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Drohnenangriff in Saudi-Arabien:Attacke auf die Schlüsselbranche

Ölpreis

Die Saudis liefern ein Zehntel des weltweit geförderten Öls: Raffinerie in der Nähe von Dhahran.

(Foto: dpa)

Die Anschläge auf die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens werden die Ölpreise steigen lassen. Die Frage ist nur, wie stark und für wie lange.

Ölmarkt-Analyst Roger Diwan wählt dramatische Worte: "Abqaiq ist das Herz des Systems, und es hatte gerade eine Herzattacke", sagt der Fachmann der Beratungsfirma IHS Markit. Tatsächlich ist der angegriffene Raffineriekomplex ausgesprochen wichtig für die saudi-arabische Ölbranche - und damit für die globale Versorgung. Die Saudis liefern ein Zehntel des weltweit geförderten Öls, und Abqaiq wiederum verarbeitet zwei Drittel der Produktion des Landes. Die Drohnenanschläge auf die Anlagen sowie auf das zweitgrößte Ölfeld des Landes, Khurais, verringerten die tägliche Förderung des Staatskonzerns Saudi Aramco um 5,7 Millionen Barrel, sagt der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman. Ein Barrel, also ein Fass, entspricht 159 Litern.

Im August lieferte das Unternehmen 9,8 Millionen Barrel pro Tag - die Angriffe kosten die Saudis also mehr als die Hälfte ihrer Produktion. Es gibt immer wieder Attacken auf die Schlüsselbranche, aber dies sind die schlimmsten seit 1991, als der frühere irakische Diktator Saddam Hussein im zweiten Golfkrieg Ölfelder mit Raketen beschoss.

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Die jemenitischen Huthi-Rebellen reklamierten die Attacke für sich, die US-Regierung macht den Iran verantwortlich. Es wäre aber nicht der erste Drohnen-Angriff der Huthi. Dieser könnte nun die weltweite Ölversorgung treffen.

Beobachter erwarten deshalb, dass die Anschläge die Ölpreise steigen lassen. Die Frage ist bloß, wie sehr und für wie lange. Verteuert sich der Energieträger auf längere Sicht, würde das die ohnehin fragile Weltwirtschaft belasten. "Die Weltwirtschaft kann sich höhere Ölpreise in Zeiten des Abschwungs nur schwer leisten", sagte Analyst Ole Hasen von der Saxo Bank der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Außerdem werfen die Attacken einen Schatten auf den geplanten Börsengang von Saudi Aramco. Das Königreich will Anteile an dem Konzern verkaufen, dessen kompletter Name Saudi Arabian Oil Company lautet. Der Schritt aufs Parkett könnte bereits im November erfolgen, heißt es. Mit einem Wert von geschätzt 1,5 Billionen Dollar wäre es der größte Börsengang der Geschichte. Die Angriffe erinnern Anleger jetzt daran, dass das Unternehmen den Rohstoff in einer krisenanfälligen Region fördert. Gelingt es dem Konzern aber, die Folgen der Anschläge gut abzufedern, könnten die Attacken sogar das Vertrauen der Investoren in die Firma und ihre Führung stärken.

Vorstandschef Amin Nasser sagt, es werde daran gearbeitet, die Produktion wieder hochzufahren. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Insider mit den Worten, dies werde eher Wochen als Tage dauern. Bis dahin wird Öl aus den riesigen Lagern des Konzerns den Ausfall abfedern. Die Tanks befinden sich nicht nur in der Heimat, sondern auch im niederländischen Ölhafen Rotterdam, im japanischen Okinawa und an Ägyptens Mittelmeerküste. Die Reserven reichen für mehrere Wochen.

Käme es zu einem Krieg am Golf, würde der Ölpreis rasant steigen

Trotzdem verspricht der amerikanische Energieminister Rick Perry vorsorglich, seine Regierung werde die staatlichen Ölreserven anzapfen, falls Engpässe drohten. Zudem würden Ministeriumsmitarbeiter mit der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris über weitere Hilfsmaßnahmen sprechen. Die Organisation erklärt, die Ölmärkte weltweit seien gut versorgt und die Lagerbestände reichten aus. In der Tat gibt es im Moment eher zu viel als zu wenig Öl auf den Weltmärkten; seit dem Frühjahr fallen die Preise. Das Förderkartell Opec, dessen wichtigstes Mitglied Saudi-Arabien ist, hat Produktionskürzungen vereinbart, um die Notierung zu stützen.

Wegen der Anschläge könnten die Preise jetzt ohnehin zulegen. Für die Reaktion an den Märkten dürfte gar nicht so entscheidend sein, wie schnell Abqaiq repariert ist. Bedeutender ist das Risiko, dass sich der Konflikt im Golf weiter zuspitzt. So beschuldigt US-Außenminister Michael Pompeo Iran, hinter den Anschlägen zu stecken. Iran hat zuletzt Öltanker in der Straße von Hormus festgesetzt. Diese Meerenge im Golf ist das Nadelöhr des weltweiten Ölhandels. 90 Prozent der Exporte der Golfstaaten werden durch sie transportiert. Würde Iran seine Störmanöver hier ausweiten - oder käme es sogar zu einem Krieg am Golf -, würde der Ölpreis rasant steigen, zum Schaden der Weltwirtschaft.

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