bedeckt München 20°

Coronavirus und die Wirtschaft:25 000 Jobs bei American Airlines wegen Corona-Krise in Gefahr

Da die Lage der Branche weiter prekär ist und sich wegen der erneuten Corona-Eskalation in den USA zuletzt sogar wieder verschlechterte, droht eine Entlassungswelle im Herbst.

(Foto: Matt York/AP)

Die Erlöse des Unternehmens sind drastisch eingebrochen. Etwa ein Fünftel der Beschäftigten könnte ab Oktober in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt werden.

Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus der Wirtschaft in chronologischer Reihenfolge, die neuesten Nachrichten stehen an erster Stelle.

Donnerstag, 16. Juli, 1:47 Uhr: Die US-Fluggesellschaft American Airlines bereitet angesichts der anhaltenden Belastungen durch die Corona-Pandemie tiefe Personaleinschnitte vor. Rund ein Fünftel der Beschäftigten könnten ab Oktober in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt werden, wie aus einem internen Memo hervorgeht. 25 000 Angestellte erhielten demnach bereits entsprechende Warnungen.

"Mit steigenden Infektionsraten und mehreren US-Bundesstaaten, die Quarantäne-Restriktionen wieder in Kraft setzen, sinkt die Nachfrage nach Flugreisen wieder", erklärten die Konzernchefs Doug Parker und Robert Isom in dem Schreiben an die Belegschaft. Im Juni seien Americans Erlöse im Jahresvergleich um über 80 Prozent gesunken. Die Hoffnung auf eine rasche Erholung sei inzwischen verflogen.

US-Fluggesellschaften wie American Airlines mussten sich im Gegenzug für 25 Milliarden Dollar (etwa 22 Milliarden Euro) an Staatshilfen in der Corona-Krise verpflichten, bis Ende September keinen Personalabbau vorzunehmen. Da die Lage der Branche aber weiter prekär ist und sich wegen der erneuten Corona-Eskalation in den USA zuletzt sogar wieder verschlechterte, droht nun eine Entlassungswelle im Herbst.

Auch Konkurrent United Airlines hatte jüngst bereits 36 000 Beschäftigte - über ein Drittel seiner Mitarbeiter - von drohenden Zwangsbeurlaubungen in Kenntnis gesetzt. Nicht alle, die die Warnungen erhalten, müssen jedoch letztlich betroffen sein. US-Unternehmen sind verpflichtet, Angestellte 60 Tage im Voraus zu informieren. Zunächst wollen American und United Airlines weiter auf freiwillige Lösungen setzen. dpa

Mittwoch, 15. Juli, 0:50 Uhr: Wenn Staat und Wirtschaft nach der Coronavirus-Pandemie die Weichen auf nachhaltige Entwicklung stellen, können bis 2030 etwa 395 Millionen neue Jobs geschaffen werden. Zu diesem Schluss kommt die Stiftung Weltwirtschaftsforum (WEF) in einer Untersuchung. Mit Geschäftsideen, die der Natur erste Priorität einräumen, könnten Geschäfte im Wert von mehr als zehn Billionen US-Dollar (8,77 Billionen Euro) realisiert werden - so viel, wie Regierungen in aller Welt zur Stützung in ihre Volkswirtschaften gepumpt haben.

Das Forum nennt Beispiele, wo solche Lösungen schon hohen Mehrwert geschaffen haben: In Indonesien habe der Einsatz von Satellitenbildern und Sensoren in der Landwirtschaft Erträge um durchschnittlich 60 Prozent erhöht. Die Renaturierung von Küsten in Vietnam mit Mangroven habe das Einkommen der Küstenbewohner mehr als verdoppelt. "Wir können unsere Nahrungsmittelressourcen schonen, unsere Infrastruktur besser nutzen und neue Energiequellen anzapfen, indem wir Lösungen suchen, die positiv für die Natur sind", sagte Akanksha Khatri, Hauptautorin des Berichts.

Ideen sind unter anderem, dass Menschen anders essen, vor allem mehr Obst und Gemüse. Heute kämen 75 Prozent der Nahrungsmittel von nur zwölf Pflanzen und fünf Tierarten, heißt es in dem Bericht. Jede Sekunde werde auf der Welt ein Müllauto voll mit Textilien verbrannt oder auf Mülldeponien geladen. Besseres Recycling könne 148 Millionen Tonnen Textilabfall bis 2030 einsparen. Grüne Dächer, mehr LED-Lampen und bessere Isolierung könnten Milliarden einsparen und gleichzeitig neue Märkte für diese grünen Produkte schaffen. Bessere Bergbaumethoden könnten den Wasserverbrauch um 75 Prozent senken. dpa

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Beschleunigtes Zulassungsverfahren für Biontech-Impfstoff

Montag, 13. Juli, 14:47 Uhr: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem amerikanischen Konzern Pfizer und der Firma Biontech aus Mainz ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für zwei mögliche Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus genehmigt. Das teilten beide Unternehmen mit. Es handele sich um die Varianten eines möglichen RNA-Impfstoffs mit Namen "BNT 162b1" und "BNTb2". Insgesamt laufen in den USA und in Deutschland Studien der Phase I und II zu vier Kandidaten.

Für die USA hatten Biontech und Pfizer zuletzt schon erste Ergebnisse zu einem Wirkstoffkandidaten vorgelegt, konkret zu "BNT 162b1". Diese nannten die Unternehmen "ermutigend", auch mehrere Experten hatten von positiven Ergebnissen gesprochen.

Probanden hatten Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt. Unklar ist aber noch, ob diese Antikörper tatsächlich vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützen. Das sollen Tests mit bis zu 30 000 Probanden zeigen. Erste Ergebnisse zu Tests in Deutschland werden laut Biontech noch im Juli erwartet.

An der Börse reagierten Anleger euphorisch: Die Biontech-Aktie gewinnt fast zehn Prozent. dpa

Viele Kreditstundungen bei der Deutschen Bank

Montag, 13. Juli, 10:35 Uhr: Bei der Deutschen Bank wächst die Zahl der Kunden, die wegen der Corona-Krise ihre Kredite nicht bedienen. "Wir haben bislang insgesamt etwa 70 000 Stundungsanträge von Privatkunden der Deutschen Bank und der Postbank erhalten", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl von Rohr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das entspreche einem einstelligen Prozentsatz des gesamten Kreditportfolios. Die Zahl steige weiter, jedoch deutlich langsamer als noch im Frühjahr. Die vorübergehende Stundung von Krediten ist in der Corona-Krise gesetzlich ermöglicht worden. Reuters

VW ist der womöglich am höchsten verschuldete Konzern weltweit

Montag, 13. Juli,10:24 Uhr: Weltweit wird die Verschuldung der weltgrößten Unternehmen einer Studie zufolge in diesem Jahr um bis zu eine Billion Dollar steigen - so stark wie noch nie. Der Schuldenberg werde um zwölf Prozent auf insgesamt 9,3 Billionen Dollar wachsen, sagte der Fondsmanager Janus Henderson auf Basis einer jetzt veröffentlichten Studie zu 900 Konzernen voraus. Wegen der wegbrechenden Gewinne und der unsicheren Aussichten in der Corona-Krise saugen sich die Firmen mit Liquidität voll.

Allein zwischen Januar und Mai sammelten die 900 Firmen 384 Milliarden Dollar an den Anleihemärkten ein. Zugleich stiegen auch die Bankkredite rasant. Fast die Hälfe der globalen Unternehmensschulden entfällt mit 3,9 Billionen auf US-Firmen. Deutschland landet auf dem zweiten Platz mit 762 Milliarden Dollar. Hintergrund sind die kapitalintensive Autoindustrie und die großen Finanzierungssparten der Autobauer.

Der Studie zufolge ist Volkswagen mit Verbindlichkeiten von 192 Milliarden Dollar der am höchsten verschuldete Konzern der Welt. Ein Schuldenberg der fast so groß wie der von Südafrika oder Ungarn ist, der aber auch durch die Autofinanzierungssparte der Wolfsburger aufgebläht wird. Daimler findet sich 90 Milliarden Dollar auf dem achten Platz, BMW mit 84 Milliarden auf den zehnten Platz.

Aber nicht jeder große Konzern haben hohe Verbindlichkeit. Unter den 900 untersuchten Firmen sind fast ein Viertel schuldenfrei und einige sitzen auf riesigen Geldpolstern: Die Google-Mutter Alphabet verfügt mit 104 Milliarden Dollar über besonders üppige Reserven. Reuters

Jobabbau bei Daimler

Samstag, 11. Juli, 7.40 Uhr: Der Autobauer Daimler will wegen der Corona-Krise noch deutlich mehr Stellen streichen als bisher bekannt. Personalvorstand Wilfried Porth nennt zwar weiterhin keine Zahl. Mit den bisher kolportierten 10 000 oder 15 000 Arbeitsplätzen, die Berichten zufolge wegfallen sollen, komme man jedenfalls nicht aus. "Die neue Zahl ist auf jeden Fall größer als die beiden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Und die bräuchten wir, um betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu verhindern." Dem Betriebsrat warf er mangelndes Entgegenkommen vor.

Die Corona-Krise setzt den zuletzt ohnehin schwächelnden Konzern mit seinen weltweit rund 300 000 Mitarbeitern unter Druck. Vorstandschef Ola Källenius hatte schon bei der Hauptversammlung am Mittwoch betont, dass das im vergangenen Herbst aufgelegte Sparprogramm verschärft werden müsse. Darin waren, neben einer Vielzahl weiterer Maßnahmen, Einsparungen im Personalbereich in Höhe von 1,4 Milliarden Euro vorgesehen. Aber auch die reichen nun offenbar nicht. "1,4 Milliarden waren die Basis. Jetzt wird die Zahl definitiv größer", sagte Porth. dpa

© SZ

SZ Plus
Wirecard
:Kritik am Geschäftsmodell unerwünscht

Wirecard ist ein Skandal für Wirtschaftsprüfer, Finanzaufseher und Anleger. Aber wie geht es den Beschäftigten? Tausende fürchten um ihre berufliche Existenz - und stehen damit ziemlich alleine da. Zwei Mitarbeiter erzählen.

Von Harald Freiberger und Christina Hertel

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite