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Attacken in Saudi-Arabien:Preisschock am Ölmarkt

  • Nach den Attacken in Saudi-Arabien steigt der Ölpreis zunächst deutlich an. Später beruhigen sich die Märkte ein wenig.
  • Deutschland ist nicht abhängig vom saudischen Öl, dennoch bekommen auch hierzulande die Verbraucher den Schock am Markt am Montag zu spüren, sofern sie tanken oder Heizöl ordern.
  • Auch die unklare politische Lage am Golf hat Einfluss auf den Preis.

Alle Augen waren an den globalen Finanzmärkten um 23.55 Uhr deutscher Zeit auf einen Preis gerichtet, der in der Sprache der Händler das merkwürdige Kürzel Lcoc1 trägt. Er bewegt Preise, schmiert die globale Wirtschaft und treibt Verbraucher zur Verzweiflung. Lcoc1, dieses unauffällige Kürzel gehört zum weltweiten Ölpreis.

Als der frühe Ölhandel in Singapur am Montag um null Uhr deutscher Zeit beginnt, da macht der Preis für ein Ölfass der Nordseesorte Brent einen Satz nach oben. Binnen Sekunden schießt die Notierung zeitweise um 19 Prozent in die Höhe, auf 71,95 Dollar für ein Fass. Zum Vergleich: Als die Händler am Freitagabend ihre Büros verlassen hatten, da hatte die gleiche Menge noch etwa 60 Dollar gekostet. Doch die Attacken auf zwei Raffinerieanlagen in Saudi-Arabien am Samstag haben den Ölmarkt durchgerüttelt und sein fragiles Gleichgewicht ins Wanken gebracht.

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Die Märkte reagieren heftig auf die Angriffe auf eine saudische Ölraffinerie. US-Präsident Trump kündigt die Freigabe von Reserven an - und twittert von Gegenschlägen.

Für die Händler ist die Markteröffnung um Mitternacht ein Schock. Die Preiskurve, sie zeichnete wie ein Seismograf die Nervosität am Markt nach. Dass der Ölpreis auf einen Schlag mehr als zwölf Dollar zulegt? Dem Datendienstleister Bloomberg zufolge ist das der größte Preissprung seit 1988. Große Ausschläge über sechs oder sieben Prozent hinaus sind am Ölmarkt nicht an der Tagesordnung. "Das ist der größte Angebotsschock in der Geschichte", schreibt Rohstoffexperte Bob Ryan von BCA Research. Schon fürchten Ökonomen um die Weltwirtschaft und Verbraucher um ihre Tankladung. Sind diese Sorgen berechtigt?

Saudi-Arabien ist der wichtigste Ölexporteur auf dem Globus, zwölf Prozent des globalen Ölangebots kommen von dort. 9,8 Millionen Barrel des Rohstoffs produziert das Königreich jeden Tag. Man muss nach den Angriffen sagen: produzierte. Denn nach Einschätzung von Experten dürften die Drohnenangriffe auf die zwei größten Ölanlagen des Königreichs den Output der Saudis um etwa 5,8 Millionen Barrel pro Tag gesenkt haben. Schließlich handelte es sich bei den Zielen der Angriffe um die größte Ölverarbeitungsanlage des Landes, Abqaiq, und das zweitgrößte Ölfeld in Khurais. "Abqaiq ist das Herz des Systems, und es hatte gerade eine Herzattacke", sagt Ölexperte Roger Diwan von IHS Markit.

Engpass-Gefahr in Deutschland besteht nicht, trotzdem könnte Benzin teurer werden

Verbraucher haben den Ölpreisschock am Montagmorgen an der Zapfsäule nur bedingt zu spüren bekommen. Im Großraum München beispielsweise sind die Preise für einen Liter E10 über Nacht im Schnitt um fünf Cent gestiegen: von 1,42 Euro gestern Abend auf 1,47 Euro heute früh. Auf den ersten Blick mag das nach einer massiven Steigerung aussehen. Dass die Preise morgens steigen, ist jedoch normal. Die Tankstellen sehen es so auf die vielen Pendler ab. Unter dem Strich stehen die Benzinpreise heute Morgen allerdings nicht höher als gestern Morgen zur gleichen Zeit. Erfahrungsgemäß nutzen die großen Tankstellen-Ketten Schocknachrichten am Ölmarkt allerdings mitunter, um den Preis gewaltig hochzusetzen. Ob das im Tagesverlauf noch passiert, ist derzeit unklar.

Heizöl wurde spürbar teurer: Der Durchschnittspreis für 100 Liter stieg von gut 64,30 Euro am Freitag auf rund 68,62 Euro am Montag - ein Plus von 6,8 Prozent. Die Preise unterscheiden sich allerdings je nach Region deutlich. Im Großraum München müssen nun für 100 Liter rund 71,80 Euro bezahlt werden, in Hamburg sind es 68,70.

Dennoch dürfte Öl in Deutschland nicht knapp werden. 2018 bezog die Bundesrepublik schließlich nur ein Prozent ihres Öls aus Saudi-Arabien. "Eine Engpass-Gefahr beim Öl besteht also nicht", sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands der Deutschen Presseagentur.

Nicht nur Verbraucher, auch Ökonomen sorgen sich wegen des Preisschocks beim Öl. Manche fürchten, dass ein dauerhaft höherer Preis die ohnehin fragile weltwirtschaftliche Lage noch weiter eintrüben und viele Länder endgültig in eine Rezession treiben könnte. Öl gilt als Schmierstoff der Wirtschaft, ist Grundstoff vieler Produkte. Sie alle könnten teurer werden, falls der Ölpreis auf Dauer hoch bleibt.

Auch Konsumenten könnten bei steigenden Preisen ihr Geld stärker beisammenhalten. Das würde die Weltkonjunktur besonders hart treffen. Viele Unternehmen halten sich in der aktuellen Lage schon jetzt mit Ausgaben und Investitionen zurück. Im Gegensatz dazu hatten die Konsumenten in den vergangenen Monaten immer noch gut Geld ausgegeben und damit die Konjunktur gestützt. Dieser Effekt könnte nun einbrechen und die Weltwirtschaft bedrohen. Allerdings nur, wenn der Ölpreis über Wochen auf dem aktuellen Niveau bliebe. Die Betonung auf: wenn.