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Geplante Supermarkt-Fusion:Jetzt droht Tengelmann die Zerschlagung

KAISERS TENGELMANN ZENTRALE IN MÜLHEIM RUHR AUS TENEGELMANN WIRD EDEKA ÜBERNAHME VON KAISE

Eine Filiale von Kaiser's Tengelmann in Mülheim an der Ruhr. "Es wird von Monat zu Monat schlimmer", sagt der Betriebsratschef.

(Foto: imago/Udo Gottschalk)
  • Seit zwei Jahren versucht Edeka, die angeschlagene Supermarkt-Kette Tengelmann zu übernehmen.
  • Der Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub könnte dem Aufsichtsrat nun wohl vorschlagen, "den Stecker zu ziehen".

Bei Kaiser's Tengelmann überschlagen sich die Ereignisse. Karl-Erivan Haub, der Eigentümer der Kette, so heißt es, hat die Geduld verloren und will die Reißleine ziehen. "Er will dem Aufsichtsrat, der am 23. September tagt, vorschlagen, den Stecker zu ziehen", sagt jemand, der persönlich mit ihm in Kontakt steht. Die Fusion mit Edeka wäre dann endgültig gescheitert. Der Lebensmittelkonzern aus Hamburg arbeitet seinerseits an einem Plan B und will nur noch die Filialen übernehmen, gegen die das Bundeskartellamt keine Einwände mehr hat. Mobilisieren da die voraussichtlich Unterlegenen in einem zum Scheitern verurteilten Fusionsprozess noch einmal alle Kräfte?

Seit zwei Jahren will Haub vergeblich an Edeka verkaufen. Doch das Kartellamt und die Monopolkommission funkten dazwischen; Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel scheiterte vorerst damit, die Fusion per Ministererlaubnis durchzuboxen. Eigentlich warteten jetzt alle auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Doch nun steht plötzlich die Zerschlagung der Kette im Raum. Die Mitarbeiter und die Gewerkschaft Verdi sind alarmiert. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger will einen runden Tisch aller Beteiligten noch vor dem 23. September einberufen und eine Zerschlagung abwenden.

Aus Sicht von Verdi wäre sie die schlechteste aller Alternativen für die Mitarbeiter. Zumal Verdi in mühsamen Verhandlungen vor wenigen Wochen erst mit Edeka Tarifverträge ausgehandelt hat. Doch Haub ist angeblich fest entschlossen. "Die Option BGH ist nicht mehr relevant", sagt ein Insider. Da Haub nicht nur als Eigentümer des Familienunternehmens, sondern auch als dessen Aufsichtsratsvorsitzender fungiert, deutet alles auf eine klare Entscheidung hin.

Endgültig beschlossen ist aber noch nichts. Blufft Haub vielleicht nur? Es wäre nicht das erste Mal. "Nein, diesmal ist es ernst", sagen mehrere Personen, die mit der Sache befasst sind. Zu hoch sind die Verluste und zu langwierig das juristische Verfahren. Es könnte im für Haub schlimmsten Fall gut weitere zwei Jahre dauern, bis endlich ein rechtskräftiges Urteil gefällt ist. Allein das Eilverfahren wird bis ins nächste Jahr hinein andauern, falls sich der Bundesgerichtshof überhaupt der Sache annimmt. Und ob er das tut, darüber will er erst voraussichtlich Mitte November befinden.

All das ist für Haub schwer erträglich. Die Verluste seiner Supermarktkette summieren sich derweil monatlich auf etwa zehn Millionen Euro. Anlässlich der Aufsichtsratssitzung wurde am Montag ein Papier mit den Schreckenszahlen an die Teilnehmer versandt.

Rainer Schroers, Betriebsratsvorsitzender am Sitz in Mülheim an der Ruhr, kennt sie: "Die Situation wird von Monat zu Monat schlimmer. Es wird immer schwieriger, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten", sagt er. Viele Kunden kämen nicht mehr in den Laden, um etwas zu kaufen, sondern um von den Kassiererinnen zu erfahren, wie es ihnen geht und ob bald 5000 oder 8000 Arbeitsplätze wegfielen. Die Mitarbeiter seien demoralisiert, die Kündigungen häuften sich.