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Dürre:Gerade Biobauern stehen gut da

Über die Ertragslage einzelner Betriebe sagt das freilich wenig aus. Die hängt zum einen davon ab, wie gut die Betriebe wirtschaften, zum anderen von der allgemeinen Marktlage. Ein Hof, der gut dasteht, ist resistenter gegen Krisen. "Wenn Betriebe jetzt wegen der Dürre in wirtschaftliche Not geraten, dann hatten sie auch schon vorher massive Probleme", meint Agrarforscher Taube. Einmalzahlungen wären in dem Fall keine echte Hilfe.

Überraschend ist, dass gerade Biobauern zu den Gutverdienern in der Landwirtschaft zählen. Die Buchhaltungsdaten, die das Thünen-Institut erfasst und auswertet, zeigen, warum: Ökoerzeuger ernten zwar weniger Getreide je Hektar und verkaufen weniger Fleisch und Milch als ihre konventionell arbeitenden Kollegen. Das machen sie jedoch wett durch geringere Kosten. Unter anderem verzichten sie auf Pestizide und Kunstdünger. Biomilcherzeuger holen ihr Grünfutter von eigenen Wiesen und müssen weniger zukaufen. Das spart Geld, bringt aber so manchen Ökobetrieb in diesem Sommer in Not, weil nicht genug Gras wächst.

Ökogetreideerzeuger haben derzeit einen kleinen Vorteil. Die Trockenheit setzt Biogetreide weniger zu als konventionellen Hochleistungssorten. Es ist besser im Boden verwurzelt und hat weniger Korn auf der Ähre. Bei Hitzestress braucht die Pflanze weniger Wasser. Die Ernteverluste fallen vermutlich also nicht ganz so hoch aus. "Die beste Versicherung ist die Vielfalt", sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstand des Ökobauernverbands BÖLW. Wer statt zwei oder drei mindestens sechs verschiedene Pflanzenkulturen anbaue, könne es sich auch mal leisten, dass eine oder zwei ausfallen.

25 600 Euro

So viel staatliche Beihilfen bekommt ein durchschnittlicher landwirtschaftlicher Betrieb im Jahr. In der Regeln macht das knapp die Hälfte der Einkünfte aus. Finanziert wird die Beihilfe von den Steuerzahlern in der EU. Am wichtigsten für die Erzeuger ist die Flächenprämie. Sie liegt bei knapp 300 Euro je Hektar.

Mit zehn Prozent aber ist der Anteil der Biobauern in Deutschland nach wie vor relativ gering. In Österreich, Schweden oder Italien liegt er deutlich höher. Jürn Sanders vom Thünen-Institut erklärt das so: "Deutsche Jungbauern finden Ökolandbau nicht gerade hip." Das liege zum einen an Vorurteilen, zum anderen aber auch an der Ausbildung, die nach wie vor traditionell ausgerichtet ist. "Wer umstellen will, lässt sich das ein paar Jahre durch den Kopf gehen, das ist ein großer Schritt."

Noch besser als die Biobauern haben zuletzt Schweinehalter und Ferkelzüchter verdient, mit einem Betriebsertrag von 85 000 Euro im Schnitt. Doch auch sie rechnen 2018 mit steigenden Futterpreisen, zudem ist der Markt für starke Preisschwankungen bekannt.

Subventionen werden pünktlich überwiesen, egal wie das Wetter war

Die Frage der Nothilfen bringt auch wieder die Debatte über die hohen Subventionen in Schwung. Den größten Teil machen Direktzahlungen der EU aus. Sie liegen bei knapp 300 Euro je Hektar Fläche und sind nicht an Auflagen gebunden. Zusätzliches Geld gibt es für Umweltschutzmaßnahmen wie Blühstreifen am Feldrand, für Agrardiesel oder Magerwiesen, die wenig Ertrag liefern. Ein kleiner Betrieb wie der von Zentgraf bekommt für seine sechs Hektar Kartoffelacker genau 2087 Euro Subventionen. Wie viel im Einzelnen und von wem genau, das hat er ins Internet gestellt, damit es jeder lesen kann. Das ist ungewöhnlich in einer Branche, die so sensible Daten lieber für sich behält. Einmal im Jahr veröffentlichen EU und Bundesregierung Daten, die zeigen, wohin das Geld der Steuerzahler fließt: Große Betriebe mit viel Land können eine Million Euro und mehr kassieren - Geld vom Staat, das jedes Jahr auf dem Konto landet, unabhängig von Wetter- und Marktlage.

Umweltverbände und Grüne fordern schon länger, diese Mittel stärker an Gegenleistungen zu knüpfen zum Schutz von Klima, Umwelt, Tieren und Artenvielfalt. Der Bauernverband lehnt das ab. Das gilt auch für Einschnitte, die nach dem Austritt der Briten aus der EU drohen. "Wenn wir die Zahlungen kürzen, schwächen wir automatisch auch den ländlichen Raum - und 70 Prozent Europas bestehen aus ländlichem Raum", warnt Bauernpräsident Rukwied.

Wie es nun für die Landwirte weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Eine erste schnelle Hilfe ist Sache der Länder, und die gibt es in der Regel nur bei Ertragseinbußen von mehr als 30 Prozent. Der Bund darf nur einspringen, wenn ein landesweiter Notstand festgestellt wird, doch danach sieht es derzeit nicht aus. Erste belastbare Zahlen liefert der Erntebericht, der Ende August vorliegt. Auch die EU hat Hilfe versprochen, Landwirte erhalten ihre Subventionen früher als sonst, also bereits im Oktober.

© SZ vom 04.08.2018/been
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