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Wohnen:Millionen droht die Miet-Falle im Alter

Brennende Töpfe und erschöpfte Verwandte: Wann Heim-Pflege nötig wird

Immer mehr Senioren müssen womöglich umziehen, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können.

(Foto: dpa-tmn)
  • Für Millionen Menschen könnten die hohen Mietpreise im Alter ein großes Problem geben, zeigt eine neue Studie.
  • Ältere Menschen wohnen zwar häufig in großen Wohnungen. Doch kleinere Wohnungen für eine geringere Miete sind in den Städten kaum zu finden.
  • Forscher schlagen deshalb andere Maßnahmen vor, um das Problem zu entschärfen.

Viele Menschen in den Städten zahlen Mieten von 1000 Euro und mehr. Doch was ist, wenn sie in Rente gehen? Können Sie sich das dann noch leisten? Für Millionen zukünftiger Rentner könnte dies zum Problem werden. "Eine ganze Generation mit deutlich niedrigeren Renten trifft dann auf steigende Wohnkosten", sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut in Hannover. Der Forscher nennt das die "Graue Wohnungsnot", auf die Deutschland in den nächsten Jahren zusteuere.

Günther macht eine einfache Rechnung auf: Die Zahl der Menschen mit mindestens 65 Jahren wird sich von heute knapp 18 Millionen bis zum Jahr 2040 auf etwa 24 Millionen erhöhen. Gleichzeitig werde aber die kommende Rentnergeneration deutlich weniger Geld zur Verfügung haben. Günther geht deshalb davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren 25 bis 35 Prozent der Senioren auf staatliche Hilfe angewiesen sein wird, heißt es in seiner Studie "Wohnen der Altersgruppe 65plus", die er auf der BAU-Messe in München im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel vorlegte. Demnach wäre jeder vierte oder sogar jeder dritte von Altersarmut bedroht. Derzeit beziehen nur etwa drei Prozent der älter als 65-Jährigen die staatliche Grundsicherung im Alter.

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Nun gibt Günther selbst zu, dass seine Hochrechnung nicht unumstritten ist. Andere Experten sehen die Gefahr der Altersarmut in den nächsten zwei Jahrzehnten bei weitem nicht so dramatisch. Der wissenschaftliche Beirat im Bundeswirtschaftsministerium hält es zum Beispiel für möglich, dass die Quote bis 2030 allenfalls auf fünf Prozent steigen wird. Sicher aber ist: In teuren Städten wird sich gerade für zukünftige Rentner die Frage stellen, was von ihrem Alterseinkommen noch übrig bleibt, wenn sie weiter eine hohe Miete bezahlen müssen. Wer in München als Mieter leben wolle, "muss im Grunde auch arbeiten", sagt Günther.

Wohngemeinschaften hält der Forscher nicht für eine geeignete Lösung

Das Pestel-Institut prognostiziert deshalb eine "Senioren-Umzugswelle". Derzeit liegt die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf bei 46,5 Quadratmetern, in München sind es 39,7 Quadratmeter. Ein Mensch im Rentenalter lebt hingegen in Deutschland im Durchschnitt auf 59 Quadratmetern. Nur wohin sollen die Senioren ziehen? Kleinere Wohnungen für eine geringere Miete sind in den Städten kaum zu finden. Und die gewohnte Umgebung zu verlassen, wollen die meisten alten Menschen verständlicherweise vermeiden.

Studienleiter Pestel hält es daher für ein gutes Modell, wenn große Wohnungsbaugesellschaften Rentnern einen Umzug in ihrem Stadtviertel anbieten, ohne dass sie mehr Miete bezahlen müssen. Nötig sei außerdem ein Förderprogramm für bundesweit drei Millionen Wohnungen, die zusätzlich altersgerecht neu oder umgebaut werden müssen. Auch der Sozialverband VdK, die Bauwirtschaft und der Mieterbund fordern, den Bau von altersgerechten Wohnungen mit staatlichem Geld stärker zu unterstützen.

Mehr Wohngemeinschaften mit Senioren zu gründen, hält Günther hingegen für "keine Lösung des Problems". Das könne im Einzelfall gut gelingen. "Aber viele kommen in jungen Jahren in einer WG schon nicht klar, und das wird mit steigendem Alter nicht einfacher."

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