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Volkswagen:US-Behörden unterwerfen VW einer strengen Kontrolle

Milliarden-Vergleich    von VW mit US-Justiz

US-Justizministerin Loretta Lynch und Gina McCarthy, die Präsidentin der US-Umweltbehörde EPA, informieren am 11.01.2017 während einer Pressekonferenz im US-Justizministerium in Washington über die Einigung auf Strafzahlungen in Höhre von 4,3 Milliarden Dollar.

(Foto: dpa)
  • VW hat eingewilligt, 4,3 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen, um weitere Ansprüche abzuwehren.
  • Außerdem haben die US-Behörden gegen sechs ehemalige VW-Manager Anklage erhoben.
  • Insgesamt muss VW in den USA wohl 22 Milliarden Dollar Strafen und Schadenersatz zahlen.
  • Künftig wird es bei VW einen "Monitor" geben: Ein unabhängiger Aufpasser, entsandt von den USA.

Von Max Hägler, Klaus Ott und Claus Hulverscheidt, Detroit/München

Mächtig stolz war die Runde, die sich da am Mittwoch unter dem Emblem des Department of Justice versammelt hatte. Der Fall Volkswagen zeige, erklärte der stellvertretende FBI-Chef Andrew McCabe: Kein Unternehmen ist zu groß, um nicht von US-Behörden verfolgt zu werden. "Niemand steht über dem Recht!"

Gemeinsam mit Justizministerin Loretta Lynch und einem halben Dutzend anderer Behördenchefs ist McCabe vor die Presse getreten, um über die neuesten Entwicklungen im Diesel-Skandal zu informieren. Das Unternehmen musste vor bald eineinhalb Jahren eingestehen, die Abgaswerte vieler seiner Autos gefälscht zu haben. Die Quittung dafür kommt jetzt: 4,3 Milliarden Dollar Strafe; VW hat dem nun auch zugestimmt, um weitere Ansprüche abzuwehren.

Auch sechs ehemalige VW-Manager sollen sich verantworten müssen

Doch nicht nur das Unternehmen wird belangt, wie die Justizministerin Lynch erklärte; die US-Behörden haben auch Anklage gegen sechs ehemalige VW-Manager erhoben, darunter das frühere Mitglied des VW-Markenvorstands, Heinz-Jakob Neußer, sowie Bernd Gottweiss, der frühere Leiter des Ausschusses für Produktsicherheit. Einer der anderen vier Manager, der frühere Chef des Umweltbüros von VW USA, Oliver S., sitzt bereits in US-Gewahrsam. Er war am vergangenen Samstag während seines Florida-Urlaubs verhaftet worden.

Auch für die anderen fünf wird das Leben nun ein wenig unangenehm. Deutschland wird diese Bürger voraussichtlich nicht an die USA ausliefern. Doch Reisen in so ziemlich jedes andere Land werden gefährlich: Italien etwa hat vor Kurzem einen deutschen Finanzbetrüger an die USA überstellt.

Und es könnte sein, dass die Liste der Verfolgten noch länger wird. "Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen", sagt Lynch auf die Frage, ob noch Manager aus der ersten Reihe zur Verantwortung gezogen werden könnten, die Riege um den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn und den einstigen Patriarchen Ferdinand Piëch.

SZ Doppel-Interview Christine Hohmann-Dennhardt und Louis Freeh

Eine Blaupause für Volkswagen: Drei Jahre lang mussten Louis Freeh, ehemals FBI-Chef, und Christine Hohmann-Dennhardt bei Daimler zusammenarbeiten. Am Ende stellten der "Monitor" und die Vorstandsfrau fest: Ihr Wirken habe den Konzern zu einem besseren gemacht.

(Foto: Achim Zweygarth)

Schon jetzt habe man hochrangige Manager und nicht einfache Angestellte im Fokus. Es sei offensichtlich geworden, dass Leute auf unterer Hierarchie vor Gesetzesverstößen warnten, diese Höhergestellten jedoch weiter machten, betonten die Ankläger in Washington. Und sie machten klar: Die US-Behörden seien weiter daran interessiert, zu erfahren, wer die Betrügerei letztlich "orchestriert" habe.

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