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Klimaschutz unter Trump:Fallen die USA im Klimaschutz um, könnte das zu einem Domino-Effekt führen

Auch viele Bundesstaaten stellen sich quer, Kalifornien etwa. Mit fast 40 Millionen Einwohnern ist der Sonnenstaat im Westen für viele Firmen ein zentraler Absatzmarkt. Zugleich gelten hier besonders strikte Umweltregeln: Bis 2030, so sieht es ein Landesgesetz vor, das auch Trump nicht außer Kraft setzen kann, müssen die Treibhausgasemissionen im Staat auf 60 Prozent des Werts von 1990 gesenkt werden. Was soll etwa ein Autobauer da tun? Ein Modell für Kalifornien fertigen und ein zweites, billigeres, dafür aber die Umwelt verpestendes Trump-Mobil für Arizona? Kaum anzunehmen, dass viele Firmen diesen Weg beschreiten werden. "Die Gegenwehr, die Staaten wie New York und Kalifornien leisten, wird den negativen Effekt einer geringeren Umweltregulierung bei weitem wettmachen", sagt US-Experte Ellard.

Auch weltweit ist die von manchen Experten befürchtete Renaissance der Kohle bisher ausgeblieben. Als das Mercator-Forschungszentrum für globale Gemeingüter kürzlich die Planungen der großen Schwellenländer zusammentrug, stieß es vor allem in Indien und China auf lauter gestrichene Kohleprojekte: Peking setzt neuerdings vermehrt auf Windenergie, Indien auf Solarstrom. Die Folge: Die ursprünglich erwarteten Emissionen aus der Kohle könnten um 20 Prozent schrumpfen.

"Kritischer könnte Trumps Signal für jene Länder sein, die weiter auf Kohle setzen wollen", sagt Mercator-Chef Ottmar Edenhofer. Länder wie Indonesien, Ägypten, die Türkei oder die Philippinen planen fleißig neue Kohlekraftwerke - jedes einzelne garantiert CO₂-Emissionen für mindestens 40 Jahre. Fielen auch die USA um, könnte das zu einem Domino-Effekt führen.

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Größter US-Ölkonzern warnt Trump vor Klima-Rückzieher

Der US-Präsident fegt Umweltauflagen vom Tisch. Nicht nur bei den Demokraten regt sich Widerstand. Auch Konzerne wie Exxon wollen, dass die USA am Klimaschutz festhalten.   Von Michael Bauchmüller, Berlin, und Claus Hulverscheidt, New York

Entsprechend groß sind die diplomatischen Bemühungen, Trump aufzuhalten. Als sich jüngst Abgesandte der sieben großen Industrienationen (G 7) trafen, um den Gipfel im Mai auf Sizilien vorzubereiten, stand der US-Unterhändler ziemlich alleine da. Die anderen beschworen ihn, Washington müsse mindestens am Pariser Abkommen festhalten. Stehe nicht einmal das im Schlussdokument, so warnte Gastgeber Italien, wäre das ein "Versagen der G 7". Der Amerikaner verwies auf das Weiße Haus. Die Haltung dort sei "gespalten".

Ob Washington beim Pariser Abkommen bleibt, ist noch nicht entschieden

Tatsächlich sind die Signale widersprüchlich. Am Dienstag war der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth in Washington. Ausgerechnet am Tag der Unterzeichnung des Trump-Dekrets traf er auf den neuen EPA-Chef und vermeintlichen Klimawandel-Leugner Scott Pruitt. Er habe, sagt Flasbarth, einmal die deutsche Sicht auf die Dinge darlegen wollen, Energiewende, Ausstieg aus fossilen Energien, all das. "Man kann nicht sagen, dass Pruitt nicht interessiert wäre", sagte Flasbarth nach dem Treffen. Demnächst will der EPA-Chef nach Deutschland kommen und sich die Sache einmal vor Ort anschauen. "Ganz begraben", so Flasbarth, "hat Washington den Klimaschutz noch nicht."

Selbst die Umweltaktivisten von Greenpeace setzen deshalb nicht auf Konfrontation, sondern auf Überzeugungsarbeit. Sie legen dieser Tage in den USA eine Studie vor, die Trump für Wind und Sonne erwärmen soll. "Unsere neue Regierung hat die Kraft, Innovationen und Einfallsreichtum des amerikanischen Volkes zu nutzen, um Amerikas Energie-Versprechen zu erneuern", heißt es darin. Was folgt, sind die Segnungen grüner Energien für die Wirtschaft - schließlich schafften diese pro investiertem Dollar dreimal mehr Stellen als fossile Träger. "Wenn Trump überhaupt noch mit rationalen Argumenten zu erreichen ist", so Greenpeace-Mann Tobias Münchmeyer, "dann, wenn es um Geld und Jobs geht."

"Eine Amtszeit mit Trump kann man durchstehen, eine zweite wäre irreparabel."

Denn noch ist der Präsident nicht aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen. Zöge sich der zweitgrößte Klimasünder der Welt zurück, noch bevor die Vereinbarung überhaupt zu wirken beginnt, hätte das weitaus gravierendere Folgen als etwa das Kohle-Dekret. Nicht viel besser sähe es aus, wenn die USA zwar dabei blieben, die Gespräche aber von innen heraus sabotierten - etwa bei der Verabredung gemeinsamer Regeln. Sie sollen erst dafür sorgen, dass aus dem Fernziel Klimaschutz in jedem Staat auch messbare Schritte werden. "Eine Amtszeit mit Trump kann man durchstehen", sagt Klimaökonom Edenhofer. "Eine zweite wäre irreparabel."

Immerhin entstehen ganz neue Allianzen. Kürzlich trafen sich Wissenschaftler, Umweltschützer und Firmen aus den führenden Industrie- und Schwellenländern der G 20 und entwarfen einen Aufruf für mehr Klimaschutz. "Wir brauchen schnelles, fundamentales und vor allem globales Handeln", heißt es da. "Wir müssen die Art ändern, wie wir Energie erzeugen und verbrauchen." Sogar einen globalen Mindestpreis für klimaschädliche Emissionen fordert die merkwürdige Koalition. "Ich bin sicher", sagt Christoph Bals von der Umweltgruppe Germanwatch: "Ohne Trump hätten wir so etwas nie hingekriegt."

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Per Dekret will der US-Präsident die Auflagen für Kohlekraftwerke lockern. Die UN erinnern die USA an ihre globale Verantwortung. Umweltschützer sagen, er "gefährde den Zustand der Welt".   Von Michael Bauchmüller, Berlin, und Sacha Batthyany, Washington