Porsche:Mit Schwung in den Dax

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Porsche: Das klassische Porsche-Logo, das auf jedem Sportwagen der Firma zu finden ist.

Das klassische Porsche-Logo, das auf jedem Sportwagen der Firma zu finden ist.

(Foto: Athit Perawongmetha/Reuters)

Porsche ist erst seit Ende September an der Börse - und schon eines der wertvollsten deutschen Aktienunternehmen. Und der Dax selbst? Wird immer autolastiger.

Von Caspar Busse

"Das ist ein historischer Moment für Porsche", stellte Oliver Blume Ende September fest, als es der Sportwagenbauer aus Stuttgart-Zuffenhausen an die Börse geschafft hatte. Die Vorzeichen waren denkbar schlecht damals für einen der größten Börsengänge in Europa: Krieg in Europa, miese Stimmung an den Aktienmärkten, Zurückhaltung der Investoren, Zweifel an der wahren Unabhängigkeit Porsches von VW. Und doch wurde die Aktienplatzierung dann zu einem Erfolg, der jetzt - unerwartet schnell - in die Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (Dax) mündet.

Am späten Montagabend teilte die Deutsche Börse mit, dass die Porsche AG in die oberste Börsenliga, den Dax-40, aufsteigt - und dort den Sportartikelkonzern Puma aus Herzogenaurach ersetzen wird. Die Änderung wird zum 19.12. in Kraft treten. "Wir freuen uns sehr über den schnellen, direkten Einstieg in den Dax", teilte Lutz Meschke, Finanzvorstand von Porsche, mit. Seine Erklärung: Das Unternehmen überzeuge eben mit seiner "Definition des modernen Luxus".

Künftig wird es den doppelten Blume geben

Historisch und neu ist die schnelle Beförderung des Sportwagenbauers auch in ganz anderer Hinsicht. Denn wohl zum ersten Mal wird nun ein Mann gleich zwei große Dax-Konzerne in Personalunion führen. Oliver Blume ist Vorstandsvorsitzender von Porsche und von Volkswagen - der doppelte Blume als Doppel-Konzernchef in Teilzeit. Erst im Herbst hatte er überraschend Herbert Diess an der Volkswagenspitze abgelöst, seinen Job als Porsche-Chef gab er jedoch nicht ab. Er hält viel mehr eisern daran fest - trotz der Kritik von Investoren, die Interessenskonflikte befürchten und glauben, Blume habe nicht genug Zeit für zwei derartig anspruchsvolle Chefposten in der Autobranche, die sich gerade in einem grundlegenden Umbruch befindet. VW ist auch nach dem Börsengang Großaktionär von Porsche, Blume sozusagen sein eigener Chef.

Porsche: Haben Erfolg an der Börse: Porsche-Chef Oliver Blume (links) und Finanzvorstand Lutz Meschke.

Haben Erfolg an der Börse: Porsche-Chef Oliver Blume (links) und Finanzvorstand Lutz Meschke.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Für 82,50 Euro kamen die Porsche-Aktien vor knapp zehn Wochen an die Börse. Heute liegt das Papier mit dem Börsenkürzel "P911" - in Anlehnung an den legendären Sportwagen 911 mit seinem röhrenden Boxermotor, den es bislang nur als Benzinversion gibt und nicht mit E-Motor - nahe der Marke von 107 Euro. Das ist ein Plus von fast 30 Prozent. Damit ist Porsche als Ganzes an der Böse schon mehr wert als der Mutterkonzern VW. Dabei stellen die Stuttgarter rund 300 000 Fahrzeuge im Jahr her, ein Bruchteil dessen, was VW, einer der größten Autohersteller der Welt, produziert. Die Gewinnmargen von Porsche sind aber deutlich höher als die von VW. Und die Anleger gehen davon aus, dass Luxus immer läuft, auch in der Krise. Porsche ist eben ein Mythos.

Porsche wird zu Linde, SAP und Siemens aufschließen

Mehr noch: Porsche mit einem Gesamtwert von knapp 100 Milliarden Euro wird künftig, nach Börsenkapitalisierung gerechnet, sogar Nummer vier im Dax sein. Nummer eins ist derzeit Linde mit einem Börsenwert von 157 Milliarden Euro, es folgen SAP (129 Milliarden Euro) und Siemens (115 Milliarden Euro). Der VW-Konzern als Ganzes wird mit 84 Milliarden Euro bewertet. Linde hatte zuletzt bereits seinen Abschied aus dem Dax angekündigt und will künftig nur noch in den USA notiert sein - das wurde unter anderem als schlechtes Signal für die Attraktivität des deutschen Aktienmarktes gewertet.

Dabei haben die Aktionäre bei Porsche ohnehin nicht viel zu sagen: Notiert sind lediglich 25 Prozent der stimmrechtslosen Porsche-Vorzugsaktien. Die Stammaktien und damit die Macht bei Porsche sind in der Hand von VW und der Familienholding Porsche SE (nicht zu verwechseln mit dem Sportwagenbauer Porsche). Deren stimmberechtigten Stammaktien gehören wiederum komplett den Familien Porsche und Piëch.

Ohnehin sind im Dax damit künftig drei Aktien aus dem weit verzweigten Porsche-Piëch-Reich vertreten: Porsche SE, VW und jetzt auch Porsche selbst. Drei Dax-Aktien aus einem Konzern, das gelingt sonst nur noch Siemens. Neben dem Mutterkonzern Siemens ist noch die Medizintechnik-Tochterfirma Siemens Healthineers notiert. Und auch Siemens Energy ist vertreten, an dem Konzern hält Siemens noch etwa ein Drittel der Papiere und will mittelfristig aussteigen.

Das Problem für Anleger, die ihr Geld breit anlegen möchten: Mit Porsche wird der Dax-40 noch abhängiger von Autowerten, die Automobillastigkeit steigt und aus dem Dax wird nun erst recht eine Art "Auto-Dax". Neben VW, Porsche SE und Porsche sind auch BMW, Mercedes-Benz, Daimler-Truck sowie der Autozulieferer Continental vertreten. Geht es der Autoindustrie schlecht, würde dies das Börsenbarometer also sehr treffen.

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