US-Notenbank US-Notenbank macht Schluss mit dem billigen Geld

Janet Yellen Federal Reserve Board Chair Janet Yellen listens to a question during a news conference about the Federal Reserve's monetary policy, Wednesday, Sept. 21, 2016, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)

(Foto: Alex Brandon/AP)
  • Die Fed hat den Leitzins leicht erhöht. Es ist erst die zweite Anhebung seit der Finanzkrise.
  • Die Notenbank begründet ihre Entscheidung mit der gewachsenen wirtschaftlichen Dynamik in den USA.
  • Sie reagiert damit allerdings auch auf die Ankündigungen von Donald Trump. Sein Wirtschaftsprogramm könnte die Inflation nach oben treiben.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Monatelange hatte die Führung der US-Notenbank gezaudert, nun hat sie sich bei der letzten Sitzung des Jahres doch noch dazu durchgerungen, ihren wichtigsten Leitzins zu erhöhen. Wie Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwoch mitteilte, wird der Zielkorridor für Tagesgeld um einen viertel Punkt auf 0,5 bis 0,75 Prozent angehoben. Damit könnten auch die Zinsen für Verbraucherkredite sowie auf die Guthaben von Sparern leicht steigen. Eine Stellungnahme zu den wirtschaftspolitischen Plänen des künftigen Präsidenten Donald Trump lehnte Yellen ab. Die Notenbankchefin begründete die allgemein erwartete Zinserhöhung mit der gewachsenen wirtschaftlichen Dynamik und dem Rückgang der Erwerbslosenquote auf nur noch 4,6 Prozent. Gleichzeitig seien die Konsumausgaben der privaten Haushalte moderat gestiegen. Die Inflationsrate liege zwar immer noch unter dem Ziel von zwei Prozent, das die Fed langfristig anstrebe, habe sich diesem Wert aber weiter angenähert. Insgesamt, so Yellen, sei die US-Wirtschaft "in einem guten Zustand".

Auch nach der Anhebung ist der Leitzins niedrig. Der dämpfende Effekt dürfte gering sein

Ziel einer Leitzinserhöhung ist es, das Wirtschaftswachstum zu bremsen, um einer übermäßigen Verteuerung von Gebrauchsgütern mit schädlichen Folgen für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt vorzubeugen. Da der Leitzins aber auch nach der jetzigen Anhebung im langjährigen Vergleich immer noch sehr niedrig liegt, dürfte der dämpfende Effekt zunächst einmal kaum spürbar sein. Wichtiger ist deshalb, was die Fed im nächsten Jahr vorhat.

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Bisher hatte die Notenbank für 2017 zwei und für 2018 weitere drei Zinserhöhungen angepeilt, um schrittweise ein Niveau zu erreichen, das ihr im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs auch wieder Zinssenkungen erlaubt. In ihrer jüngsten Projektion geht die Fed-Führung nun für die nächsten drei Jahre von jeweils drei Anhebungen aus. Ende 2019 würde der obere Zielsatz damit bei etwa drei Prozent liegen. Die Notenbank hatte im Dezember 2015 mit der ersten Leitzinserhöhung seit fast einem Jahrzehnt einen historischen Kurswechsel eingeleitet und die beispiellose Phase des extrem billigen Geldes beendet. Das jahrelange Stillhalten war nötig gewesen, um die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zu meistern und eine Deflation, also einen länger andauernden Rückgang der Verbraucherpreise, zu verhindern. Ursprünglich hatte die Fed die Zinswende in diesem Jahr fortsetzen und den Leitsatz um bis zu vier Mal anheben wollen. Da sie dem Aufschwung jedoch nicht recht traute, wurde die Entscheidung ein ums andere Mal verschoben.

Finanzmärkte eilen von Rekord zu Rekord

Zum Jahresende hat sich jedoch nicht nur die Konjunkturentwicklung in den USA stabilisiert, vielmehr wirft nun auch die Wirtschaftspolitik des künftigen Präsidenten Donald Trump ihre Schatten voraus. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, das Wachstum in den USA durch ein ganzes Maßnahmenbündel aus Steuersenkungen, Bürokratieabbau und neuen Handelsregeln auf vier Prozent zu verdoppeln. Sein künftige Finanzminister Steve Mnuchin nannte zuletzt immerhin noch eine Zielmarke von "drei bis vier Prozent".

Aus Sicht vieler Experten dürften solche Prognosen deutlich übertrieben sein. Auch die Fed erwartet für die nächsten Jahre eher Wachstumsraten von etwa zwei Prozent. Allerdings seien Trumps Pläne in dieser Projektion praktisch noch nicht berücksichtigt, weil keine Details bekannt seien, sagte Yellen: "Es ist viel zu früh zu sagen, wie sich etwaige wirtschaftspolitische Entscheidungen auf die Konjunktur auswirken würden."

Die Fed-Chefin ließ jedoch durchblicken, dass sie ein Konjunkturprogramm angesichts der niedrigen Arbeitslosenrate für nicht nötig hält. Wichtiger sei, die Produktivität durch mehr Bildung und Ausbildung der Bürger zu erhöhen. Yellen betonte jedoch, es liege ihr fern, "der neuen Regierung Ratschläge zu erteilen". Doch selbst wenn Konjunkturhilfen unnötig und die Wachstumserwartungen des künftigen Präsidenten übertrieben sein mögen: Setzt Trump seine Pläne um, die Steuersätze für Firmen mehr als zu halbieren und ein Programm zur Sanierung der Infrastruktur in dreistelliger Milliardenhöhe aufzulegen, hätte das kurzfristig sehr wohl Auswirkungen auf die Konjunktur- und die Arbeitsmarktentwicklung. Zu den Folgen könnten höhere Löhne der Arbeitnehmer und anschließend höhere Preise für Gebrauchsgüter gehören. Auch das Vorhaben des bisherigen Immobilienunternehmers, Zölle auf Billigimporte etwa aus China einzuführen, dürfte inflationstreibend wirken. Daher ist durchaus möglich, dass die Fed ihren geldpolitischen Kurs schon bald weiter wird straffen müssen.

Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, begrüßte den Zinsschritt der Notenbank. Es sei wichtig, dass die Geldpolitik bei einem Anstieg der Inflationsrate rechtzeitig gegensteuere, sagte er. Fuest forderte die Europäische Zentralbank (EZB) auf, dem Beispiel zu folgen und ebenfalls einen Kurswechsel vorzubereiten. "Die Nullzinspolitik stört die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte, verunsichert die Sparer und führt zu Vermögensblasen, die beim Platzen das Finanzsystem in Not bringen können", betonte er.

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