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Wirecard:"Lieber Herr Dr. Braun, bleiben Sie stark!"

Mit Jackett und Brille, aber ohne Krawatte: Kai Diekmann (links) und Karl-Theodor zu Guttenberg. Illustration: Stefan Dimitrov

Wie sich der ehemalige "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und der frühere Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für die Interessen von Wirecard einspannen ließen.

Von Cerstin Gammelin, Lena Kampf, Klaus Ott, Katja Riedel und Jan Willmroth

Als das Kartenhaus Wirecard zusammenzubrechen droht, vergangenes Jahr im Mai, als Kursabschläge, erste Anlegerklagen und Rücktrittsforderungen gegen den Vorstandschef Markus Braun einander jagen, meldet sich einer der letzten Loyalen mit einer aufmunternden E-Mail. "Lieber Herr Dr. Braun, es macht fassungslos, wie Fakten und Darstellung von Fakten auseinanderfallen können. Bleiben Sie stark!", schreibt er am 14. Mai 2020. Der Absender ist einer, der sich - man kann es nicht anders sagen - mit der Deutung von Fakten gut auskennen sollte, ein ehemaliger Bild-Chefredakteur, ein professioneller Geschichtenerzähler. Kai Diekmann, 56, heute Lobbyist und Gründer der Mediaagentur Storymachine, war auf den letzten Metern des mittlerweile insolventen Dax-Konzerns noch in die Spur gesetzt worden. Der Letzte in einer ganzen Riege von Lobbyisten, Ex-Politikern und PR-Spezialisten, die über Jahre dem Finanzdienstleister aus Aschheim die Türen in höchste politische und wirtschaftliche Kreise öffneten. Und die dort die Erzählung des aufstrebenden deutschen Tech-Unternehmens hinterlegten, das angeblich immer wieder Opfer von Börsenmanipulation wurde und das es deswegen zu schützen galt.

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