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Rente:Bundesbank drängt zur Rente mit fast 70 Jahren

Ein älterer Mitarbeiter in der Metallindustrie - die Rentenversorgung in Deutschland braucht dringend Reformen.

Die Bundesbank schlägt vor, das offizielle Ruhestandsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln.

(Foto: imago stock&people)
  • Die Bundesbank drängt die Regierung zu weitreichenden Korrekturen in der Rentenpolitik.
  • Konkret schlägt die Bundesbank vor, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln.
  • Das hätte zur Folge, dass Arbeitnehmer von 2032 an schrittweise später in den Ruhestand gingen.

Die Deutsche Bundesbank spricht sich für eine deutliche Anhebung des Rentenalters in Deutschland auf fast 70 Jahre aus. Die Währungshüter ermahnen die Bundesregierung in ihrem jüngsten Monatsbericht zu weitreichenden Korrekturen. Andernfalls gerate "die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung unter erheblichen Druck". Wichtigster Grund sei die demografische Entwicklung: Bereits Mitte der 2020er Jahre gingen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente, zudem würden die Bundesbürger immer älter.

Konkret schlägt die Bundesbank vor, das offizielle Ruhestandsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Das hätte zur Folge, dass das gesetzliche Rentenalter von 2032 an um durchschnittlich einen dreiviertel Monat pro Jahr stiege. "Der Geburtsjahrgang 2001 ginge dann ab Mai 2070 mit 69 Jahren und vier Monaten in Rente", schreiben die Währungshüter. Falls sich die Lebenserwartung bis dahin anders entwickele als derzeit angenommen, könne dies korrigierend berücksichtigt werden. Nach heutiger Rechtslage ist vorgesehen, dass das Rentenalter bis 2031 auf 67 Jahre steigt. Zurzeit liegt die "fernere Lebenserwartung", also die Zahl der durchschnittlich verbleibenden Lebensjahre, für Neurentner bei 19,5 Jahren im Durchschnitt von Männer und Frauen. Bis 2070 sei damit zu rechnen, dass sie um weitere 4,5 Jahre steigt - und damit auch die allgemeine Rentenbezugsdauer.

Grundlegende Korrekturen soll eine Rentenkommission vorstellen

Die Ermahnungen der Bundesbank treffen die große Koalition in Berlin in einer heiklen Phase. Bis Anfang November wollen Union und SPD Bilanz ziehen, ob es eine Fortsetzung des Regierungsbündnisses geben wird. Ein zentraler Streitpunkt ist dabei die Grundrente, durch die Altersbezüge von Geringverdienern mit langen Versicherungszeiten aufgestockt werden sollen. Auch im Koalitionsausschuss gab es dazu am Sonntag noch keine Einigung. Bisher hat die Koalition mit Blick auf die gesetzliche Rentenversicherung lediglich eine "doppelte Haltelinie" bis 2025 beschlossen. Demnach darf der Beitragssatz bis dahin nicht über 20 Prozent steigen und das Versorgungsniveau nicht unter 48 Prozent sinken. Grundlegende Korrekturen soll erst eine von der Regierung eingesetzte Reformkommission Anfang 2020 vorstellen.

Wie die Bundesbank weiter schreibt, würde die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung allerdings allein nicht reichen. Gleichzeitig müsste das Versorgungsniveau der Ruheständler von derzeit 48 auf langfristig 44 Prozent gesenkt werden. Zugleich empfiehlt die Zentralbank eine deutliche Anhebung des Beitragssatzes von derzeit 18,6 auf "eine Größenordnung von 24 Prozent". Mahnend beschreiben die Währungshüter, was passiert, wenn die Politik nicht korrigierend eingreift. Würde das Versorgungsniveau der Rentner beim derzeitigen Niveau von 48 Prozent eingefroren, käme es bis 2070 zu einem drastischen Anstieg des Beitragssatzes auf eine Größenordnung von 31 Prozent, zugleich müsste der Anteil der Bundesmittel für die Rentenversicherung in etwa verdreifacht werden.

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