nach den Problemen beim Konkurrenten Toyota hat auch der japanische Autohersteller Nissan eine weltweite Rückrufaktion angekündigt. Wegen Bremsproblemen und defekten Treibstoffanzeigen würden weltweit rund 540.000 Fahrzeuge zurückgerufen, teilte das Unternehmen mit. Betroffen seien vor allem die USA, bei Fahrzeugen in Deutschland trete das Problem hingegen nicht auf, teilte der Konzern mit. Von dem Bremsendefekt seien knapp 205.000 Autos der Modelle Titan, Armada, Quest und Infiniti QX56 betroffen.

Der Defekt der Füllstandanzeigen betreffe gut 472.000 Autos der Modelle Titan, Armada, Infiniti QX56 sowie Frontier, Pathfinder und Xterra; teilweise wiesen die Fahrzeuge beide Probleme auf. Bislang gebe es keine Hinweise auf mögliche Unfälle, die auf die Mängel zurückzuführen seien, hieß es in einer Erklärung.

Toyota hatte wegen Problemen mit dem Gaspedal und den Bremsen weltweit rund 8,7 Millionen Fahrzeugen zurückrufen müssen, viele davon in den USA.

Ford sticht GM aus

Dank eines Absatzplus von 43 Prozent hat der US-Autohersteller Ford den Erzrivalen GM erstmals seit fast zwölf Jahren auf dem heimischen Markt überholt - wenn auch nur mit hauchdünnem Vorsprung.

Ford verkaufte genau 334 Fahrzeuge mehr als die Opel-Mutter General Motors, die um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zulegen konnte. Es ist das erste Mal seit August 1998, dass Ford vor GM liegt. Damals steckte General Motors mitten in einem Streik.

Sowohl Ford als auch GM konnten von dem Absatzeinbruch von neun Prozent bei Toyota profitieren, der von der massiven Rückrufaktion ausgelöst wurde. Zu den weiteren Gewinnern der Absatzentwicklung auf dem US-Automarkt gehören Kia, Honda und Nissan.

Streikende entlassen Siemens-Geisel

Die von Arbeitern in Frankreich festgesetzten zwei Siemens-Manager sind wieder frei. Unter Buh-Rufen der Belegschaft hätten sie das Firmengebäude im Südosten des Landes verlassen, sagte Betriebsrat Georges Boncompain. Die Siemens-Beschäftigten hatten sich seit Montagnachmittag im Werk Saint-Chamond bei Lyon mit dem örtlichen Finanz- und den Personalchef eingeschlossen und höhere Abfindungszahlungen im Zuge eines geplanten Stellenabbaus gefordert.

Die Gewerkschaft verlangt Abfindungen von 30.000 Euro, Siemens habe aber nur zwischen 5000 und 24.000 Euro angeboten. Siemens will an dem Standort, wo Ausrüstungen für Stahlwerke produziert werden, nach Arbeitnehmerangaben 240 von 600 Arbeitsplätzen streichen.

Ein Konzernsprecher hatte zuvor betont, die beiden Manager seien freiwillig dort. Der Konflikt befinde sich zwar auf der höchsten landesüblichen Eskalationsstufe, die zwei Beauftragten könnten allerdings jederzeit gehen. Die Zentrale stehe mit ihnen in Kontakt.

In den Konflikt hatte sich auch Frankreichs Industrieminister Christian Estrosi eingeschaltet und zur Freilassung der Manager aufgerufen. "Ich lehne die Gewalt ab, zumal der Sozialplan gerade verhandelt wird." Die Gespräche müssten friedlich ablaufen.

Regierung beschließt Kürzung der Förderungen für Solarindustrie

Die Regierung hat die seit Wochen diskutierte Kürzung der Förderung von Solarenergie beschlossen. Laut der am Mittwoch im Kabinett verabschiedeten Gesetzesvorlage sollen die Subvention von Anlagen auf Dächern um 16 Prozent und auf Freiflächen um 15 Prozent gekürzt werden, wie das Bundesumweltministerium mitteilte. Die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen soll ganz wegfallen, der Bonus für den Eigenverbrauch von rund drei auf acht Cent pro Kilowattstunde erhöht werden. Die neuen Vergütungsregeln sollen am 1. Juli in Kraft treten.

Union und FDP hatten sich in der vergangenen Woche auf die Kürzungen geeinigt. Die Kabinettsvorlage soll nun von den Regierungsfraktionen in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden, wie das Ministerium mitteilte.

Krise drückt Adidas-Gewinn

Europas größter Sportartikelkonzern Adidas hat im Krisenjahr 2009 deutlich weniger verdient. Nach acht Jahren Wachstum in Folge sank der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr um 61,8 Prozent auf 245 Millionen Euro, teilte Adidas mit.

Belastet hatten neben den Kosten für den Konzernumbau auch Währungsverluste, Lagerräumungsverkäufe und höhere Beschaffungskosten. In der Wirtschaftskrise war zudem die Nachfrage in fast allen wichtigen Märkten zurückgegangen. Der Umsatz fiel um 3,9 Prozent auf 10,38 Milliarden Euro. Insgesamt verfehlte der Konzern die Markterwartungen. Die Aktionäre sollen 0,35 Euro Dividende je Aktie (Vorjahr: 0,50) bekommen.

Fraport kommt mit blauem Auge davon

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat im vergangenen Jahr durch das schwächelnde Passagiergeschäft einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um acht Prozent auf 552,9 Millionen Euro zurück, während der Umsatz um gut sechs Prozent auf 1,97 Milliarden Euro schrumpfte, teilte das Unternehmen mit.

Dennoch schnitt Fraport damit besser ab als von Analysten erwartet. Sie hatte mit einem operativen Gewinn von lediglich 543 Millionen Euro gerechnet. Dem Flughafenbetreiber machte vor allem der krisenbedingte Passagierrückgang am Heimatstandort Frankfurt zu schaffen. Die Zahl der Fluggäste ging hier 2009 um 4,7 Prozent auf 50,9 Millionen zurück.

Für 2010 erwartet das Unternehmen in Frankfurt ein Passagierplus zwischen einem und zwei Prozent. Im Februar schrumpfte die Zahl der Passagiere durch den Pilotenstreik beim Hauptkunden Lufthansa nach vorläufigen Zahlen um rund ein Prozent.

Das Ebitda soll 2010 bei steigenden Umsätzen auf mindestens 600 Millionen Euro zulegen, während das Nettoergebnis durch höhere Abschreibungen und ein schlechteres Finanzergebnis nach Angaben von Frankfurt sinken dürfte. Die Dividende soll dennoch stabil bei 1,15 Euro je Aktie bleiben.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/AFP/jcb/mel

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