RAG-Stiftung:Die Feuerwehr von der Ruhr

RAG-Stiftung - Jahres-Pressekonferenz

Der Sitz der RAG-Stiftung in Essen auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Die Stiftung ist für die Finanzierung der Folgekosten zuständig.

(Foto: dpa)

Die milliardenschwere RAG-Stiftung trägt die Folgekosten des Kohlebergbaus in Deutschland. Neuerdings mischt sie auch mit, wenn Konzerne wie Thyssenkrupp Teile verkaufen müssen. Doch nicht jeder Rettungseinsatz gelingt.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Diese Karriere ist einmalig: Bernd Tönjes malochte einst als Kumpel unter Tage. Mittlerweile führt der Ingenieur die milliardenschwere RAG-Stiftung, welche die Folgekosten jenes Bergbaus trägt. Nun wird Tönjes zu einer Art Feuerwehrmann im Westen: Egal ob Thyssenkrupp die Aufzugssparte verkaufte, der Elektroautobauer E.Go Geld brauchte oder Ruhrgebietsstädte den Stromerzeuger Steag loswerden wollen - immer mischt die Stiftung mit. Und das insgesamt erfolgreich: "Wir mehren unser Vermögen", kommentiert Tönjes die Bilanz des Corona-Jahres 2020. Wenngleich nicht jeder Rettungseinsatz erfolgreich war.

Die Stiftung entstand 2007, als Deutschland beschloss, bis 2018 aus dem Steinkohlebergbau auszusteigen. Zu teuer war es dem Staat geworden, die Zechen an Ruhr und Saar im weltweiten Wettbewerb zu päppeln. Also spaltete die Ruhrkohle AG zukunftsträchtige Geschäfte um Chemie und Immobilien ab; daraus sind die Konzerne Evonik und Vivawest entstanden. Deren Dividenden nutzt die Stiftung als Mehrheitseigentümerin nun, um die Ewigkeitslasten des Bergbaus zu tragen: etwa, Wasser aus alten Gruben zu pumpen. "Der Steuerzahler wird mit den Kosten des Nachbergbaus nicht belastet", verspricht Tönjes.

2020 betrug das Stiftungsvermögen nun erstmals mehr als 20 Milliarden Euro. Die Anlagen in Firmen und Immobilien brachten genug Rendite, dass die Stiftung die Ewigkeitskosten von knapp 291 Millionen Euro bezahlen konnte. Obendrein konnte sie Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturprojekte an Ruhr und Saar fördern.

Auf die Beteiligung am Elektroautobauer E.Go musste die Stiftung Millionen abschreiben

Allerdings versucht die Stiftung, unabhängiger von ihrer größten Beteiligung Evonik zu werden. Beispielsweise ist sie kleiner Teil eines Konsortiums um die Finanzinvestoren Advent und Cinven, das 2020 das Aufzugsgeschäft von Thyssenkrupp (TK) übernommen hat. Der Essener Konzern hat die Sparte verkauft, um nach verlustreichen Jahren eine Überschuldung abzuwenden. Dank der RAG-Stiftung kann wenigstens noch ein kleiner Teil der Gewinne von TK Elevator im Ruhrgebiet verbleiben.

Zudem bereitet die Stiftung nun vor, als Treuhänderin am geplanten Verkauf des Kohlekraftwerksbetreibers Steag mitzuwirken, der sechs Stadtwerke aus dem Pott gehört. Mit dem laufenden Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland ist Steag in Probleme geraten. Die Stiftung will nun helfen, den Konzern auf eine klimafreundliche Zukunft auszurichten.

Doch nicht jeder politisch erwünschter Plan geht wirtschaftlich auf. Das lernte die Stiftung jüngst am Beispiel E.Go. Die Organisation war 2019 mit einem kleinen Minderheitsanteil bei dem Elektroauto-Start-up eingestiegen, das der Aachener Professor Günther Schuh gegründet hatte. Doch 2020 meldete E.Go Insolvenz an, auch infolge der Corona-Krise, die Stiftung musste Millionen abschreiben. Mittlerweile gehört E.Go mehrheitlich der Beteiligungsgesellschaft ND Group. "Das Kapitel E.Go haben wir im letzten Jahr abgeschlossen", konstatiert Jürgen Rupp, Finanzchef der RAG-Stiftung. Man habe daran gelernt, so Rupp: über die Arbeit mit Start-ups, die "große Ideen" hätten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB