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Handel - Hannover:Start-ups fordern Standard für digitale Kassenbons

Bremen
Ein Mann hält ein Smartphone mit der Demoversion eines digitalen Kassenbons in der Hand. Foto: Sina Schuldt/dpa (Foto: dpa)

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Bremen/Hannover (dpa/lni) - Digitale Kassenzettel sind eine Alternative zu der Papierflut, die mit der Bonpflicht über Verbraucher und Handel hereingebrochen ist. Doch einen Standard für die Digitalversion gibt es nicht, verschiedene Verfahren konkurrieren. Und: Der Kunde wird dafür eigentlich gar nicht gebraucht.

Mehrere Entwickler setzen auf Apps, mit denen die Bons papierlos erfasst werden können. Einheitliche Vorgaben fehlen aber. "Lasst uns eine Norm schaffen, die dann alle nutzen können", sagte daher Amir Karimi, Geschäftsführer der Softwareschmiede A&G in Bremen, der Deutschen Presse-Agentur. Seine Firma hat eine App namens Admin entwickelt, mit der sich Kunden Kassenbons aufs Smartphone schicken lassen können. Die Markteinführung soll im Mai sein.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hat sich am Donnerstag in Hannover einen weiteren Entwickler angesehen, das Start-up epap. Deren vierköpfiges Team hat mit der Entwicklung der Software bereits im vergangenen Frühjahr angefangen, als die Debatte über die Bons noch gar nicht heißgelaufen war. Seit September ist epap verfügbar, fast 7000 Nutzer haben die App schon installiert. In Braunschweig testen Bäckereien ein System der Firma Kamphenkel.

Einige der technischen Lösungen im Überblick: Bei Karimis App Admin soll jeder registrierte Nutzer einen eigenen QR-Code auf sein Handy bekommen, der beim Bezahlen an der Kasse gescannt wird. So kann der Käufer seine später Bons abrufen und in der App verwalten. Die App epap funktioniert ähnlich, kann zusätzlich aber auch bereits ausgedruckte Bons mit der Kamera einscannen.

In der Version der Braunschweiger Firma Kamphenkel Datensysteme erscheint der QR-Code auf der Kasse, der Kunde kann ihn dann mit seinem Handy erfassen. Der Kunde muss sich dafür nicht erst in einem System registrieren - dafür bekommt er, anders als etwa bei epap, aber auch keine Software zur Haushaltsführung.

Beim Termin mit Wirtschaftsminister Althusmann wird jedoch deutlich: Eigentlich ginge es auch ganz ohne App für die Verbraucher. Solange die Händler und Kassenhersteller eine entsprechende Software, beispielsweise epap, in ihren Kassen verwenden, können die Bons digital sicher für Finanzverwaltung und Steuerfahnder erfasst werden - und der Kunde müsste einfach nur bezahlen.

Althusmann ist zuversichtlich, dass der Markt den Wandel hin zum Screen und weg vom Papier regeln wird. Er unterstützt zudem den Wunsch nach technischen Standards: "Am Ende erwarten die Kunden, dass es eine einheitliche Lösung gibt", sagte er. Gebe es mehrere Systeme parallel, zum Beispiel auch per Mail, schaffe das nur Verwirrung. Auch Kamphenkel-Geschäftsführer Marc Kamphenkel spricht sich für eine Vereinheitlichung der Verfahren aus.

Die Bundesregierung allerdings sieht das ganz anders. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor. "Nahezu wöchentlich treten neue Anbieter am Markt auf oder entwickeln Ideen für elektronische Belege", schrieb die Parlamentarische Staatssekretärin Sarah Ryglewski (SPD). "Eine Standardisierung könnte diese Entwicklung beeinträchtigen." Es solle "ein möglichst diverser Markt für elektronische Belege" entstehen.

Die Bonpflicht an sich ist dabei weder für Politiker noch Entwickler das Problem - sondern der Papierverbrauch und die Kosten. "Die Bonpflicht ist an sich eine gute Sache", sagte Geschäftsführer Karimi in Bremen. Es sei wichtig, etwas gegen Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung zu tun. Seine App solle erreichen, dass weder der Handel noch die Kunden künftig noch Belege auf Papier brauchen. So werde umweltschädliches Thermopapier eingespart. Und statt 3 Cent für einen Papierbeleg koste ein digitaler Bon den Handel nur 1 Cent.

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