Rohstoffgeschäfte der Deutschen Bank:"Das bedeutet zunehmende Not"

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An dem einen Tag ist zu hören, dass Biosprit die Preise treibt, am nächsten Tag sind es die Spekulanten, dann wieder ist die Nahrungsmittelknappheit insgesamt schuld.... und plötzlich heißt es, dass die Hälfte aller Lebensmittel weggeworfen wird. Überschätzt man da nicht die Macht der Spekulanten?

Die Zusammenhänge sind in der Tat kompliziert. Es gibt verschiedene Ursachen für Preissteigerungen. Und dazu gehört auch das Verhalten der Finanzmärkte.

Inwieweit wird die Arbeit der Welthungerhilfe von den Preisschwankungen bei Lebensmitteln berührt?

Unsere Organisation ist vor allem dann betroffen, wenn wir in der Nothilfe Lebensmittel kaufen müssen. Aber auch darüber hinaus. Wir sind in der Landwirtschaft aktiv, das heißt, wir unterstützen Menschen, Nahrungsmittel zu produzieren. Selbst in der Nothilfe versuchen wir, Lebensmittel möglichst nah bei der betroffenen Region zu kaufen. Ansonsten könnten die Importe örtlich zu einem Preisverfall führen.

Die Preisschwankungen treffen dann aber die Menschen, für die Sie arbeiten?

Wir arbeiten nur in Gebieten, die stark von Armut geprägt sind. Viele Bauern müssen zu dem Selbstproduzierten zukaufen. Wenn diese Bauern 70 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel benötigen, ist eine Preiserhöhung um zehn Prozent ein großes Problem. Das kann man zum Beispiel daran sehen, dass kein Geld mehr für die Medikamente der Kinder da ist. Aber auch hierzulande ist eine zehnprozentige Preiserhöhung für Menschen mit geringen Einkommen ein Problem. Darum gibt es in Deutschland so viele Tafeln.

Kommt es am Ende nicht auch dem Nahrungsmittelsektor zu Gute, wenn Investoren dort so viel Geld anlegen?

Private Investitionen können die Situation der Menschen verbessern. Aber wenn nur Land für wenig Geld gekauft oder einfach weggenommen wird, ohne dass sich die Einkommenssituation der Menschen in der jeweiligen Gegend verbessert, wenn nur für den Export produziert wird und die Gewinne nicht bei denen bleiben, die ursprünglich das Land bewirtschaftet haben, dann bedeutet das für die Menschen zunehmende Not. Darum wollen wir, dass die bestehenden freiwilligen Richtlinien, wie die der Welternährungsorganisation FAO, in Gesetze gegossen werden. Bei Beachtung dieser Regeln können private Investitionen sehr sinnvoll sein. Hierzulande erwartet ja auch jeder, dass die Rechte der vom Kauf Betroffenen gewahrt werden. Das muss genauso in Entwicklungsländern gelten.

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