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Saudi-Arabien:Drohnen greifen zwei wichtige Ölanlagen an

Smoke is seen following a fire at an Aramco factory in Abqaiq

Das Foto soll eine brennende Ölförderanlage in der saudi-arabischen Stadt Abqaiq im Osten des Landes zeigen.

(Foto: VIDEOS OBTAINED BY REUTERS)
  • Auf zwei Erdölanlagen des staatlichen Konzerns Saudi Aramco in Saudi Arabien sind Brandanschläge ausgeübt worden.
  • Die jemenitischen Huthi-Rebellen reklamierten die Angriffe für sich.
  • Ein Stillstand der Anlagen von mehr als ein paar Tagen könnte die weltweite Ölversorgung stören.
  • Die US-Regierung macht den Iran für die Angriffe verantwortlich.

Auf eine große Ölverarbeitungsanlage und ein großes Ölfeld in Saudi-Arabien sind Drohnenangriffe verübt worden. Die jemenitischen Huthi-Rebellen reklamierten die Angriffe von Samstagfrüh für sich. Das saudische Innenministerium teilte der staatlichen Agentur SPA zufolge mit, nach den Drohnenangriffen sei auf der Anlage Abkaik ein Brand ausgebrochen. Der Betreiber Saudi Aramco beschreibt Abkaik, rund 330 Kilometer nordöstlich der saudischen Hauptstadt Riad, als weltgrößte Anlage für die Stabilisierung von Rohöl.

Jahia Sarie, ein militärischer Sprecher der Huthis, sagte in einem vom Rebellen-Sender Masirah übertragenen Stellungnahme, die Huthis hätten für den Angriff auf die Anlage und das Churais-Ölfeld zehn Drohnen eingesetzt. "Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation größer und schmerzhafter sein wird", sagte Sarie. Über mögliche Verletzte wegen des Angriffs wurde zunächst nichts bekannt. Auch die Auswirkungen auf die saudische Ölproduktion waren zunächst nicht klar. Von Reuters und Wall Street Journal zitierte Quellen sagen, die Angriffe hätten die Produktion um fünf Millionen Barrel pro Tag verringert - also um fast die Hälfte der Produktion des Königreichs. In Churais befindet sich eines der größten Ölfelder Saudi-Arabiens. Die Brände in beiden Einrichtungen seien inzwischen unter Kontrolle, berichtet die BBC mit Verweis auf saudische Medien.

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"Dieser Angriff hebt den Stellvertreterkrieg in der Region auf ein neues Niveau", sagte Farea Al-Muslimi, Mitbegründer des Sanaa Center for Strategic Studies , einer Forschungsgruppe mit Fokus auf den Jemen, der New York Times. Zu den Drohnen der Houthis sagte Al-Muslimi: "Ihre Fähigkeit, Schmerzen zu verursachen, ist sehr hoch und kostet sehr wenig."

Es war zunächst unklar, wie stark die Anlagen beschädigt wurden. Ein Stillstand von mehr als ein paar Tagen könnte allerdings die weltweite Ölversorgung stören. In den beiden Zentren können der New York Times zufolge täglich 8,45 Millionen Barrel Rohöl verarbeitet werden, was den größten Teil der Öl-Produktion in Saudi-Arabien ausmacht, wo fast ein Zehntel des weltweiten Rohöls gefördert wird.

Im Internet wurden Videos veröffentlicht, die offenbar in der Nähe der angegriffenen Ölverarbeitungsanlage aufgenommen wurden. Im Hintergrund waren Schüsse zu hören. Rauch stieg in den Himmel auf und bei der Anlage waren Flammen zu sehen. Auf Satellitenbildern von NASA und ESA waren mehrere Rauchfahnen zu sehen, die sich bis zu 150 Kilometer über Saudi-Arabien ausbreiteten.

Ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis kämpft im Jemen gegen die Huthi-Rebellen, die wiederum vom Iran unterstützt werden und große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle halten. Die Huthi-Rebellen haben schon wiederholt Ziele in Saudi-Arabien mit Drohnen angegriffen, vor allem Stützpunkte des Militärs und industrielle Anlagen.

Die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman habe US-Präsident Donald Trump in einem Telefongespräch mitgeteilt, dass das Königreich "bereit und in der Lage sei, sich dieser terroristischen Aggression zu stellen und mit ihr umzugehen".

US-Außenminister Mike Pompeo schrieb am Samstag auf Twitter: "Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen." Am Sonntagabend europäischer Zeit veröffentlichte die US-Regierung Satellitenfotos, die mindestens 19 Einschlagspunkte auf den Ölanlagen zeigen sollen. Diese Einschlagspunkte, heißt es aus Regierungskreisen passten zu einem Angriff aus der Richtung, in der sich der Iran befinde, nicht der Jemen, hieß es.

Pompeo forderte alle Nationen dazu auf, die iranischen Angriffe "öffentlich und eindeutig" zu verurteilen. Die USA würden sicherstellen, dass der Iran für seine Aggression zur Rechenschaft gezogen werde. Das Weiße Haus teilte mit, Trump habe bin Salman in dem Telefonat "seine Unterstützung für Saudi-Arabiens Selbstverteidigung" angeboten. Die US-Regierung werde weiter darauf hinwirken, dass die globalen Ölmärkte ausreichend beliefert würden und stabil blieben.

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