Lebensmittelforschung Eine Frau sucht den guten Geschmack

"Schon als Kind wollte ich Forscherin oder Lehrerin werden", sagt Irene Taussig-Wulff, die in Kolumbien geboren wurde.

(Foto: oh)

Irene Taussig-Wulff entwickelt Fertiggerichte für Nestlé. Um herauszufinden, was Kunden wollen, schaut sie in Kochtöpfe auf der ganzen Welt.

Von Silvia Liebrich

Irene Taussig-Wulff erfindet Gerichte. Nicht für ein hippes Magazin oder Restaurant, sondern für Nestlé, den größten Lebensmittelkonzern der Welt - also quasi kochen im ganz großen Stil. Was sich die schlanke Frau mit den langen dunklen Haaren für Marken wie Maggi, Buitoni oder Garden Gourmet ausdenkt, soll später millionenfach im Ladenregal stehen. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Nur die wenigsten Ideen schaffen es zum Konsumenten.

Das Gericht, das an diesem kalten Wintertag auf dem Plan steht, hat es da schon ziemlich weit gebracht. Die tief stehende Sonne taucht die Versuchsküche in ein warmes Licht. Untergebracht ist sie am Nestlé-Standort in Singen am Bodensee, in einem modernen Neubau mit hohen Glasfronten. Mehrere Kochstellen stehen im Karree. Helfer rücken Messer und Schneidebretter zurecht. Fleisch, Gemüse, Tomatenmark, Sahne, Kokosmilch und andere Zutaten stehen bereit. "Hier wird ein Produkt getestet, bei dem die Konsumenten frei entscheiden können, welche frische Zutaten sie zum Fleisch verwenden", erklärt Taussig-Wulff. Mehr verrät sie nicht. In den nächsten Stunden sollen Verbraucher selbst zum Kochlöffel greifen. Eine Agentur hat sie eigens dafür ausgewählt.

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"Schon als Kind wollte ich Forscherin oder Lehrerin werden", sagt die 49-Jährige mit österreichischen Wurzeln, die in Bogotá, Kolumbien, geboren wurde. Sie ist eine fröhliche Frau, die weiß, wie man auf Menschen zugeht. Sie hat dann Lebensmitteltechnologie an der Uni in Wien studiert. Ihr erstes Produkt, einen vegetarischen Burger, entwickelte sie noch während des Studiums für eine bekannte Burgerkette. Der sei lecker gewesen, aber nie auf den Markt gekommen, meint sie und lacht.

30 Forschungszentren betreibt Nestlé weltweit, das Labor in Singen zählt den Angaben zufolge zu den führenden bei Fertiggerichten. Taussig-Wulff leitet dort seit 2015 ein Team mit 14 Mitarbeitern. "Wir entwickeln Konzepte für Produkte, aber nicht für einen speziellen Geschmack", stellt sie klar. Was in Deutschland gern "gegessen werde, treffe nicht unbedingt den Geschmack in Nigeria. Für den afrikanischen Markt entwickelte sie unter anderem einen Maggi-Brühwürfel, der dort gut verkauft wird, aber hierzulande wohl kaum Abnehmer fände.

Erste Ideen bespricht Taussig-Wulff mit den Köchen im Entwicklungszentrum. "Wir probieren aus, diskutieren, ob das realistisch ist oder nicht." Nur wenn das Projekt vielversprechend ist, geht es weiter. "Unsere Köche probieren dann verschiedene Varianten einer Rezeptur aus", sagt sie. Das Ergebnis wird dann mit Verbrauchern getestet. Mindestens 60 Prozent der Befragten müssen nach ihren Worten eine neue Rezeptur bestätigen, damit sie überhaupt in die engere Wahl kommt.