Mobilfunk:Handyempfang dank Elon Musk?

Mobilfunk: Die Satelliten von Starlink werden nacheinander ausgesetzt und erscheinen am Himmel wie eine fliegende Lichterkette (hier mit langer Belichtungszeit aufgenommen).

Die Satelliten von Starlink werden nacheinander ausgesetzt und erscheinen am Himmel wie eine fliegende Lichterkette (hier mit langer Belichtungszeit aufgenommen).

(Foto: Reed Hoffmann/AP)

Ein dringender Anruf, aber kein Netz weit und breit. Das kennen viele. Nun will der Tech-Milliardär mit Tausenden Satelliten gewöhnlichen Smartphones Notfallkommunikation ermöglichen.

Von Helmut Martin-Jung, München

Es ist der Horror des modernen Menschen: irgendwo zu stranden und dann keinen Handyempfang zu haben. Lässt sich da nichts machen? Doch, findet Elon Musk, der umtriebige Tesla-Gründer und Weltraum-Unternehmer. Sein Raumfahrtunternehmen Space-X, Betreiber des größten Satelliten-Netzwerks der Welt, Starlink, will nach und nach Tausende von kleinen Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen. Das Ziel: Nahezu jedes Smartphone soll dazu eine Verbindung aufbauen können. An diesem Dienstag hat eine Falcon-9-Rakete insgesamt 21 Satelliten ausgesetzt, sechs davon sind sozusagen fliegende Mobilfunkmasten.

Schon seit einiger Zeit gibt es Versuche, das Problem zu lösen. Apple etwa ermöglicht mit den iPhones 14 und 15 eine Notfallkommunikation via Satellit. Dabei können aber nur kurze Textnachrichten versendet werden, außerdem müssen die Nutzer sich vorher vorbereiten und Notfallinformationen hinterlegen, freie Sicht auf den Himmel haben und das Handy auf einen Satelliten ausrichten.

Bei Musks Technologie können die Starlink-Satelliten direkt über gewöhnlichen Mobilfunk mit Handys kommunizieren - im Fachjargon direct-to-cell genannt. Daher können die Nutzer auch ihre ganz normalen Smartphones verwenden, ohne dass diese dafür spezielle Antennen oder Chips benötigen. Die Bandbreite ist allerdings auch hier zunächst begrenzt. Anfangs seien nur Textnachrichten drin, so Musk. Später aber würden dann auch Sprachkommunikation oder sogar Videoübertragung möglich.

Das wird allerdings noch dauern. Es gibt derzeit nur sechs Satelliten, welche die nötige Technologie an Bord haben. Da diese ständig um die Erde sausen, sind sie nur zeitweise verfügbar. In den nächsten Monaten plant Musk allerdings, weitere 840 dieser Satelliten in den Orbit zu bringen.

Damit das System möglichst viele Flächen weltweit abdecken kann, muss Space-X mit den jeweiligen örtlichen Mobilfunknetz-Betreibern kooperieren. Partner für Musk in den USA ist T-Mobile USA, der amerikanische Ableger der Deutschen Telekom. T-Mobile bietet an, Kunden ausländischer Partner die Nutzung des Satelliten-Dienstes zu ermöglichen, wenn diese ihrerseits T-Mobile-Kunden Zugang gewähren. Bisher sind außer T-Mobile noch Anbieter aus Australien, Kanada, Chile, Japan, Neuseeland und der Schweiz an Bord, aber kein Unternehmen aus Deutschland. Sie alle müssen Space-X erlauben, einen Teil des Funkspektrums zu nutzen, das ihnen zugeteilt wurde, da ja die Satelliten funktionieren wie Sendemasten.

Dass sich die Mobilfunkfirmen damit das eigene Geschäft gefährden, müssen sie Musk zufolge nicht befürchten. Mehr als einige Megabit pro Funkzelle seien mit der Technologie nicht möglich. Es geht also eher darum, in entlegenen Gebieten überhaupt eine Verbindung zu bekommen, um etwa einen Notruf absetzen zu können.

Musks Satellitenkonstellation Starlink für Internetzugang funktioniert bereits weltweit, Nutzer brauchen allerdings eine kleine Bodenstation mit einer Antenne, um darauf Zugriff zu haben. Bei den Satelliten mit Direct-to-cell-Technik an Bord ist das nicht mehr nötig. Es braucht aber sehr viele Satelliten, insgesamt will Space-X um die 40 000 der kleinen künstlichen Himmelskörper ins All bringen.

Das ruft auch viel Kritik hervor. Denn die niedrige Erdumlaufbahn ist schon jetzt eine regelrechte Müllhalde. Weitere 40 000 Satelliten würden das noch verschlimmern und es womöglich in wenigen Jahrzehnten zu gefährlich machen, Raketen ins All zu schießen. Musks Satelliten sollen auf Umlaufbahnen von knapp 600 Kilometern gebracht werden. Das ist eigentlich erdnah genug, dass die künstlichen Himmelskörper bei Fehlfunktionen oder nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer zum Verglühen in die Erdatmosphäre abgesenkt werden können. Immer funktioniert das allerdings nicht.

Elon Musk stört das wenig, wie man ihn kennt, ist er vorgeprescht, eine Genehmigung der Regulierungsbehörden für die kommerzielle Nutzung der Direct-to-cell-Satelliten hat Space-X noch gar nicht. Immerhin will man die derzeit noch recht hell gestalteten Satelliten bald dunkler machen, damit sie in der Dämmerung nicht das Sonnenlicht reflektieren und Astronomen bei ihren Beobachtungen stören.

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