Intelligente Heizung:Mit schlauen Heizungen an die Börse

Lesezeit: 3 min

Intelligente Heizung: Ein smartes Thermostat von Tado samt Steuerung per App.

Ein smartes Thermostat von Tado samt Steuerung per App.

(Foto: OH)

Der Münchner Spezialist für das Management von Heizungen Tado will sich mit einem Börsengang mehr Geld für die Expansion in Europa und Asien verschaffen.

Von Helmut Martin-Jung

Das ging schnell: Erst Mitte Oktober 2021 hatte der frühere Chef des Stahlhändlers Klöckner, Gisbert Rühl, mit zwei Start-up-Spezialisten ein Spac gegründet - eine Unternehmenshülle also, um binnen zwei Jahren eine Firma zu kaufen und an die Börse zu bringen. In der Münchner Firma Tado GmbH hat das Spac nun schon im Januar 2022 ein passendes Unternehmen gefunden. Warum gerade Tado?

Ziel des Spacs war es, ein Unternehmen zu finden, das dazu beitragen kann, die Energiebilanz zu verbessern. "Ich bin überzeugt, dass der Geschäftserfolg und die Fähigkeit, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren, in Zukunft mehr und mehr zusammenhängen werden", sagt Rühl. Tado habe das bereits gezeigt und seit 2013 mit seinen Produkten und Lösungen 730 000 Tonnen CO₂ eingespart. Aber nicht nur das habe für Tado gesprochen, sagt Rühl: "Tado ist am Markt schon erfolgreich, kein Hoffnungswert für die Zukunft." Zudem treffe die Firma auch den Nerv der Zeit mit ihren steigenden Energiepreisen.

Tado, gegründet vor gut zehn Jahren, begann mit smarter Regelungstechnik für Heizungen. Via Smartphone-App wird dabei die Heizung dann hochgefahren, wenn die Bewohner auf dem Nachhauseweg sind. Vor einigen Jahren hat Tado den erfahrenen Manager Toon Bouten an Bord geholt, der aus dem Start-up, das er übernommen hat, ein großes Unternehmen machen will. "Bis vor fünf Jahren", sagt er, "waren wir noch ein richtiges Start-up, jetzt sind wir die Nummer 1 in Europa". In 20 Ländern ist Tado mittlerweile aktiv und hat mehr als zwei Millionen intelligente Thermostate und Regelsysteme für Heizungen verkauft.

Wichtig für Tado ist aber auch der asiatisch-pazifische Raum, dort geht es allerdings eher ums Kühlen als ums Heizen. Zudem hat Tado vor Kurzem die österreichische Firma Awattar übernommen. Diese hat eine Software entwickelt, mit der sich zeitvariable Stromtarife intelligent nutzen lassen. Das Ziel dahinter ist klar: Tado möchte zu einer Plattform für das Energiemanagement im Gebäudesektor werden. "Wir kommen vom Heizen und Kühlen", sagt Tado-Chef Bouten, "aber in Zukunft geht es auch um Elektroautos in der Garage und Batteriespeichersysteme im Haus".

"Idealer Partner"

Im Spac GFJ habe man einen idealen Partner gefunden, lobt Bouten die neuen Verbündeten, es sei ihm dabei nicht bloß ums Geld gegangen, sondern auch um die Expertise. Gisbert Rühl ist ein erfahrener Industriemanager, der zuletzt mit der Umwandlung des Stahlhändlers Klöckner in eine Handelsplattform für Stahl Aufsehen erregte und viel Anerkennung bekam. Mit im Boot sind zudem zwei erfahrene Manager aus der Start-up-Szene: Der Investor Florian Fritsch gehörte zu den frühen Investoren bei Tesla. Josef Brunner war unter anderem Gründer und bis vor Kurzem Chef des erfolgreichen Sensorik-Start-ups Relayr.

Geplant ist ein Zusammenschluss der beiden Partner, die kombinierte Gruppe soll dann an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden. Etwa 180 Millionen Euro sollen dadurch in die Kassen der Gruppe fließen, man hofft auf eine Bewertung von Tado von rund 450 Millionen Euro. Einen finanziellen Schub in dieser Größenordnung brauche es aber auch, um weiter Produkte zu entwickeln und vermarkten zu können, so Toon Bouten. Die Summe, ergänzt Rühl, reiche für die nächsten Wachstumsphasen, das Unternehmen habe es durch den Börsengang aber auch leichter, Kapital aufzunehmen.

Wachstum bleibt erstes Ziel

Profitabel ist Tado weiterhin nicht, aber das müsse es auch nicht sein, sagt Rühl. Das Geschäftsmodell in sich müsse profitabel sein, nicht die Firma. Wenn man aber wachsen wolle, könne man nicht gleichzeitig die Profitabilität anstreben. Die Firma, bei der zurzeit 180 Menschen arbeiten, werde aber Geld verdienen, und das in nicht allzu ferner Zukunft, zeigt sich Rühl überzeugt. Einer der Gründe ist die ökologische Grundausrichtung des Unternehmens. "Firmen, die das nicht erkennen, werden es künftig in jeder Hinsicht schwer haben", sagt Rühl, "auch um Talente zu bekommen". Den Mitarbeitern sei zunehmend wichtig, dass ihr Unternehmen etwas Sinnvolles tue.

Einen weiteren Grund sieht Rühl in der Ausrichtung auf den Gebäudesektor. Hier werde viel Energie verbraucht, es gebe aber auch viel Potenzial, schnell große Einsparungen zu realisieren. Tado profitiert dabei von seiner mühsam erworbenen Erfahrung mit den 18 000 Heiz- und Kühlsystemen von verschiedenen 900 Herstellern, die über die Jahre aufgebaut wurde. Kunden, argumentieren die Münchner, würden mit einem Tado-System im Durchschnitt 22 Prozent ihres Energieverbrauchs einsparen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB