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Großbritannien und der EU-Austritt:Briefkasten in Frankfurt reicht nicht

Finanzplätze wie Dublin, Luxemburg und Paris machen sich große Hoffnungen. Und natürlich Frankfurt, der Sitz der Europäischen Zentralbank. Bei der Bafin gab man sich am Montag daher alle Mühe, die ausländischen Bankenvertreter über die Untiefen der deutschen Aufsicht zu informieren. Zwar sei der Brexit kein Grund zur Freude. Man müsse den Instituten nun aber Klarheit bieten, ohne dabei den deutschen Finanzsektor in Gefahr zu bringen, teilte die Behörde mit.

Bei dem Treffen ging es daher vorrangig um sperrige Themen wie das Wertpapierhandelsgesetz, Großkreditvorschriften oder Erlaubnisverfahren nach dem Kreditwesengesetz. Vieles in der Finanzwelt mag europaweit einheitlich geregelt sein, im Detail jedoch gibt es immer noch große Unterschiede. Im Kern dürfte die Bankenvertreter daher interessiert haben, welche Geschäfte sie genau nach Deutschland verlegen müssen, um eine Vollbanklizenz zu erhalten. Das ist die Voraussetzung, um von Deutschland aus Dienstleistungen in den übrigen EU-Staaten anbieten zu können. Dass es beileibe nicht ausreicht, nur einen Briefkasten und eine Vertriebseinheit hinzustellen, hatte die Bafin bereits durchblicken lassen.

Wie viele der ausländischen Banken sich schließlich entscheiden werden, wichtige Funktionen oder gar ihren Europasitz nach Frankfurt zu verlegen, darüber wird in Frankfurt allerdings nach wie vor gerätselt. Optimistischen Schätzungen zufolge sollen 10 000 Arbeitsplätze von der Themse an den Main verlagert werden. Doch die Immobilienmakler, die in der Regel frühzeitig eingeschaltet werden, wenn Büroraum gesucht wird, haben noch keine größeren Anfragen registriert.

Vielleicht ist es aber auch gar nicht immer nötig, Makler einzuschalten. Die US-Investmentbank Goldman Sachs zum Beispiel hat sich bereits mehrere Etagen im Frankfurter Messeturm reserviert, wo die bisher etwa 200 Banker in den obersten Stockwerken residieren. Das Geldinstitut wird wohl zu den ersten gehören, die verkünden, wie viele Stellen sie von London nach Frankfurt verlagern.

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