Strafzölle Trumps Handelspolitik kostet Jobs in Amerika

Die von Donald Trump verhängten Strafzölle führen zu ersten Jobverlusten in den USA.

(Foto: AFP)
  • Mit seiner umstrittenen Handelspolitik will US-Präsident Trump die heimischen Arbeiter schützen.
  • Stattdessen verlieren gerade die ersten Arbeitnehmer den Job, beispielsweise in einer Nagelfabrik, die unter den höheren Importzöllen auf Stahl leidet.
  • Allein die bisher verhängten US-Importzölle könnten laut Berechnungen eines Forschungsinstituts rund 50 000 Menschen in den USA den Arbeitsplatz kosten.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Butler County ist Trump-Land, das würden wohl nicht einmal die oppositionellen Demokraten bestreiten. Genau 13 647 Menschen stimmten bei der Wahl 2016 für den heutigen Präsidenten, das entsprach einem Anteil von fast 80 Prozent. Donald Trump gewann den Landkreis also nicht nur, er nahm ihn im Sturm. Lange Zeit änderte sich nichts an dieser Popularität, ja, mancherorts in Missouri legten seine Beliebtheitswerte sogar noch zu. Seit einigen Tagen jedoch ist zwischen den Menschen im Grenzland zu Arkansas und ihrem Präsidenten etwas zerbrochen.

Grund ist jene aggressive Handelspolitik, mit der Trump die Welt seit Monaten überzieht und die nach offizieller Lesart ja dazu dient, Firmen und Menschen wie jene in Butler County vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Stattdessen verloren in der Bezirkshauptstadt Poplar Bluff zuletzt 60 Mitarbeiter des Traditionsbetriebs Mid-Continental Nail ihre Stelle, die übrigen 440 Jobs beim größten Nagelhersteller der USA sind akut gefährdet. 500 Arbeitsplätze - das ist für ein Städtchen mit ganzen 17 000 Einwohnern eine gewaltige Zahl.

Der Grund für die Malaise lässt sich klar benennen: Seit Trump Stahl- und Aluminiumlieferungen aus Kanada, Mexiko, Europa und anderen Weltregionen mit Importzöllen von bis zu 25 Prozent belegt hat, sind die Kosten bei Mid-Continental dramatisch gestiegen. Stahl aus Mexiko, aus dem die Mitarbeiter in Missouri bislang Nägel formten, wurde über Nacht erheblich teurer - und auch viele US-Stahlhersteller nutzten die Chance, die Preise anzuheben. Die Firmenleitung von Mid-Continental versuchte ihrerseits, die höheren Kosten auf die Kunden abzuwälzen. Doch das Vorhaben misslang. Stattdessen brachen die Bestellungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 70 Prozent ein. Vertriebschef George Skarich vermutet, dass viele Kunden ihre Nägel nun in China einkaufen.

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Ähnlich ergeht es dem Familienbetrieb Laclede Chain Manufacturing im 200 Kilometer entfernten St. Louis, der Metallketten fertigt und 25 Menschen auf die Straße setzte. Zwar gibt es auch Gewinner der Trump'schen Handelspolitik wie den kleinen Stahlhersteller Byer Steel aus Ohio, der dank der Importzölle nach drei Verlustjahren in Folge wieder Gewinne schreibt. Insgesamt jedoch scheint sich zu bewahrheiten, was Kritiker stets vorhergesagt hatten: Der Schaden, den die Zölle in der US-Wirtschaft anrichten, ist größer als der Nutzen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum: Die US-Stahlhersteller, die Trump vor ausländischer Konkurrenz schützen will, beschäftigen heute noch etwa 140 000 Arbeitnehmer - stahl- und aluminiumverarbeitende Betriebe wie die Auto- und die Flugzeugbauer aber 6,5 Millionen. Erste Firmen wie der Motorradhersteller Harley-Davidson haben schon angekündigt, einen Teil der Produktion wegen der höheren Kosten ins Ausland zu verlagern.

Auch die ganz Großen der US-Industrie sind aufgewacht. Der Autobauer General Motors (GM) etwa warnt in einem Schreiben an das Wirtschaftsministerium, die von Trump angedrohten Zölle auf Pkw-Importe würden den Konzern erheblich belasten. "Dies könnte zu geringeren Investitionen, weniger Jobs und niedrigeren Löhnen für unsere Mitarbeiter führen", hieß es. Zwar fertigt GM den Großteil seiner Autos in den USA, rund 30 Prozent der Wagen, die man auf dem Heimatmarkt verkauft, werden aber ganz oder teilweise in Mexiko, Kanada oder andernorts zusammenmontiert. Selbst die Tax Foundation, ein eher konservatives wirtschaftspolitisches Forschungsinstitut in Washington, geht davon aus, dass allein die bisher verhängten US-Importzölle rund 50 000 Menschen in den USA den Arbeitsplatz kosten werden.

"Traurig" und "enttäuscht" von Trump

Trump hält solche Berichte, Warnungen und Prognosen wie immer für ungerecht und beklagt, dass kaum jemand über die Nutznießer seiner Politik spreche. Zu diesen zähle etwa der Staat, der dank der Zölle "Milliarden und Aber-Milliarden" einnehme. Tatsächlich haben allein die Stahl- und Alu-Zölle bisher rund 800 Millionen Dollar eingebracht. Dennoch sind selbst republikanische Kongressmitglieder höchst unzufrieden mit der Politik des Präsidenten: "Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass Sie amerikanische Familien belasten, amerikanische Jobs riskieren und ausländische wie heimische Märkte amerikanischer Firmen zerstören", sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses im Senat, Orrin Hatch, jüngst bei einer Anhörung von Wirtschaftsminister Wilbur Ross.

Hatchs Parteifreund Bob Corker, Senator aus Tennessee, arbeitet gar an einem Gesetzentwurf, der darauf abzielt, die Befugnisse des Präsidenten in der Handelspolitik deutlich zu beschneiden. Demnach müsste der Kongress die Einführung jeglicher Importabgaben künftig genehmigen. Die Senatoren fürchten vor allem jene Vergeltungsmaßnahmen, mit denen Länder wie Kanada auf die US-Zölle reagiert haben. Ende der Woche wird etwa China weitere Maßnahmen in Kraft setzen.

Mid-Continental-Vertriebschef Skarich weiß derweil nicht mehr, was er von dem Präsidenten halten soll, dem er einst selbst seine Stimme gab. "Es gibt viel Unsicherheit und gewaltige Angst in Poplar Bluff", sagte er der Washington Post. Er, Skarich, sei "traurig" und "enttäuscht" von Trump.

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