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Künstliche Intelligenz:Entlasten oder entlassen?

World Robot Summit in Japan

Menschen neben Robotern. Wenn Erstere nicht Letztere ersetzen, kann das funktionieren.

(Foto: dpa)

Künstliche Intelligenz kann Mitarbeitern Zeit einsparen - wenn Firmen sie nicht nutzen, um stattdessen Jobs abzubauen.

Wenn heute von künstlicher Intelligenz die Rede ist, besteht wohl Einigkeit darüber, dass es sich dabei um eine der wichtigsten Zukunftstechnologien handelt. Weniger einig sind sich Experten und Vordenker dagegen, was der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) tatsächlich bringen wird. Dass er mittelfristig Jobs kosten wird, ist wahrscheinlich. Doch KI-Anwendungen nehmen Arbeitnehmern nervige oder Routineaufgaben ab und verschaffen ihnen so Zeit für andere Tätigkeiten - im Idealfall mehr Zeit für die eigenen Kunden. Das setzt aber voraus, dass Unternehmen die eingesparte Zeit auch dafür nutzen und nicht, um Stellen abzubauen.

Unternehmen sind in der Pflicht, Arbeitskräfte zu Fachkräften weiterzubilden

Oft richtet sich der Blick in die Zukunft der künstlichen Intelligenz auf Roboter und darauf, wie sie in der Industrie 4.0 eingesetzt werden und den Menschen ersetzen könnten. Dabei liegt auch in Branchen, in denen es um Dienstleistungen und den Kontakt zum Kunden geht, eine große Chance in der Technologie. In der Versicherungswirtschaft beispielsweise unterstützen Start-ups mit ihrer KI-Software große Anbieter wie die Allianz. Die Anwendung der Berliner Gründung Omnius etwa liest Schadensmeldungen, auch handschriftliche, automatisiert aus und verarbeitet die Informationen. Das Start-up wirbt damit, dass es so Zeit an die Sachbearbeiter zurückgibt, die sich diese Schritte sparen. Unternehmen sollten diese Chance ergreifen und jene Zeit reinvestieren in ihren Service.

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Es mag viele Menschen geben, die sich nicht gern mit einem Vertreter oder Kundenberater austauschen, sondern lieber ein Online-Formular ausfüllen, sich per Videoanleitung durch ein smartes Programm führen lassen und selbst Bilder und Videos hochladen. Das ist nicht nur nett für Technikaffine, sondern auch wichtig für Arbeitnehmer, die keine Zeit haben, zwischen Beruf und Kinderbetreuung noch einen Termin beim Versicherungsvertreter oder der Bank wahrzunehmen. Es gibt aber auch diejenigen, die lieber mit einer Person sprechen, die ihnen zuhört, offene Fragen klärt, beim Abschluss hilft. Beiden müssen Dienstleister gerecht werden.

Was künstliche Intelligenz im Vergleich zum Menschen ungleich besser hinbekommt, ist, große Datenmengen zu erfassen und zu kategorisieren. Sie kann verschiedene Szenarien in Sekundenschnelle durchrechnen. Und sie kann sich selbst weiterbilden und neue Zusammenhänge in den Daten erkennen. Allein, ohne Daten und genaue Anweisungen ist eine künstliche Intelligenz dümmer, als es ein gesunder Mensch je sein kann. Das zeigt sich etwa an den ethischen Problemen, die die Technologie verursachen kann - wird sie mit rassistischen oder allgemein diskriminierenden Merkmalen angelernt, hinterfragt sie nicht und übernimmt die Vorgaben vollkommen unkritisch.

Was Menschen dagegen ausmacht, ist ihre Fähigkeit, empathisch auf die Bedürfnisse anderer Menschen zu reagieren, Traurigkeit, Frustration, Freude und Interesse beim Gegenüber zu unterscheiden und zu deuten. Alles das eben, was aus guten Gründen als das Zwischenmenschliche bezeichnet wird. Ein großer Vorteil in KI-Technologien liegt für Unternehmen also darin, sie als Ergänzung zum Menschen und nicht als seinen Ersatz zu betrachten.

Automatisierung war schon immer dafür gut, Menschen zu entlasten, sei es bei schwerer körperlicher Arbeit oder Tätigkeiten mit vielen Wiederholungen. In der Vergangenheit führte das oft zu großen Entlassungswellen, die später durch neu entstandene Arbeitsstellen wieder ausgeglichen wurden. Auch jetzt prognostizieren Studien besorgniserregende Zahlen. Mehrere Hunderttausend Jobs könnten allein in der deutschen Industrie durch den Einsatz von KI überflüssig werden. Gleichzeitig werden Zigtausend neue Beschäftigte benötigt, die mit der Technologie und Robotik umzugehen wissen.

Das müssen aber, erstens, nicht zwingend zwei Schritte sein: In Zeiten des Fachkräftemangels sind Unternehmen auch selbst in der Pflicht, Arbeitskräfte zu Fachkräften weiterzubilden. Zweitens ist das die falsche Herangehensweise. Wer sich jetzt schon auf Unkenrufe über abgebaute Stellen fokussiert, übersieht, welche Ressourcen die Technologie freisetzt und wie diese Ressourcen genutzt werden können.

Wie sehr künstliche Intelligenz die Arbeitswelt tatsächlich verändern wird, wird sich also nicht nur auf technologischer Ebene zeigen, sondern auch am Verantwortungsbewusstsein und der Intelligenz der Arbeitgeber. Sie sollten sich zu ihrer Verantwortung gegenüber ihren Arbeitnehmern klar bekennen.

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