Handelsstreit Für Trump ist Handelspolitik ein Boxkampf

US-Präsident Donald Trump neben dem chinesischen Staatschef Xi Jinping im vergangenen Jahr in Peking

(Foto: Getty Images; Bearbeitung SZ)

Der neueste Schlag des US-Präsidenten trifft China: Unglaubliche 200 Milliarden Dollar belegt er mit Zöllen. Allerdings schadet er damit den USA - und gefährdet auch den deutschen Wohlstand.

Kommentar von Bastian Brinkmann

Der wenig erfolgreiche Unternehmer Donald Trump hat in seinem Casino "Taj Mahal" prominente Boxer antreten lassen. Die Sportler schlugen sich, einer gewann, das Publikum applaudierte. Später traten in dem Casino auch Ultimate Fighter an. Bei diesem blutigeren Kampfsport greifen die Kontrahenten einander in einem Käfig an, schlagen und treten sich. Der Kampf endet in der Regel, wenn einer der beiden aufgibt oder ohnmächtig wird.

Der US-Präsident Donald Trump macht Handelspolitik, als stünde er in einem Ultimate-Fighter-Käfig. Er verhängt nun Zölle auf Importe aus China in Höhe von 200 Milliarden Dollar. Das ist enorm viel, im Vorjahr haben die USA nur Waren im Wert von 500 Milliarden Dollar importiert. Und Trump droht, dass er noch viel mehr Zölle verhängen könnte, wenn Peking nicht nachgibt.

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USA gegen China - Donald Trump sieht Handel als Wettkampf zweier Länder. Das ist eine falsche, aber leider auch in Deutschland immer einmal wieder verbreitete Sicht. In Deutschland feiern viele die Exportüberschüsse; in den USA beschwert sich Trump darüber, dass China mehr Waren in die USA verkauft als umgekehrt. Aus dieser Perspektive gewinnen Deutschland und China den Boxkampf, die USA verlieren.

Doch der Welthandel funktioniert anders. Denn die USA können nur so viel importieren, weil die Unternehmer und Konsumenten in dem Land genug Geld haben, um überhaupt Waren aus dem Ausland kaufen zu können. In Deutschland wiederum ist die Binnennachfrage zu gering. Dass hierzulande die Exporte die Importe übersteigen, liegt auch daran, dass die Importe nicht so hoch sind, wie sie sein könnten.

Wenn es chinesischen Firmen schlechter geht, kaufen sie weniger bei deutschen Mittelständlern

Wer Handel als Zweikampf bewertet, der übersieht, dass zu jedem Kauf auch jemand gehört, der bezahlt. Das ist ein komplexer Mechanismus, aber er ist wichtig für die Gesamtbewertung: Wenn ein chinesischer Hersteller Waren in die USA verkauft, bekommt diese Firma in China meist Dollar überwiesen. Diese Dollar tauscht die Firma in die chinesische Währung um, denn nur damit kann sie zum Beispiel chinesische Bauarbeiter bezahlen, um eine neue Fabrikhalle bauen. Die umgetauschten US-Dollar landen bei der chinesischen Zentralbank, die das Geld etwa in US-Staatsanleihen investiert. Das senkt die Schuldenlast für den amerikanischen Haushalt - und ist somit gut für Trump. Doch diese Folgen blendet der US-Präsident aus, er sieht nur das Handelsdefizit und somit nicht das ganze Bild.

Die 200-Milliarden-Dollar-Zölle sind so immens, dass sie die globalen Warenströme verändern werden. Chinesische Konzerne werden weniger Waren in die USA verkaufen, denn die Zusatzzölle von zehn Prozent wirken wie ein Preisaufschlag in der gleichen Höhe. Verdienen Unternehmen in China weniger, haben sie nicht mehr genügend Geld, um neue Maschinen bei einem deutschen Mittelständler zu ordern. Die Eskalation des Handelsstreits bedroht daher letztendlich auch den deutschen Wohlstand.

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