bedeckt München

Online-Betrug:Die Finanzaufsicht hat schon vor zwei Jahren auf das Problem hingewiesen

Jörg Aus dem Bruch, der sich bei der Polizeidirektion Göttingen mit Geldwäschedelikten in Niedersachsen befasst, kennt aber auch ähnliche Fälle, in denen Konten bei anderen Geldinstituten eröffnet wurden, etwa bei der Fidor-Bank oder der Solaris-Bank. "Das ist vor allem ein Phänomen der Online-Banken, die das Video-Ident-Verfahren nutzen", sagt Aus dem Bruch. Doch auch Filialbanken, die mit der Zeit gehen wollen und ihren Kunden ermöglichen, auf diese Weise online ein Konto zu eröffnen, könnten betroffen sein. Die Finanzaufsicht Bafin hat bereits vor knapp zwei Jahren in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, dass Banken "ihre Mitarbeiter dahingehend schulen müssen, dass sie zweifelsfrei feststellen, dass die zu identifizierende Person nach eigenem Willen das jeweilige Produkt beim entsprechenden Anbieter erwirbt".

Daran halte sich N26, heißt es bei der Bank auf Anfrage. Warum die Betrugsfälle gerade im Zusammenhang mit der Smartphone-Bank gehäuft auftreten, dafür liefert N26 keine Erklärung. Das Unternehmen weist aber darauf hin, die Problematik zu kennen und die Verbraucher schon vor Monaten auf dem eigenen Blog darüber aufgeklärt zu haben, wie sie sich vor Identitätsdiebstahl schützen können. Man informiere die Kunden im Zuge des Video-Ident-Verfahrens "gleich im ersten Schritt, ob sie sich darüber bewusst sind, dass sie ein Bankkonto bei N26 eröffnen", teilt die Bank Auch die Solaris-Bank gibt an, "die notwendigen Sicherungsmaßnahmen" gemeinsam mit ihrem Video-Ident-Dienstleister umgesetzt zu haben, die Fidor-Bank verweist auf ein "umfangreiches Sicherheitskonzept", ohne es genauer zu definieren. Wenn man Details weitergebe, heißt es bei der Bank, könnten die Betrüger diese Informationen gezielt nutzen.

Damit Verbraucher gar nicht erst Opfer von Identitätsdiebstahl werden, rät Kerstin Schultz von der Verbraucherzentrale Sachsen, "niemals" auf Anweisung von Dritten ein Konto zu eröffnen und persönliche Daten, Informationen und Dokumente mit ihnen zu teilen. Den Menschen, die auf den Trick hereingefallen sind, empfiehlt sie, die Bank zu kontaktieren und Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Der Kundenservice war bei Fragen zur Betrugsmasche nur schwer zu erreichen

Auch Matthias Gruber erstattete Anzeige und schickte eine E-Mail und ein Fax an N26. Ihm wurde zwar nicht die Identität gestohlen, doch er war indirekt betroffen - indem die Transaktion für die Kamera, die er gekauft hatte und die es nie gab, über das Konto abgewickelt wurde. Er machte die Bank auf das mutmaßlich missbräuchlich genutzte Konto aufmerksam und hoffte darauf, sein Geld vielleicht doch wiederzusehen. Nach zwei Wochen erhielt er eine Nachricht, in der vage die Rede davon war, dass der Fall an die "zuständige Fachabteilung weitergegeben" worden sei. Auch bei der Verbraucherzentrale beschwerten sich Kunden, dass die Bank im Zuge der Betrugsfälle nur schwierig zu erreichen war. Inzwischen habe man den Kundenservice personell aufgestockt, heißt es dazu bei N26.

Matthias Gruber hat nichts mehr von der Polizei gehört, seit er im Dezember Anzeige erstattet hat. "Das Geld ist weg", sagt er resigniert. Der Masche zum Opfer gefallen war Gruber, weil sich die Kriminellen Zugang zum Account eines echten Ebay-Verkäufers verschafft hatten und darüber die Kamera zum Verkauf stellten. Es kam zur Transaktion, obwohl Ebay nach eigenen Angaben eine "hochentwickelte Sicherheitssoftware" verwendet, um Betrugsversuche so früh wie möglich zu erkennen. Tatsächlich erhielt Gruber eine Nachricht von Ebay, dass sich womöglich ein unbefugter Dritter ins Konto des Verkäufers gehackt hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gruber die 720 Euro allerdings bereits überwiesen.

Da sich Überweisungen meist nicht rückgängig machen lassen, empfiehlt die Verkaufsplattform, per Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal zu bezahlen. Kommt die Ware nicht an oder entspricht nicht der Beschreibung, erhalten die Kunden in diesem Fall ihr Geld zurück. Gerade bei teuren Produkten empfiehlt Ebay "ausdrücklich", mit Paypal zu bezahlen. Für Matthias Gruber sind diese Hinweise nicht mehr von Interesse. Er hat genug vom Online-Shopping und sein Konto bei Ebay gelöscht. Geld übergibt er nur noch persönlich - wenn er dafür im Gegenzug direkt die Ware erhält.

© SZ vom 07.03.2019/vwu
Zur SZ-Startseite
Illustration Fake-Shop

Fake-Shops
:Wie sich Verbraucher schützen können

Oft können Online-Shopper schon an der Internetadresse erkennen, ob es ein seriöser Anbieter ist oder nicht.

Von Felicitas Wilke

Lesen Sie mehr zum Thema